Goodwood Revival 2012

— 18.09.2012

Donnerhall der Silberpfeile

So viel Donner, so viel Beben gab es seit 1939 nicht mehr auf dem Asphalt: Nicht weniger als zehn deutsche Silberpfeil-Rennwagen der Vorkriegszeit boten in England eine eindrucksvolle Show.



Das letzte Mal, dass zehn der legendären Silberpfeile der 1930er Jahre aufeinandertrafen, liegt  bereits 73 Jahre zurück. Als am Nachmittag des 3. September 1939 beim Grand Prix von Belgrad das Ergebnis feststeht, hat der Zweite Weltkrieg bereits begonnen. Die geballte Kraft aus vielen tausend PS lässt jetzt erstmalig wieder einem Rennpublikum den Atem stocken. Es ist zugleich der teuerste Aufmarsch an automobilem Kulturgut, den es je gab: Auf bis zu eine halbe Milliarde Euro schätzen Experten den Wert des silbernen Edelmetalls, das die historischen Abteilungen von Audi und Mercedes-Benz aus ihren Sammlungen nach England gebracht haben. Immerhin: Zwei der Exemplare stammen sogar aus Privatbesitz.

Auto Union Typ D: Heimkehr nach 73 Jahren

Start zum GT-Rennen. An der Spitze: Ferrari 250 GTO.

Wie jedes Jahr im September feiert Lord March das Historien-Spektakel rund um die Geschichte des Motorsports. An drei Tagen bietet sein Goodwood Revival ein übervolles (Renn-)Programm. Rund 140.000 Zuschauer haben sich im Vorfeld der Veranstaltung Eintrittskarten besorgt – und damit ist das Spektakel komplett ausverkauft. Vor Ort gibt es keine Eintrittksarten mehr, und bis an den Horizont der weitläufigen Wiesen des Lords parken Hunderte von Klassikern, mit denen das Publikum angreist ist. Auf dem kleinen Rundkurs im Süden Englands wird alles beherzt bewegt, was im Motorsport Rang und Namen hatte. Mit vollem Einsatz, dabei extrem fair und professionell kämpfen in verschiedenen Klassen Formel-Rennwagen, Sport-GT oder historische Motorräder um den Sieg. Wer nahe genug an der Piste steht, sieht manche Fahrer vor Freude breit grinsen. Vor den Rennen, danach, auch nachts, wird überall leidenschftlich in den Boxen geschraubt. Alles sieht hier aus wie in alten Zeiten. Nicht nur, dass das Goodwood Revival wie ein riesiger Open-Air-Maskenball funktioniert und klassische Kleidung für Besucher und Teams obligatorisch ist, auch die Gebäude folgen dem Stil von früher.

Nachgebaut: Das Boxen-Gebäude von einst. Die Silberpfeile lauern kampfbereit.

Tatsächlich haben die Goodwood-Macher für die deutsche Silberpfeil-Armada die Boxen des Großen Preises von Bern aus Holz und Blech nachempfunden, alte Werbung inklusive. Hier schrauben die Werksmechaniker in klassischen Baumwoll-Overalls, die alte AUTO UNION- und Mercedes-Benz-Logos tragen. Neu sind nur die Werkzeuge – und der Gehörschutz, der vor dem zornigen Gebrüll der 8-, 12- und 16-Zylinder etwas schützt. Denn es wird höllisch laut vor den Boxen. Das so genannte Abstarten, der Höhepunkt der rund einstündigen Vorbereitung, die jeder einzelne dieser Hi-Tech-Rennwagen aus den 1930ern vor seinem Einsatz erfordert, trommelt die Besucher zusammen. In Tweed, Knickerbockern und kecken Kostümen drängen sie dann an die Silberpfeile und schauen gebannt den Mechanikern auf die Finger, die mit viel Erfahrung jeden Silberpfeil für die Runden auf der Strecke vorbereiten.

Spannend: Abstarten eines Auto Union Silberpfeils Typ D.

Im Stakkato gibt einer im Cockpit Gas, und dabei kreischen die Motoren zackig auf, um gleich darauf genauso scharf wieder in sich zusammenzufallen. Ein aggressives An-Aus, wie man es von heutigen Rennmotoren kennt. An jedem der drei Tage drehen die Silberpfeile ihre Runden vor dem Publikum. Rennfahrer-Legenden wie Jacky Ickx, Jackie Stewart, Jochen Mass, Frank Biela oder Bernd Schneider sitzen steil hinter den großen Lenkrädern, aber auch der Pink-Floyd-Drummer Nick Mason startet hier – er ist zwar Amateur, gilt im AUTO UNION-Team dennoch als einer der versiertesten Silberpfeil-Piloten. Hier in Goodwood treten die einstigen Grand-Prix-Gegner gemeinsam an. In den 1930er Jahren hatten AUTO UNION und Mercedes-Benz ihre Rennwagen allerdings permanent mit modernster Technologie gegen den Konkurrenten hochgerüstet.

So war es im Vorjahr: Goodwood Revival 2011


 Kaum offensichtlich ist heute dagegen, wie hart Audi später um sein historisches Erbe kämpfen musste. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Sowjets alle auffindbaren AUTO UNION-Silberpfeile in Sachsen beschlagnahmt und gen Osten abtransportiert. Erst Jahrzehnte später gelang es engagierten Schatzsuchern, einige Fragmente in der Ukraine aufzuspüren und zu sichern. Daraus entstanden, ergänzt mit nachgefertigen Bauteilen, wieder einsatzbereite Rennwagen. Einige Typen haben Experten nach Fotos, Skizzen und Zeichnungen aus dem Nichts neu bauen müssen. Mercedes-Benz hatte da mehr Glück: Die werkseigenen Silberpfeile haben den Krieg unbeschadet überlebt. Sie waren auf Bauernhöfen in Süddeutschland versteckt. Anspruchsvoll sind sie alle, die Originale wie die Neubauten. Einige der Silberpfeile bieten über 700 Newtonmeter Drehoment, eine Leistung jenseits der 500-PS-Marke und würden, wenn sie denn dürften, mit weit mehr als 300 km/h über die Strecke rasen. Doch das probieren sie hier in Goodwood nicht mehr aus, die prominenten Piloten. Die Angst vor einem Schaden an den Preziosen ist zu groß. Also gibt es keine dramatischen Rennszenen, keine Rad-an-Rad-Kämpfe wie einst. Doch dass sie das könnten, daran lassen die Silberpfeile schon akustisch keinerlei Zweifel.

Bonhams-Auktion beim Goodwood Revival 2012

"Das ist die große bunte Bunny-Show und wir sind alle mit dabei..."

Sicher, auch abseits der Rennstrecke wurde viel geboten: Eine Oldtimer-Auktion des renommierten britischen Auktionshauses Bonhams am Samstag, den 15. September 2012 und Ausstellungen klassischer Automobile, eine Flugshow, ein Vintage-Supermarkt sowie ein historischer Jahrmarkt standen auf dem Programm. Für historisches Flair sorgten nicht zuletzt die Besucher und zahlreiche Showgirls in nostalgischem Outfit. Doch der Höhepunkt war eindeutig das Treffen der Silberpfeile. Oben in der Bildergalerie finden Sie Bilder des Silberpfeil-Treffens und weiterer Highlights vom Goodwood Revival-Wochenende 2012.


Autor: Thomas Wirth

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