Mehr Glanz!

Imperial Custom Four-Door Southampton 1961

— 16.07.2012

Mehr Glanz!

Das typischste, oder besser: das "flossigste" US-Auto der 50er-Jahre erschien erst 1961: der Imperial Custom Four Door. So ppig wie er aussieht, fhrt er sich auch. Ja, die Zeit war wirklich golden fr Amerika.

Du hast es geschafft, Freund. Zeig es. Nichts ist schner als Erfolg. Wir arbeiten ja auch hart dafr. Und wenn einer besonders erfolgreich ist, so wie du, dann darf er zeigen, wie gut es ihm geht. Das spornt die anderen an, es ihm gleichzutun. Jeder kann es schaffen. Jeder kann Imperial fahren. Im Prinzip jedenfalls. Guter Geschmack ist freilich gefordert, vielleicht eine Prise mehr, als ihn der Mann auf der Strae hat, und ein bisschen Geschichtsbewusstsein. Natrlich blicken wir in die Zukunft, ja, unser Prsident hat eben angekndigt, dass wir noch in diesem Jahrzehnt einen Mann auf den Mond bringen werden. Es wird ein tolles Jahrzehnt. Unser Jahrzehnt! Aber wir wissen auch, wo wir unsere Wurzeln haben.

Der Normaleuroper wei die gewaltigen Mae des 61er Imperial kaum zu fassen, und manch einer fhlt sich von diesem Styling beleidigt, warum auch immer.

©A. Emmerling

Vor 25 Jahren zum Beispiel o ja, so lange sind unsere Autos schon Weltspitze, und noch viel lnger , damals jedenfalls gab es Autos, die nicht nur super aussahen, sondern auch exzellent fuhren. Dein Imperial verneigt sich vor dieser Epoche. Schau dir den monolithischen Khlergrill an, flankiert von frei stehenden Scheinwerfern, berwlbt von Kotflgelanstzen, so frei schwebend wie einst. Und doch ist er ein modernes Auto. Das modernste. Beachte, wie das Dach ber dem Auto schwebt, vorn frei, hinten gehalten von einer muskulsen Schale. Beachte die Flgel, die sich ber das Heck schwingen. Die Konkurrenz verzichtet auf diese Flgel, und das zeigt, wie ignorant diese Burschen sind. Die Flgel sind ur-amerikanisch, sie prangen im Siegelwappen des Prsidenten, sie sind die Flgel unseres Nationaltiers, des Weikopfseeadlers. Beachte besonders die frei schwebenden Leuchten, die im Winkel der Flgel nisten. Sie erinnern an das Strahlen von Flugzeugdsen, an die schwebende Glut in Reaktorkernen unserer Atommeiler, beides amerikanische Technologien.

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Wer Imperial kaufte, verkndete damit vor allem eins: dass er zwar reich war, aber seinen Kopf nicht aus den 50ern rausbekam.

©A. Emmerling

Dein Imperial ist selbst ein technologisches Wunder. Steig ein, und es wird dir offenbar. Dein Sitz kann sich dir entgegendrehen (falls du diese Option gewhlt hast) und mit dir in Fahrposition gleiten. Dann erffnet sich eine wahrhaft spektakulre Instrumententafel. Ein Knopfdruck, und der Imperial erfllt deine Wnsche, sei es die Wahl der Fahrtrichtung oder eines neuen Senders im Radio. Bei Nacht aber wird er dir ein Stck Sternenhimmel ins Auto holen. Die Instrumente glimmen durch Elektrolumineszenz. Das heit, die Skalen und Ziffern leuchten von innen heraus. Das findest du nirgendwo auer im Hause Chrysler, und dort nur bei Spitzenprodukten. Dein Imperial ist absolute Spitze, dafr hat Chrysler gesorgt. Kein amerikanisches Auto wird sorgfltiger gebaut als der Imperial. Die Handwerker im Werk West Warren Avenue verzinnen sorgfltig jede Karosserienaht, schleifen die Lack-Grundierung von Hand zu perfekter Gltte und vernhen die besten Stoffe und Leder zu groartigen Interieurs. Kein Hersteller in Amerika berhuft seine Autos schon im Werk mit so viel Aufmerksamkeit. Deshalb dauert es lnger, einen Imperial zu fertigen. Darum stehen sie nicht an jeder Ecke, und deshalb besteht keine Gefahr, dass deine Nachbarn das gleiche Auto fahren wie du, oder berhaupt jemand aus deinem Stadtviertel. Und es besteht schon gar keine Gefahr, dass deine Nachbarn ein greres Auto fahren (es gibt nmlich kein greres vom 61er Jahrgang in ganz Detroit) oder eines, das billiger war und doch so aussieht wie deines. So wie es die Konkurrenz macht, die das gleiche Auto nur anders nennt und teurer verkauft.

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Selbst das Cockpit hat Flossen! Dazu jede Menge Schnickschnack und ein modisch-eckiges Lenkrad. Prunk im Stil der Zeit eben.

©A. Emmerling

Die Imperial-Division des Hauses Chrysler macht keine halben Sachen. Das wirst du beim Fahren spren. Kein vergleichbares Auto hat diese vorzgliche Straenlage. Der Imperial erreicht dies durch eine drehstabgefederte Vorderachse und auerhalb des Rahmens hngende Federpakete hinten. Die Konkurrenz wird sich mit ihren Spiralfedern nur rger einhandeln. Dein Imperial bietet dir jeglichen Komfort, den ein Mensch von Kultur und Vermgen sich wnschen kann: automatisches Abblendlicht, die automatische Geschwindigkeitsregelung "Auto-Pilot", elektrische Zentralverriegelung und Sitzverstellung, elektrische Auenspiegel. Das Reisen im Imperial ist natrlich mhelos, dank der bewhrten Dreistufenautomatik vom Typ Torqueflite und dem V8 mit 413 Kubikzoll und 350 PS. Die Russen haben einen Mann ins All geschossen und wieder zurckgeholt na und? Wir haben einen strahlenden Prsidenten im Weien Haus, John F. Kennedy, wir haben John Wayne und Natalie Wood, wir haben Kinos und Restaurants zum Reinfahren. Und wir haben Detroit, Geburtsort und Heimstatt des Automobils. Gibts berhaupt Autos in Russland? Unsere Autos rollen mit 350 PS durchs Land. Im Rest der Welt freut man sich ber 35 PS. Unsere Autos haben alles. Alles. Kein Grund, das nicht zu zeigen.

Technische Daten

Ein V8 mit 6,8 Liter und 350 PS das langt zum souvernen Reisen, selbst mit Dreistufenautomatik, Typ Torqueflite.

©A. Emmerling

Imperial Custom Four-Door Southampton 1961 Motor: V8, wassergekhlt, vorn lngs eine zentrale Nockenwelle, angetrieben ber Stirnrad zwei Ventile pro Zylinder ein Vierfachvergaser Carter AFB-3108S Bohrung x Hub 106,2 x 95,3 mm Hubraum 6771 ccm Verdichtung 10:1 261 kW (350 PS) bei 4600/min 637 Nm bei 2800/ min. Antrieb/Fahrwerk: Torqueflite- Dreistufenautomatik mit Tasten-Bettigung Hinterradantrieb separater Leiterrahmen vorn Einzelradaufhngung an Dreiecklenkern und Torsionsfedern, hinten Starrachse an halbelliptischen Blattfedern und Lngslenkern Trommelbremsen Reifen 8.20x15. Mae: Radstand 3276 mm L/B/H 5773/2075/1440 mm Leergewicht 2150 kg. Fahrleistungen/Verbrauch: Spitze 193 km/h, 0100 km/h 11,2 s Verbrauch 23 l/100 km Neupreis: 5109 Dollar.

Historie

General Motors hat Cadillac, Ford hat Lincoln deshalb brauchen wir auch eine Edelmarke. Also sprachen die Chrysler-Chefs in den frhen 50ern und erhoben fr den 1955er Jahrgang ihre Imperial-Ausstattung zur eigenstndigen Marke. Als solche hatte Imperial die Ehre, auf der eskalierenden Flossen-und-Chrom-Welle der 50er fr Chrysler ganz oben zu schwimmen. Ein Imperial hatte stets den grtmglichen Mopar-Motor und durfte sich sehr lange das separate Chassis bewahren, bis 1967. Dieser Umstand ermglichte eine zehn Jahre whrende Zusammenarbeit mit dem italienischen Karosseriehaus Ghia, Ursprung von einigen der krassesten Karosserien seit Edmund Rumpler. 1961er Imperial wurden teilweise in Handarbeit hergestellt, waren also gut verarbeitet, aber optisch lngst pass. Deshalb verkauften sie sich viel schlechter als Cadillac oder Lincoln Continental. Ab 1971 gab es ein ABS, was den Imperial nicht vor der lpreiskrise und folgender Rckstufung zur Chrysler-Ausstattungsvariante rettete. 1981 erfolgte eine kurze Auferstehung in Gestalt eines Luxus-Zweitrers, der trotz Untersttzung durch Frank Sinatra donnernd floppte.

Plus/Minus

Ab 1971 gab es ein ABS, was den Imperial nicht vor der lpreiskrise und folgender Rckstufung zur Chrysler-Ausstattungsvariante rettete.

©A. Emmerling

Die tollen Fifties: Flossen! Chrom! Ornamente! Elektro-Schnickschnack! 59er Cadillac! Stimmt alles, sagen US-Historiker, auer dem letzten Punkt. Der wahre Knig des Flossen-Exzesses kommt aus dem Hause Chrysler und dem Jahr 1961. Das ist dem Caddy-gewhnten Publikum schwer zu vermitteln. Der Normaleuroper wei auch die gewaltigen Mae des 61er Imperial kaum zu fassen, und manch einer fhlt sich von diesem Styling beleidigt, warum auch immer. Das sind die Minuspunkte. Auf der Plus-Seite steht die gute Verarbeitung und eben genau diese unglaubliche Optik. Auerdem hat er sogar so etwas wie eine Straenlage. Ein Kurvenflitzer ist er nicht, liegt aber viel besser auf der Strae als zeitgenssische Autos mit ihren Marshmallow-Fahrwerken. Kleiner Wermutstropfen dabei: Die Bremsen haben noch nie was von Bergabfahren gehrt.

Ersatzteile

Er ist aus Detroit, bitte sehr. Obwohl der 61er Jahrgang nur mit Mhe auf eine fnfstellige Stckzahl kam, gibt es Hndler mit reichhaltigen Teilelagern (oder sogar kompletten Autos) natrlich in Amerika. Es gibt sogar einen Spezialisten fr die Rekonstruktion der Armaturenbrettbeleuchtung. Wer nicht selbst bestellen mchte, dem kann ein US-Spezialist hier im Land beschaffen, was er braucht. Allerdings: Mit Zierleisten oder einem Satz Heckleuchten kann es schwierig werden, und teuer dazu wobei das relativ ist. Ein Satz Stofnger fr die 61er Mercedes Heckflosse kostet immer mehr.

Marktlage

Der 59er Cadillac wird immer angeboten der 61er Imperial fast nie. Das liegt an der Stckzahl, 12.249 Autos (nicht einmal ein Zehntel der 59er Caddy-Produktion), aber auch daran, dass den Ikonen- Caddy jeder kennt, den Imperial keiner. Deshalb liegen die Preise ber den Daumen gut ein Drittel niedriger als beim Caddy.

Empfehlung

Ein Le Baron. Wennschon, dann richtig! Die Top-Ausstattung hat ein Dach mit Edelstahleinstzen und extra betonter C-Sule. Allerdings gab es nur knapp ber 1000 Stck, was die Suche schwierig macht. Optional fr alle Autos gab es natrlich Leckereien wie Klimaanlage, schwenkbaren Fahrersitz oder auch die begehrte Kofferraumklappe mit Reserverad-Attrappe.

Autor: Till Schauen

Fotos: A. Emmerling

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