Pebble Beach: Concours d'Elegance 2013

Höhepunkt in Pebble Beach

— 19.08.2013

Die Krönung: Concours d'Elegance 2013

Chromblitzende Edel-Oldtimer unter trübgrauem Himmel – das ist Pebble Beach, der Concours d'Elegance, wo die Reichen alljährlich ihre noblen Klassiker präsentieren und prämieren. Als Besucher braucht man kein Millionär sein, nur Oldtimer-Fan.

Es ist wieder passiert: Nebel-Niesel am Pebble Beach, dieser Millionärsoase am Pazifik. Da fragt man sich natürlich, wieso jemand Millionen für eine Villa am Meer ausgibt, dann aber ständig in der Suppe sitzt. Doch das ist ja nicht unser Problem. Der Mann vom Pressezentrum sagte ganz positiv animierend, dass das neblige Licht zum Fotografieren von Autos ja viel besser sei, fast wie im Studio. Dort, so gab er allerdings zu, würden nicht so viele Leute im Weg stehen. Da hilft es auch nichts mehr, morgens um sechs Uhr beim Morgengrauen auf dem 17. und 18. Grün des Pebble Beach Golfplatzes zu sein, dem Epizentrum der Auto-Hochkultur. Die Fans sind auch dann schon da, und später dann, so ab neun Uhr, ist es eigentlich nur noch ein Geschiebe wie im Hauptbahnhof von Peking.

Pebble Beach:



Ein Maserati A6GCS Roadster im Morgennebel.

©Bernhardt Schmidt

Zu dieser frühen Stunde trudeln auch die ersten der 248 Kostbarkeiten auf dem vom Nebel befeuchteten Rasen ein, was schon eine gewisse mystische Grazie besitzt. Dort harren sie der Teilnahme am Concours d'Elegance, dem bedeutendsten Oldtimer-Schönheitswettbewerb der Welt. Allerdings schweben die Duesenberg, Lincoln, Packard, Marmon (16 Zylinder!), Bentley, Hispano-Suiza, Bugatti etc. nicht sanft herein, sie hoppeln eher. Das nimmt diesen extravaganten, steifen und vornehmen Karossen dann doch ein bisschen von der Anmut des Mondänen. Hoppeln tun sie, weil so ein Golfplatz natürlich nicht so eben ist, und vor allem weil selbst die feinsten Automobile jener versunkenen Epoche trocken per Blattfederpaket schwingen. Was aber muss das 1935 für ein Bild gewesen sein, wenn so ein grandioses Meisterstück der Ingenieurskunst über eine enge Landstraße in ein Dorf strömte, an Bord die Noblen und Reichen, und am Straßenrand standen die Bauernjungs und winkten und johlten! Erst recht, wenn es ein dampfgetriebenes Automobil war – so wie auf unserem Titelbild. Das zeigt keinen Kühlerschaden, sondern das Ambiente des White Model F Roi des Belges Touring-Dampfmaschinenauto aus dem Jahr 1906.

Die Reichen und die Schönen ... Autos natürlich.

©Bernhardt Schmidt

Pebble Beach ist der Treffpunkt der elitärsten Autos, die je gebaut wurden, Autos für Millionäre, Millardäre, Potentaten, die mit der Pracht der Karossen auch den Abstand zum gemeinen Volk herstellten. Diese Autos waren Ausdruck des subtilen Kastenwesens der westlichen Kulturen. So kritisch kann man es sehen, andererseits sind es Kunstwerke, das Beste, das Geist und Geschick des Menschen in der jeweiligen Ära hervorzubringen vermochten.

Was vorher geschah: Monterey am Freitag und Samstag

Pebble Beach hat sie alle auf Lager, all die Teuren und Schönen, Raren und Kostbaren. Und sie werden nach wie vor von Millionären gefahren, denn sie sind Millionen wert. Dabei ist rührend zu sehen, wie diese Alpha-Männer, Wirtschaftstitanen, Großgrundbesitzer, Softwaregurus, Finanzjongleure, Leute also, die es gewohnt sind, Anordnungen zu geben, demütig, ja kleinlaut und schüchtern in ihren Autos sitzen, wenn die heiligen Judges herantreten, die Richter, um ihr Auto unter die Lupe zu nehmen.

Wo sieht man sonst Millionäre mit Putzlappen werkeln? Ohne Fleiß gibt's eben keinen Preis.

©Bernhardt Schmidt

Sie laufen rot an bei kritischen Fragen, verbeugen sich artig, lächeln nervös, wie ein Schüler beim mündlichen Test. Nur weil sie einen der begehrten Preise heimführen wollen, am besten den Gesamtsieg. Best of Show beim strengsten und exklusivsten Oldtimer-Event der Welt, das ist natürlich der Overkill!
Weshalb eigentlich? Abgesehen von der preislichen Aufwertung eines Pebble Beach-Siegerautos geht es natürlich um Geltung und Anerkennung. Da fragt man sich, hört das denn niemals auf? Die meisten der Herrschaften sind erstens ja erfolgsverwöhnt, zweitens schon ziemlich alte Semester und eigentlich eher restaurierungsbedürftig als ihre Wagen. Sie hätten es also eigentlich nun nicht mehr nötig, aber Altersmilde hin und her, sie können nicht davon lassen, ganz vorne zu sein und anerkannt zu werden. Wahrscheinlich ist es das ewig nörgelnde Alpha-Gen, dass diese Leute zwingt, alle Anstrengungen zu unternehmen, die Autos perfekt bis in die letzte Schraubenwindung zu restaurieren.

Rekord-Erlös in Monterey: Ferrari 275 GTB/4

Aber wir wollen nicht abschweifen und kehren aus den Abgründen der menschlichen Psyche zurück zur Hardware am Pebble Beach. Dieses Jahr wurden Lincoln besonders gefeiert, ebenso Simplex (mit Kettenantrieb), Porsche, Ferrari und offene Packard. Einer von ihnen war der Gesamtsieger: Der Packard 1108 Twelve Dietrich Convertible Victoria. Das ist historisch kein allzu signifikantes Auto (rund 35.000 “Twelve” wurden gebaut), dieses Exemplar war aber prächtig restauriert. Außerdem wurde es wahrscheinlich mal wieder Zeit für ein amerikanisches Auto, nachdem im letzten Jahr ein Mercedes 680 S, 2011 ein französischer Voisin C25, 2010 ein französischer Delage, 2009 ein Horch und 2008 ein Alfa siegten. Aber der Packard ist schon okay, besonders weil er nicht nur einen Zwölfzylinder-Motor, sondern auch eine wunderschöne Dietrich-Sonderkarosserie mit tropfenförmigen Kotflügeln besitzt. Üblicherweise wurden die Twelve-Modelle nämlich mit Werksaufbau verkauft.
Alles in allem war es für alle Autofans eine gelungene Party mit viel Champagner und reichlich Shrimps, ach, wenn nur das graue Nieselwetter nicht gewesen wäre, an diesem strahlenden Millionärsnabel der Welt.

Autor: Bernhard Schmidt

Fotos: Bernhardt Schmidt

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