Hamburg-Berlin-Klassik 2009

Mercedes 180 D Mercedes-Benz 450 SEL 6.9

Hamburg-Berlin-Klassik 2009

— 28.08.2009

Rallye unter gutem Stern

Mercedes begleitete die Rallye Hamburg-Berlin Klassik 2009 mit fünf Fahrzeugen aus vier Jahrzehnten, die zu ihrer Zeit Sicherheits-Standards neu definierten. Ein Rückblick.

Eine wunderbare Sache, die Oldtimer-Liebhaberei: Das Schätzchen beschert seinem Fahrer unvergleichlichen Fahrgenuss, Passanten lächeln einen an, das Auge kann sich kaum satt sehen am kunstvoll geformten Stahlblech. Doch was ist, wenn es mal kracht? Diese Frage stellten sich die Sicherheitsingenieure von Mercedes-Benz schon vor über 50 Jahren. In den frühen 50ern gab es bei Mercedes Ansätze, die bis dahin stiefmütterlich behandelte Sicherheit von Autos zu verbessern. 1953 erschien der wegen seiner Karosserieform "Ponton" genannte Mercedes, der erste Mercedes mit selbsttragender Karosserie. Die Bodengruppe ist wesentlich verwindungssteifer als beim Vorgängertyp 170 (W 136), der noch auf einem separaten Rahmen aufbaut. Ab Mai 1956 erhielt der Ponton Sicherheits-Keilzapfenschlösser, die ein Aufspringen bei durch Überschlag oder Aufprall verursachter Karosserie-Verwindung verhindern. Die Windschutzscheibe des Ponton ist aus splittersicherem Verbundglas.

Sicherstes Auto ihrer Zeit: die Mercedes-Heckflosse. Sie kam 1959 u.a. mit Knautschzonen und Sicherheitslenksäule.

Im September 1959 begannen die Stuttgarter mit einer systematischen Sicherheitsforschung: Ein Versuchswagen wurde frontal gegen eine feste Barriere aus alten Presswerkzeugen gefahren, die für den Schrott bestimmt waren. In weiteren Tests wurden dann komplette Unfälle nachgestellt wie zum Beispiel der Zusammenstoß einer "Großen Heckflosse" (W 111) in die Seite einer Limousine des gleichen Typs. Außerdem führte man Frontal-Crashs und zum ersten Mal Überschlagversuche durch. Die 1959 erschienenen "Zwo-Zwanziger" (W 111) überraschten die konservative Mercedes-Kundschaft mit modischen Flossen im US-Stil, setzten aber auch völlig neue Sicherheits-Standards. Hinter der Bundespatentnummer 854157 (Erfinder Béla Barényi) verbirgt sich die erste stabile Fahrgastzelle mit exakt definierten Knautschzonen. Das stoßnachgiebig in Gummi gelagerte Armaturenbrett ist oben und unten gepolstert, das Lenkrad mit einer umschäumten Prallplatte versehen. Die gepolsterten Sonnenblenden sind ebenso auf Insassenschutz optimiert wie die kunststoffummantelten Fensterkurbeln und Bedienungsknöpfe, die elastischen Türarmlehnen und der Sicherheits-Innenspiegel, der bei Stoßeinwirkung einfach abfällt.

Setzte in den 70ern neue Sicherheitsstandards: Die intern W 116 genannte S-Klasse.

Einen weiteren Quantensprung bei der aktiven und passiven Sicherheit erreichte Mercedes-Benz mit der neuen S-Klasse im Jahr 1972 (W 116, Bauzeit 1972-1980). Sie ist das erste Auto, bei dessen Entwicklung der Computer eine große Rolle spielte. Die Verformbarkeit der Karosserie bei Kollisionen wurde zusätzlich zu den Crashversuchen erstmals auch am Rechner getestet. Die außergewöhnlich hohe Festigkeit der Fahrgastzelle resultiert aus massiven Dachpfosten und voluminösen Schwellern. Die Dachsäulen halten sogar Belastungen von mehr als zehn Tonnen aus! Front und Heck weisen eine noch größere Deformationszone auf als die Vorgängertypen, der Tank ist aufprallgeschützt über der Hinterachse untergebracht. Damit nicht genug: 1978 entwickelte Mercedes das Antiblockiersystem zur Serienreife und bot es erstmals gegen Aufpreis im W 116 an. All diese Maßnahmen führten zu einer Unfallsicherheit, die in den 70er Jahren internationale Maßstäbe setzte.

Der 190er bringt die Sicherheit aus der Luxus- in die Mittelklasse

Hohe Sicherheitsreserven sind jedoch nicht den Topmodellen des Hauses vorbehalten: Der Mercedes 190 (Bauzeit 1982-1993) ist das erste Auto in der Mittelklasse, das konstruktiv auf einen um 40 Grad versetzten Frontalaufprall ("Offset-Crash") mit 55 km/h hin vorbereitet wurde. Die hervorragenden Ergebnisse im praxisnahen Offset-Crash, der heute zum Standard-Crashtest geworden ist, beruhen im Wesentlichen auf einer Gabelträger-Konstruktion. Der zugfeste Gabelträger im Wagenboden verteilt die Aufprallkräfte auf Getriebetunnel, Bodengruppe und Schweller, sodass auch die stoßabgewandte Seite zur Aufnahme der Aufprallenergie herangezogen wird. Seit Modelleinführung 1982 war der 190er mit Fahrer-Airbag und ABS lieferbar, seit 1984 gab es serienmäßig Gurtstraffer für die Vordersitze. Damit bot der 190er den gleichen Sicherheitsstandard wie die erheblich teurere S-Klasse (W 126).

Autor: Lars Busemann

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