7. Hamburg Berlin Klassik 2014: Technische Abnahme

Hamburg-Berlin-Klassik

— 27.08.2014

Geprüft auf Herz und Bremsen

Der AvD bittet zur technischen Abnahme am Hamburger Fischmarkt. Und die  Klassiker zeigen sich beim Check unter blauem Himmel von ihrer Schokoladenseite. Auch in der Wolfsburger Autostadt tut sich was.

Der Lack glänzt mit der Sonne um die Wette. Kaiserwetter am ersten Tag der siebten Hamburg-Berlin-Klassik. Vor dem Start der 7. HBK steht für alle Teilnehmer die technische Abnahme durch den AvD. Schwerpunkte: Überprüfung von Licht, Hupe, Motor, Bremsen und Sicherheits-Ausrüstung. Diesjährige Besonderheit ist die Messung des Siedepunktes der Bremsflüssigkeit. Der Stopper-Saft sollte nicht unter 150 Grad Celsius kochen. Es gibt sogar eine harte Grenze: Siedet die Bremsflüssigkeit unter 100 Grad, darf das fragliche Auto nicht mitfahren. Die Gefahr des Bremsausfalls wäre zu hoch. Doch Entwarnung: Kein Auto fällt durch diese Prüfung. Zuerst sieht es für den Opel Monza der AUTO BILD KLASSIK-Redaktion noch schlecht aus, dann pendelt sich das Messgerät aber doch bei 185 Grad ein, er bekommt die AvD-Plakette für die Windschutzscheibe, die ihn zum Start berechtigt. Unter den roten Pavillondächern werden zwischen Lichttest und Batteriepol-Isolierung jede Menge Benzingespräche geführt, so auch am schwarzen Straßenkreuzer mit der Nummer 85. René Schoras bringt mit seinem Lincoln Continental alle Leute zum Staunen. Es schlägt in Entrückung um, als die Motorhaube mit kaum hörbarem Geräusch ins Schloß gleitet. Immerhin: Das Zuschlagen der Tür klingt wie erwartet. Nämlich so, als ob im Auto ein Geschirrschrank umfällt.

Eine Ente aus Österreich

Das Team Dobritzhofer/Hagmann aus Krems an der Donau kam per Autozug nach Hamburg. Der Citroën 2CV6 ist seit 1988 Familienmitglied von Claus Dobritzhofer – nach dem Studium hatte er schlicht vergessen, den Wagen zu verkaufen, sagt er. Seine erste Rallye fuhr Dobritzhofer vor wenigen Jahren in der Ente, gemeinsam mit einem 80-jährigen Motoradrennfahrer. Dabei kam er auf den Geschmack und über einen Freund zur 7. HBK nach Hamburg. Die Ente, Baujahr '84, macht einen ziemlich fitten Eindruck, im Winter fährt der Besitzer aber mit zwei Daunenjacken - eine hat er an, die andere liegt über den Knien.

Der brasilianische Schneewittchensarg

Der VW SP2 Coupé do Brasil ist einer der exotischten Volkswagen.

Und dann ist da noch dieser flache Exot. Nicht nur, weil er aus Südamerika kommt. Nicht nur, weil er so irre selten ist. Das VW SP2-Coupé do Brasil ist ganz besonders. Geschenkt, das Auto mit dem aggressiven Gesicht unter der langen Haube kann nicht die Fahrleistungen entwickeln, die das Design suggeriert. Im Heck brabbelt nur ein aufgebohrter Käfermotor. Unwichtig, dass er sich nur knapp zehntausend Mal verkaufte. Dieses Auto ist das Auto, das der VW-Porsche hätte sein sollen und der Scirocco nie wurde. Zumindest optisch, zumindest gefühlt. Und wenn die großflächig verglaste Heckklappe in Europa in Serie gegangen wäre, vielleicht gar mit einem moderneren, wassergekühlten Motor, würde heute niemand vom Volvo P1800 ES "Schneewittchensarg" reden. Sondern vom Schneewittchensarg aus Wolfsburg. Wetten? Klaus-Dieter Ulrich vom Team VW Classic bereitet den Brasilianer auf die Rallye vor und ist nicht nur Experte für alte Autos, sondern auch dafür, wie man Aufkleber richtig anbringt: "Auf einer Schicht Scheibenklar klebt die Startnummer blasenfrei. Auf der geriffelten Tür des SP2 ist trockenes Kleben aber besser." Beim Abziehen der Aufkleber ist Ulrich schon alles mögliche passiert - mal war der Klebstoff auf dem Lack, mal war der Lack hinterher am Aufkleber: "Man weiß nie so genau, was passiert. Der SP2 hier hat aber einen neuen Lack, da sollte alles glatt gehen."

Vorbereitungen in der Autostadt

Historische Volkswagen: Mit zwei Gölfen, einem Scirocco I und einem Käfer geht es zum Test.

Auch in der Autostadt in Wolfsburg dreht sich am Tag vor der Rallye alles um die richtige Vorbereitung. "Eine Rallye ist wie ein Regal, das man zusammenbaut: Man muss nur wissen, wie". Weise Worte von Rallye-Weltmeister Christian Geistdörfer beim Fahrertraining des Autostadt-Teams, denen die Schauspielerinnen Dennenesch Zoudé ("Polizeiruf 110", "Götz von Berlichingen") und Esther Schweins ("RTL Samstag Nacht", "Ein Sommer in Rom") offensichtlich nicht ganz glauben wollen. Die beiden Rallye-Neulinge wirken anfangs verloren angesichts der vielen Aufgaben: Bordkarte ausfüllen, Startzeit markieren, Wertungsprüfungen, Stoppuhren bedienen, das Roadbook lesen und die Richtung angeben… "Mir ist ja jetzt schon ganz schlecht", sagt Zoudé. Nur Schauspielerkollegin Katharina Schubert ("Drei mit Herz", "Da kommt Kalle") ist entspannt. Die siebte HBK ist schließlich schon ihre fünfte Rallye. "Beim ersten Mal war ich ziemlich nervös und sauer. Ich hatte gedacht, ich muss nur aus dem Fenster schauen und winken – und plötzlich hieß es, ich muss navigieren!", sagt sie lachend. Nun ist sie aber angefixt, sagt sie, und hofft darauf, ihren Erfolg von ihrer ersten Fahrt, der HBK 2011, wiederholen zu können – damals gab es den neunten Gesamtplatz.

Sieben Fahrzeuge der Autostadt

Das Team der Autostadt geht mit sieben Fahrzeugen an den Start – allesamt aus der Sammlung des Zeithauses der Autostadt.  "Die diesjährige Tour widmen wir dem 40. Geburtstag des Golf", sagt Otto F. Wachs, Sprecher der Geschäftsführung der Autostadt, der mit Dennenesch Zoudé im weißen Golf I GTI von 1978 startet. Die hat sich – nach einigen Runden auf dem Testgelände mit simulierten Wertungsprüfungen – mit ihrer Aufgabe angefreundet: "Das zeitgenaue Auslösen der Uhren ist Präzisionsarbeit, aber ich bin ehrgeizig!"

Esther Schweins Erinnerungen an das erste Auto

Schauspielerin Esther Schweins testet den goldfarbenen Scirocco I.

Esther Schweins startet mit Andreas Hornig, dem technischen Leiter des Zeithauses, im goldmetallic-farbenen Scirocco I GLi, Baujahr 1977. Das Coupé weckt Erinnerungen: "Mein erstes Auto war ein Golf GT mit komplett verrosteten Kotflügeln, den ich mit einem Freund repariert habe. Danach war er wohl der Golf mit dem breitesten Hintern", erzählt sie. So breit ist das Heck des 1983er Golf I GTI Pirelli nicht, den Rallyeweltmeister Christian Geistdörfer pilotiert und Katharina Schubert leitet, wohlkonturiert dafür aber der 1956er Käfer in der Exportversion. Nicolás Haas und Walter Köhler vom Käfer-Club Última Edicíon bestreiten darin die Rallye: Bei der Techno-Classica in Essen hatten sie die Rallye-Teilnahme gewonnen – und starten nun mit dem Golf-Vorgänger zu dessen vierzigsten Geburtstag mit der Startnummer 40.

Die Vorfreude nimmt zu

Auch mehrere Kollegen der AUTO BILD fahren die Rallye mit: Redakteur Malte Tom Büttner startet mit Dirk M. Conradt, Berater der Autostadt, und wird am Samstag von David Löffler, Verlagsleiter Auto, Computer & Sport und Geschäftsführer des Axel Springer Auto-Verlags, im Golf I Cabrio aus dem Jahr 1980 abgelöst. AUTO BILD-Chefredakteur Bernd Wieland und AUTO TEST-Redaktionsleiter Alexander Kuhlig teilen sich den Fahrersitz im weißen 1980er Scirocco I GT und haben Alan Hadjio zum Copiloten. Zuversichtlich sind sie alle, auch die Neulinge: "Es wird auf jeden Fall lustig", sagt Esther Schweins. Nach der Einführung sind auch die promienten Rallyeteilnehmer gut für die siebte Hamburg-Berlin-Klassik gewappnet.
Datum 1. Teiletappe 2. Teiletappe
28. August Hamburg – Boltenhagen Boltenhagen – Warnemünde
29. August Warnemünde – Stolpe Stolpe – Stettin (PL)
30. August Stettin (PL) – Neuhardenberg Neuhardenberg – Berlin

7. Hamburg Berlin Klassik 2014: Technische Abnahme





Stichworte:

Oldtimer-Rallye

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