Inszenierte Unfälle im Film: Pro & Kontra

Inszenierte Unfälle im Film: Pro & Kontra

— 02.09.2015

Darf man Film-Autos schrotten?

Auto-Karambolagen auf der Leinwand: sind sie packend, lustig oder empörend? Dazu haben zwei Redakteure von AUTO BILD KLASSIK zwei Meinungen. Pro und Kontra!

Bei Filmaufnahmen in Hollywood muss jede Menge Blech dran glauben: 93 Autos wurden für den ersten Film mit dem Titel "Gone in 60 Seconds" (1974) zerstört – bei Weitem kein Rekord: Laut carthrottle.com liegt "Die Blechpiraten" (deutscher Titel) damit nur auf Platz 9 der Weltrangliste. Platz 8: "Blues Brothers" mit 103 Autos. Die Macher brachen ihre eigene Marke mit "Blues Brothers 2000": 104 Autos (Platz 7). Platz 6: "G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra" mit 112, allerdings jungen und weniger begehrenswerten Autos, ähnlich wie bei Platz 5: "Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben" (132 Stück). Auf Platz 4 steht der verheißungsvolle Titel "The Junkman": Mehr als 150 Autos enden da als Schrott. Nichts im Vergleich zu den Top 3 – "Fast & Furious Five": 260. „Matrix Reloaded“: etwa 300. Und schließlich "Transformers 3": Hier wurden 532 Autos zu Müll transformiert. Allerdings sollen viele davon schon Wasserschäden gehabt haben. Was denken die Kollege bei AUTO BILD KLASSIK über das filmreife Crashen von Autos? Hier zwei Meinungen aus der Redaktion.

"Computergenerierte Action hat einfach keinen Charme"

Lukas Hambrecht mag es, wenn es richtig kracht.

Mein Kollege wünscht sich computergenerierte Crashs. Er vergisst, dass viele Klassiker nur deshalb auf ihrem Sockel stehen, weil ein paar von ihnen für einen Kultstreifen zerstört wurden: "Boah, wie geil! Das ist doch der Charger aus 'The Fast & the Furious'." Außerdem sind Muscle und Pony Cars keine raren Exoten. Ford baute 1967 genau 472.121 Mustang, 53.651 davon als Fastback. Wie tragisch ist es, wenn in Hollywood ein Dutzend Zustand-4-Karren zu Shelbys ummodelliert und teilweise geschrottet werden? Virtuelle Action kann durch Größe und Wucht beeindrucken, bleibt aber immer unecht. Steve McQueen duldete am Set von "Le Mans" nur minimale Abweichungen vom üblichen Renntempo. Und nur für die gefährlichen Stunts für die zehnminütige Verfolgungsjagd in "Bullitt" gab er das Steuer des grünen Ford Mustang GT 390 an Stuntfahrer Bud Edkins ab. Was er wohl zu computergenerierter Action gesagt hätte? Die ergibt Sinn, wenn Filmemacher physikalische Grenzen außer Kraft setzen wollen oder um für eine "Herr der Ringe"-Verfilmung 10.000 wütende Orks loszulassen. Aber nicht bei einer Verfolgungsjagd mit Autos. Da muss sich Blech verformen, da müssen Reifen qualmen, keine Pixel.

"Echten Auto-Freunden blutet das Herz"

Frank B. Meyer hält nichts von Zerstörung.

Liebe Regisseure, liebe Produzenten, das muss doch nicht sein. Heute nicht mehr. Mal ehrlich: Ihr könnt abendfüllende Filme in 4K-Auflösung rein digital erschaffen, ohne eine einzige Kamera zu benutzen, eure Special-Effects-Computer haben wahrscheinlich mehr Rechnerleistung als das  Pentagon – aber sobald das Drehbuch einen Crash vorsieht, rückt ihr aus und dreht real. Und was fahrt ihr vor die Kamera? Echte Autos, wenn’s geht: Sportwagen und Oldtimer. Besonders häufig passiert das ausgerechnet für die Filme, die mit Spezialeffekten nur so protzen, wie "Matrix", "Fast & Furious" und "Transformers". Klar weiß ich, dass die meisten Crash-Autos ziemlich fertig sind. Ich kenne auch die 20/20-Regel: Solange die Karre bei 20 km/h aus 20 Meter Entfernung einigermaßen fit aussieht, ist sie gut genug für den Film. Aber erzählt mir nicht, dass jedes dieser Autos auch ohne Dreharbeiten sowieso in die Schrottpresse gerutscht wäre. Bei Oldtimern tut’s richtig weh. Was ihr Karre nennt, nennen wir Restaurierungsbasis. Oder wenigstens Teileträger. So etwas massenhaft zu zerstören, ist Ausdruck einer arroganten Wegwerfmentalität. Crasht die Autos bitte virtuell am Computer. Ihr könnt’s doch.
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