Unterwegs im Opel Kadett GSi von Helmut Schmidt

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Helmut Schmidt: Sein besonderer Opel

— 11.12.2015

Unterwegs im Kanzler-Kadett

In den 1990ern kaufte Helmut Schmidt einen besonderen Privatwagen. Opel hat das Auto des kürzlich verstorbenen Kanzlers aufgehoben, AUTO BILD war exklusiv mit dem Kadett GSi unterwegs!

Was trieb Helmut Schmidt (*23.12.1918, †10.11.2015) vor zwei Jahrzehnten dazu, mit über 70 eine halbstarke Heizer-Kiste zu kaufen? Keine Ahnung! Manches verliert sich im Dunkel der Geschichte, auch wenn es noch keine 25 Jahre her ist. Fest steht nur: Dieser schwarze Opel Kadett GSi gehörte von 1991 bis 1996 dem kürzlich verstorbenen Altkanzler. Und wir dürfen ihn fahren!
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Die GSi-Fraktion liebte den Kadett

Nicht ein Hauch von Geruch nach Zigarettenrauch im Inneren des Kadett. Die Schachtel Menthol-Zigaretten wurde nur fürs Foto platziert.

Als erstes klappen wir den Aschenbecher auf: keine Reyno-Krümel drin! Die Jungs von der Opel-Klassikabteilung, die den Kadett des Kettenrauchers für die Nachwelt aufhebt, haben hier schon vor Jahren gründlich sauber gemacht. Auch der Geruch der Mentholkippen – verflogen! Nur ganz sensible Nasen glauben zu erschnuppern, dass die Velourpolster noch etwas kalten Rauch ausdünsten. Wenn der Besitzer es nicht selber tat: Qualmen konnte auch der Opel. Denn gehen dem Steuermann die 115 Pferde(stärken) durch, steigt an den Vorderreifen weißer Rauch auf. Traktionskontrolle? Damals noch kein Thema. Und bei der GSi-Fraktion auch kaum erwünscht. Quietschender Gummi war schließlich Musik in ihren Ohren.
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Der Cw-Wert war Klassenrekord

Der Kadett ist ein talentierter Kurvenkratzer. Beim Tritt aufs Gas ist man dank 965 Kilo und 115 PS ruck, zuck schneller als die Polizei erlaubt. 

Opel faahn is’ wie wennze fliechst: Der zwei Liter große Vierzylinder hat nur 965 Kilo zu bewegen. Der GSi geht also ab wie Schmidts Katze. Ruck, zuck ist man schneller als die Polizei erlaubt, zumal der Sport-Kadett dem Fahrtwind nicht viel Widerstand entgegensetzt. cw 0,30: Das war mal Klassenrekord – und ist auch heute noch gut. 288 km/h schafft er zwar nicht – die leuchten beim Zündschlüssel-Rumdrehen nur für Sekundenbruchteile im digitalen Tacho-Mäusekino auf. Doch 200 Spitze sind auf der Autobahn mühelos drin, das kurz übersetzte Fünfganggetriebe sorgt für beachtliche Sprintstärke. Loki und Helmut dürften die Power allerdings kaum ausgenutzt haben, wenn sie im Kadett vom Doppelhaus in Hamburg-Langenhorn zu ihrem Feriendomizil am schleswig-holsteinischen Brahmsee fuhren. Die alten Leutchen werden eher die gute Übersicht geschätzt haben – und dass der Opel mit 1,66 Metern Breite auch in engen Garagen nicht aneckt. Da der Altkanzler nur 1,72 Meter groß war, konnte er am Steuer sogar seine geliebte Elblotsenmütze aufbehalten. Konrad Adenauer (1,88 Meter) musste, um behütet zu bleiben, noch Mercedes fahren.
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Kadett E aus dem Straßenbild verschwunden

Damit die Bässe wummern konnten, tauschten viele junge Opel-Fahrer das originale Radio (Bild) gegen ein Produkt aus dem Hause Kenwood oder Alpine.

Heute fällt der Kadett auf. Nicht, weil er mal Helmut Schmidt gehört hat – darauf kommt so schnell ja niemand. Es gibt einfach keine mehr! Die von 1984 bis 1993 gebaute fünfte Generation, die im Opel-Alphabet den Buchstaben "E" trägt, ist aus dem Straßenbild praktisch verschwunden. Dabei war sie mal ein Massenauto – damals, als Schmidt-Nachfolger Helmut Kohl die Republik regierte, Opel 15 Prozent Marktanteil hatte und den Rüsselsheimern in der Kompaktklasse noch keine billigen Korea-Autos an den Karren fuhren. Im frisch vereinten Deutschland war der GSi vor allem bei den jungen Wilden beliebt. Vor der Eisdiele wummerten die Bässe, das serienmäßige Opel-Radio "SC 303" hatten viele durch eine Anlage von Kenwood oder Alpine mit mehr Bumms ersetzt. Schwer vorstellbar, dass in einem solchen Auto mal ein Feingeist unterwegs war, der zuhause am Klavier gern Bach und Mozart spielte.
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Die angenehme Seite des wilden Opel

Die Zierstreifen und das Endrohr sollen beim Balzen vor der Disco geholfen haben. Dabei kann der GSi auch sehr zurückhaltend und angenehm.

Dabei hat auch der GSi eine geheime, kultivierte Seite. Die beim Sondermodell "Champion" (Neupreis: 31.530 Mark) serienmäßigen Sportsitze lassen einen mit ihren Schraubstock-Flanken unwillkürlich in den Aggro-Modus schalten. Zierstreifen auf Heck und Flanken steigerten einst den Balzfaktor vor der Dorfdisco, und das großkalibrige, verchromte Endrohr sorgte für den starken Abgang, wenn wieder mal ein feindlicher VW die Rücklichter (und den beliebten Aufkleber "Tschüss, GTI") zu sehen bekam. Aber der Motor brummt, so lange man ihm nicht die Sporen gibt, angenehm leise. Windgeräusche sind kaum wahrnehmbar. Die Servolenkung macht das Parken kinderleicht, und wer es edel mochte, konnte die Sitze wie in einem Jaguar mit Bezügen aus Connolly-Leder ordern, Aufpreis 3470 Mark. Helmut Schmidt, bescheiden wie er war, verzichtete darauf. Dabei wären die feinen Polster im Heizer-Opel auch nicht stilbrüchiger gewesen als er selbst am Steuer.

Unterwegs im Opel Kadett GSi von Helmut Schmidt

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Hier der Download zur AUTO BILD-Fahrt auf Helmut Schmidts Spuren.

Unterwegs im Opel von Helmut Schmidt

Der Heftartikel mit der Reportage zum Kanzler-Kadett ist im Online-Artikelarchiv erhältlich. Der Artikel handelt vom Opel Kadett E GSi Champion (1984-1991). Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.

Veröffentlicht:

04.12.2015

Preis:

1,00 €

Autor: Martin G. Puthz

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