HBK 2015: Technische Abnahme

Hamburg-Berlin-Klassik 2015: Technische Abnahme

— 26.08.2015

"Wer spielt mit mir Corvette?"

Ohne die technische Abnahme darf kein Oldie auf die Hamburg-Berlin-Klassik. In Berlin passieren alle 180 Autos die Prüfung.

Die Dekra-Prüfer haben ein Auge für Kleinigkeiten: Bei der technischen Abnahme der Oldtimer entgeht den sechs Mann des Prüf-Unternehmens keine defekte Blinkleuchte. Eine Art Mini-HU durchlaufen alle gut 180 Klassiker, die am Tag vor dem Rallyebeginn ihre Tauglichkeit für die achte Ausgabe der Hamburg-Berlin-Klassik unter Beweis stellen müssen – und die sich vor der atemberaubenden Kulisse des Berliner Olympiastadions aufreihen. Als beim Skoda 130 RS der linke Blinker im Test versagt, hilft ein zartes Klopfen auf den Kotflügel. Ja, die alte Elektrik.



Für Dekra-Prüfer Carsten Bräuer ist die Abnahme für die Klassik-Rallye ein ganz besonderes Ereignis. Nicht nur wegen der aberwitzig teuren und exklusiven Autos, die ihm nicht alle Tage unter die wachsamen, bebrillten Augen kommen, wie den BMW 507 im Feld. Sondern vor allem wegen der heute selten geworden Alltagsautos früherer Jahrzehnte. "Wo sind denn die Autos der 80er, die angeblich unsere Straßen überschwemmen?", fragt der Dekra-Mann. Der orange-rote VW Passat GLE von 1974 mit 1,8-Liter-Einspritzer, ein Zweitürer, versteht sich, ist heute super-selten und bringt seine Augen zum Leuchten.

"Zwölf hungrige Mäulchen"

Unter der Haube des Ferrari 275 GTB lauern zwölf gierige Zylinder.

Den selben Effekt bewirkt natürlich auch der rote Ferrari 275 GTB, als sich dessen Haube öffnet. "Da  sind ja zwölf hungrige Mäulchen", meint der prüfende Dekra-Mann.  Bei der Fülle der seltenen Oldtimer, bei der Auswahl spielte auch Mischung  eine Rolle, kommt auch ein erfahrener Prüfer ins Schwärmen. Schließlich fördert der Blick beim Check der Fahrgestellnummern im Motorraum oft Nicht-Allzu-Alltägliches zutage. So eine stolze Fünf-Horn-Fanfare samt Pressluftkompressor im tiefblauen Fiat 2300 S Coupé von Dennis Horstmann, der die Rallye mit seiner Frau Julia und der zwölfjährigen Tochter fährt. Doch in der Stadt ist der Kompressor zu langsam, deshalb wird dort elektrisch gehupt. 
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Die schwarze Corvette C2 Sting Ray macht eine gute Figur vor dem Olympiastadion.

Viele Rallye-Teilnehmer haben ihr Gepäck für eine weite Anfahrt mit dabei. Und so muss Carsten Brüning in seinem Porsche 924 S von 1986 nach dem Öffnen der Glashaube tief graben, bis er den Verbandskasten vorzeigen kann. Ein wenig kommt HU-Prüfatmosphäre auf.  Doch die Prüfer sind gut gelaunt und immer für einen Kalauer gut: "Wer spielt mit mir Corvette" ruft Dekra-Mann Bräuer dem C2-Sting-Ray-Fahrer zu, bevor dessen Fahrer den schwarzen Ami-Renner unter dem grünen Baldachin zum Check bereitstellt.

Die Erde fünfmal umkurvt?

Claus Dobritzhofer (rechts) mit Beifahrer Thomas Hagmann: Die Ente war früher Dobritzhofers Studentenauto.

Neben starken Oldies sind auch eher schmächtige dabei, wie die blaue Ente aus Österreich, deren Besitzer eine tolle Geschichte erzählen kann. Denn der 2CV6 von Claus Dobritzhofer aus Lebbendorf sieht zwar aus, als hätte er die Erde schon fünfmal umkurvt, hat aber erst 16.000 Kilometer auf dem Tacho. "Den hab ich nach dem Studium bei meiner Oma abgestellt und vergessen", meint der Fahrer schmunzelnd. Nachdem die Prüfung von Beleuchtung, Sicherheitstechnik und Vorhandensein von Warnwesten abgeschlossen ist, bekommt auch dieser 29-PS-Oldie die Prüfplakette. Jeder Fahrer bekommt zum Schluss noch einen Stapel ölaufsaugender Tücher in die Hand gedrückt. Man weiß ja nie.

"Dies ist nicht die Rallye-Weltmeisterschaft"

Für alle Teams, die noch schnell ihre Rallye-Kenntnisse auffrischen wollen, hält Peter Göbel, der Sportliche Leiter des Events, guten Rat bereit: "Bloß nicht die Nerven verlieren," rät der erfahrene Organisator von der Agentur Plusrallye den rund 80 Mitfahrern, die sein Abendseminar in der Jesse-Owens-Lounge im Olympiastadion besuchen. Hier geht's um Wertungsprüfungen, Durchfahrtskontrollen und unangekündigte, supergeheime Wertungsprüfungen. Göbel nimmt den Teilnehmern aber auch jede Sorge: "Unsere Prüfungen sollen Spaß machen!" Daher schätzt der Organisator sportliche Ambitionen, doch sollten sie die Klassik-Rallye nicht zur genussfreien Veranstaltung machen, rät Göbel seinen Zuhörern.

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Stichworte:

Oldtimer-Rallye

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