Hamburg-Berlin-Klassik 2009

Rallye Hamburg-Berlin Klassik 2009 Rallye Hamburg-Berlin Klassik 2009

Hamburg-Berlin-Klassik 2009

— 26.08.2009

Alle Klassiker, alle Teilnehmer

Das Fest der Klassiker: Auch die zweite Auflage der Rallye Hamburg-Berlin Klassik begeisterte die Menschen. Und warum? Antwort: Der Mix macht es – bei den Autos genauso wie bei den Piloten.

In Annenwalde geht es um die Wurst. Rund 50 Kilometer nördlich von Berlin, auf dem Weg vom Neustrelitzer Hafen zum Marktplatz von Templin, kommen die Autos durch dieses Dörfchen, das aus ein paar Häusern besteht – und aus zwei Straßen. Zwei Dutzend Zuschauer haben sich an diesem frühen Samstagnachmittag am Straßenrand postiert, und das bedeutet: Das ganze Dorf ist da. Jeder Oldtimer wird bejubelt, gefeiert, bestaunt. Annenwalde macht stark. Allen Fahrern und jedem Co-Piloten wird eine Räucherwurst zur Stärkung durchs Fenster gereicht. "Für den Endspurt nach Berlin", rufen sie und winken dem Bentley 4 1/2 Litre Blower von 1930 hinterher, dem 45 Jahre alten Samba-Bus von VW oder dem 1963er Opel Kadett. Und genau das ist der einzigartige Zauber der Hamburg–Berlin-Klassik, der Oldtimer-Rallye von AUTO BILD KLASSIK, die in diesem Jahr zum zweiten Mal an den Start ging: das Miteinander von Menschen und Maschinen, von Fans und Fahrern. Auf 650 Kilometern zwischen den Verlagshäusern von Axel Springer in Hamburg und Berlin. Durch die City, über die Elbe und in die Wälder. An die Ostsee und quer durch die Mecklenburgische Seenplatte.

Egal ob bei schwüler Hitze (erster Tag), starkem Regen (zweiter Tag) oder strahlendem Sonnenschein (dritter Tag). Stadt, Land, Fluss – diese Rallye war ein Genuss. Da sieht man Schauspieler Ralph Herforth mit blankem Oberkörper, der den defekten Kühler seines Opel Diplomat V8 Coupés mit einem halben Brötchen repariert. Für den 49-Jährigen nichts Ungewöhnliches: "Als ich in Heilbronn den Othello gegeben habe, habe ich immer in den Pausen an meinem Austin Healey rumgeschraubt." Gleich dahinter kommt Michael Wegener aus Alfeld, der erklärt, wie man am besten zu einem automobilen Klassiker kommt: neu kaufen und einfach behalten! So wie sein schwarzes Käfer 1302 LS Cabriolet, das er sich 1971 als Azubi zulegte und fast 40 Jahre später stolz durch die Menschenmassen auf der Promenade des Iberotels Boltenhagen lenkt.

Sicherheits-Innovationen: Rallye unterm guten Stern

Es ist diese Mischung von ein paar wirklich autobegeisterten Prominenten und der großen Gruppe ebenso blechverrückter Privatfahrern, die das Starterfeld so abwechslungsreich macht. Und die Tatsache, dass nicht nur teuer restaurierte Edel-Oldtimer die Beschaulichkeit der Dörfer unterbrechen, sondern auch Autos, die sich ein Normalverdiener ersparen kann. Und damit fahren sie dann durch Orte wie Userin, Sorgenfrei, Ausbau, Groß Väter oder Klein-Mutz. Schräge Ortsnamen sammeln ist eine lustige Nebenbeschäftigung für alle, die mit Stoppuhr und Schnitttabelle nicht ausgelastet sind. Denn das ist ja der sportliche Aspekt der Rallye: auf Wertungsprüfungen die Streckenabschnitte möglichst exakt in der vorgeschriebenen Zeit absolvieren. Und trotz all der schönen Landschaft und der netten Menschen am Straßenrand: bitte nicht verfahren!

Das Spielmobil

Wie das geht, weiß Peter Sodann wohl ganz gut. Der Ex-Tatort-Kommissar, der für die Linke Bundespräsident werden wollte, gab am Start zu: "Mit Nordert Blüm wurde ich auf einer Rallye mal Vorletzter." Na ja, er kam ja auch aus Dresden, dem "Tal der Ahnungslosen", wo zu DDR-Zeiten kein West-Fernsehen zu empfangen war. Deswegen kennt der TV-Mann auch nicht das feuerrote Spielmobil. Der Star des 70er-Jahre-Kinderfernsehens, 24 Jahre verschollen und von AUTO BILD in Namibia wiederentdeckt, fuhr die Rallye außer Konkurrenz mit und bereitete auch manchem 40 Jahre alten Mecklenburger feuchte Augen. "Is dit der Echte?", fragt einer und kann die Antwort kaum glauben. "Ick fass et nüsch." Im Kindergarten Regenbogen in Güstrow kriegen die Kleinen den Mund nicht mehr zu, als sie im Spielmobil sitzen und die märchenhaften Geschichten des Autos erzählt bekommen. Kindliche Freude auch in Gadebusch, wo eine ganze Klasse Zweitklässler auf dem Gehweg sitzt und jedes Auto nach der Durchfahrtkontrolle im Chor mit einem langen "Auf Wiiiiee-deeer-seeeehn" verabschiedet.

Das Gesamtergebnis der Rallye Hamburg-Berlin

So geht das von Ort zu Ort, von Stadt zu Land zu Fluss. Irgendwo kann eine junge Frau am Straßenrand nicht anders und lupft im Glanz des altes Bleches ihre Bluse. Kurz zuvor steht ein frischvermähltes Brautpaar an der Strecke und die Braut küsst – nein, nicht ihren jungen Gatten, sondern einen echten Prinzen. Leopold Prinz von Bayern, in einem BMW 328 von 1937 unterwegs. Als ein kleiner Junge den Sportwagen sieht, klärt er seinen Vater auf: "Du, Papa, das da ist ein ganz alter Oldtimer." Das älteste Auto im Feld ist ein Hispano Suiza von 1921. Und auch die Pilotin hat schon einiges erlebt: Die legendäre Rallyefahrerin und Opel-Händlerin Heidi Hetzer (72) lenkt diesen Monumental-Oldtimer drei Tage lang mit einer grandiosen Kondition in ihre Heimatstadt. Zuvor hatten fünf Mechaniker des AvD den undichten Krümmer mit einer Spezialpaste reparieren müssen. Das hält bis Berlin – und dennoch ärgert sich Heidi am Ende noch über jeden einzelnen Strafpunkt.

Die Rallye schreibt unzählige Geschichten

Das sind nur ein paar dieser tausend kleinen Geschichten, die sich am Wegesrand dieser Tour abspielen. Kleine und etwas größere Auto-Tragödien sind auch darunter. Liegenbleiber der Landstraße. Doch alle bleiben gelassen auf dem Weg nach Osten. Hilfe kommt sofort – professionelle vom AvD oder die vom netten Kollegen. Und irgendwann kommen sowieso alle durch Groß Breesen und vorbei an Conny Weiss. Die begrüßt jeden der 187 Starter mit den Worten: "Merken Sie sich dieses Dorf! Es ist das schönste an der ganzen Strecke." Und das mit Deutschlands erstem Bücherhotel, das Conny betreibt. 80.000 Bücher kann sie ihren Gästen anbieten. Die Rallye nutzt sie zu einer charmanten Eigenwerbung, wie sie im Buche steht. Und wer weiß — vielleicht kommt eines Tages ein neues Buch dazu. Das von der legendären "Hamburg–Berlin-Klassik". Geschichten dafür gibt es nun wirklich reichlich.

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