Isdera Imperator 108i

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Isdera Imperator 108i

— 15.10.2012

V wie Vom anderen Stern

Viele reden vom Traumwagen, den sie so gern hätten. Ex-Porsche-Mann Eberhard Schulz hat seinen gebaut. In der Wirklichkeit ist der Isdera Imperator erst wirklich traumhaft.

Schullerich, Schullerich, was hast du nur getan? Stellst uns ein Bombending von Auto hin, das nicht minder heftig einschlägt. Das selbst nach beinahe 30 Jahren nicht aus dem stabilen Gitterrohrrahmen fällt. Und niemals alt wirken, sondern immer ein jugendlicher Traum bleiben wird. Der uns nicht nur das Wasser in die Augen treibt. Ach, Schullerich! Welch eine Granate! Reden wir also nur ansatzweise über tief am Horizont irrlichternde Sportwagenbauer wie Ferrari, Porsche, Lamborghini. Marken, die unterhalb des Radars eines Isdera Imperator 108i fliegen.

Die leichte GFK-Hülle des Imperator umfließt das heiße V8-Herz in Mittellage, hinten tost der Antrieb, auf dem Dach zischelt der Außenspiegel.

©R. Raetzke

Dafür aber sprechen wir über den Schullerich: Isdera-Seele Eberhard Schulz verdankt diesen Spitznamen seinem Chef aus Porsche-Zeiten – niemand Geringerem als Designchef Anatole Lapine. Da passt alles zusammen: die schnellen 70er-Jahre, der Schulz, Lapine, Porsche und, na klar, Mercedes. Aus all dem besteht der optisch wohl Außerirdischste aller deutschen Achtzylinder: der bullige, zarte, martialische Isdera Imperator 108i. Entsprungen der Fantasie eines Ingenieurs und Ästheten, der sich eigentlich nur im permanenten Grenzbereich so richtig wohlfühlt. Und dessen neugieriger Geist innerhalb dieses Bereichs immer weiter munter Vollgas gibt. Der Schulz also, der 1984 seinen aufsehenerregenden Imperator 108i auf dem Genfer Salon nur wegen des Porsche 928 hatte präsentieren können. Wegen dieser "überlaufenen Schildkröte" (O-Ton Schulz) hatte Ingenieur und Stylist Schulz zornige Briefe an den Zuffenhausener Vorstand geschrieben. Dieser 928, der rückwärts gefahren wohl einen besserem cW-Wert hatte als vorwärts, sei nimmermehr ein Porsche! Als der Vorstand nicht reagiert, schmeißt Schulz seinen weißen Kittel hin: Er kann auch anders! Da nämlich hat er längst seinen Imperator 108i so gut wie fertig in der Schublade liegen. Der erscheint mit unglaublichem Presse-Echo als CW 311, ist nach außen hin jedoch eine Schöpfung des Frankfurter Auto-Veredlers Rainer Buchmann, bei dem Schulz kurz im Hintergrund agiert.

Fahrbericht Isdera Autobahnkurier: Das ist (k)ein Traum

Bremsen und Fahrwerk des Isdera Imperator 108i sind von Porsche, das mechanische Herzstück stammt vom Daimler.

©R. Raetzke

Doch diese Verbindung löst sich mit einem Knall, Schulz gründet 1981 Isdera, bringt 1983 erst den puristischen Spyder 036i – und zündet dann die Bombe CW 311 ein zweites Mal. Als Imperator 108i. Bumm! "Der kann einfach alles besser, ist ein Beherrscher", klärt Schulz über die Namensfindung auf. Ferrari? Porsche? Pah. Auf dem Genfer Salon tritt Giorgetto Giugiaro auf Schulz zu: "Ihr Imperator ist wie die abgesenkte Nase einer Concorde im Landeanflug!", schwärmt der Meister. "Das kommt dabei heraus, wenn man Kreative in Ruhe lässt", sekundiert ein überzeugter Anatole Lapine. Na also, Schullerich: Geht doch! Und wie. Aus dem Fünfliter-V8 des Hauses Daimler-Benz gewinnt der Imperator erst 235, ab 1986 dann 300 und nach einer weiteren Modellpflege gar 330 PS. Und wer möchte, dem baut der Schulz auch den Sechsliter-V8 mit 410 PS ein. Wie jetzt: baut ein? Ja, noch immer. Ernsthaftes Interesse und belastbares Scheckbuch vorausgesetzt. Mit 399.000 Mark Neupreis entschwebte der Imperator bereits vor rund 30 Jahren seinem Vorbild 300 SL mit sanftem Flügeltüren-Schlag. "Ich fühlte, seit dem genialen 300 SL war zu viel Zeit vergangen, als dass man formal einfach hätte anknüpfen können. Ich musste konsequent in die Moderne", erinnert sich Schulz. Also nichts mit DeLorean, Bricklin und wie der ganze Flügeltür-Plunder sich schimpfte. Nee, gern Porsche, aber nur Bremsen und Fahrwerk bitte, und das mechanische Herzstück vom Daimler.

Plastik-Renner: Sportwagen mit Kunststoff-Karosserie

Die Spielekonsole des Imperator 108i, genannt Cockpit.

©R. Raetzke

Trotz dessen Organspende ist ein Isdera Imperator 108i ein ganz anderer Stern. Eine hautnahe Beschreibung seiner Performance liest sich ungefähr so: Herz macht Druck. Ordentlich. 5,6 Sekunden von null auf 100 – aaach, ihr Audi A4 3.0 TDI schafft das auch fast? Meine Güte, nun bleiben Sie mal auf dem Boden. Es grollt, es hämmert, es wummert vom Magen aufwärts bis zum Adamsapfel und weiter über den Unterkiefer bis in die Schläfen. Abrupte Richtungswechsel quittieren die ins Sportleder gequetschten Nieren mit Schmerz, kein Scherz. Die Gänge rasten ein mit metallisch-erbarmungslosem Klonk. Und dann bist du geliefert, mein Lieber. Der Schulz bleibt dabei höchst amüsiert: "Hihihi! Braucht kein Mensch, so ein Auto. Aber gut, was?" Urkomisch, echt. Ächz. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Gerade einmal 30 Imperator 108i existieren. Exklusiver geht deutscher Achtzylinder-Sport nicht. Das Irre: Alle diese jemals gebauten Imperator 108i fahren noch. Mit 292 Sachen Spitze, dauernd, wenn’s sein soll. Während sich Neuronen und Ganglien noch etwas Vmaxtrunken wieder in ihre Ausgangspositionen begeben, der verausgabte menschliche Restkörper über den breiten GFK-Schweller schwenkt und kribbelnde Fußsohlen sich dem irritierend leblosen Asphalt nähern, wird klar: Der im Stand niedlich als harmloser Darth Vader kostümierte Imperator hat die Schlacht mal wieder gewonnen. Mein Gott, unterschätze nicht die Macht. Und vergib uns unseren Schulz.

Technische Daten

Aus dem Fünfliter-V8 des Hauses Daimler-Benz gewinnt der Imperator erst 235, ab 1986 dann 300 und nach einer weiteren Modellpflege gar 330 PS.

©R. Raetzke

Isdera Imperator 108i Motor: V8, Mitte längs eingebaut • zwei oben liegende Nockenwellen pro Zylinderbank, über Kette angetrieben, vier Ventile pro Zylinder, elektronische Einspritzung • Hubraum 4973 ccm • Leistung 242 kW (330 PS) bei 5500/min • maximales Drehmoment 450 Newtonmeter bei 4000/min Antrieb/Fahrwerk: Fünfgang- Schaltgetriebe • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung, Doppelquerlenker vorn und hinten • Reifen 245/35 ZR 18 vorn, 335/30 ZR 18 hinten Maße: Radstand 2480 mm • Länge/Breite/Höhe 4220/1835/1135 mm • Leergewicht 1410 kg Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 5,4 s • Spitze 292 km/h • Verbrauch 11,3 l S pro 100 km • Tankinhalt 110 l • Neupreis: 399.000 Mark (1985).

Historie

Eigentlich sind Automobilentwickler im Hauptberuf völlig ausgelastet – meint man. Nicht so Eberhard Schulz: Noch zu aktiven Zeiten bei Porsche konstruiert und gestaltet er seine Vorstellung eines modernen Mercedes 300 SL Flügeltürers. Das dauert vom ersten Entwurf Weihnachten 1972 bis zum 1:1-Modell 1974. Erst 1978 erscheint Schulz’ Einzelstück CW 311. "Die Bombe" titelt das Magazin „Stern“, passend zum Markenzeichen, das per Ausnahmegenehmigung von Mercedes den flachen Bug des Supersportwagens zieren darf. Nach dem Zerwürfnis mit Rainer Buchmann, unter dessen bb-Label der CW 311 offiziell debütierte, baut Konstrukteur Schulz ab 1984 die modifizierte Version als Imperator 108i in Kleinserie unter seinem eigenen Markennamen Isdera (Ingenieurbüro für Styling, Design und Racing mbh). Insgesamt entstehen 30 Imperator 108i nach jeweils individuellen Kundenwünschen. Und Schulz ist immer noch aktiv: Neben Service und Reparatur bestehender Isdera bietet das Unternehmen auch die nachträgliche Individualisierung historischer Isdera- Fahrzeuge an. Offiziell hat Schulz die Imperator- Serie 2001 eingestellt.

Plus/Minus

Gerade einmal 30 Imperator 108i existieren. Exklusiver geht deutscher Achtzylinder-Sport nicht. Das Irre: Alle diese jemals gebauten Imperator 108i fahren noch.

©R. Raetzke

Wer einen zuverlässigen und doch exotischen Supersportwagen sucht, ist beim Isdera Imperator an der richtigen Adresse. Der rasende Gitterrohrrahmen bringt enormen Sport- und Fahrspaß. Seltenheitswert und hoher Aufmerksamkeitsfaktor sind garantiert. Letzteres können zurückhaltende Naturen unter Umständen auf Dauer als Nachteil empfinden – das war es eigentlich schon zum Thema „Minus“, die opulenten Kosten für den Unterhalt einmal gnädig ausgeblendet. Aber die wird ein Isdera-Interessent nicht überraschend finden. Die zuverlässige Großserien-Technik von Mercedes und Porsche weckt jedenfalls Urvertrauen, zudem bleibt der Imperator auch bei zackiger Fahrweise und im Grenzbereich ein fahrtechnisch kalkulierbarer Bursche. Den wenigen Glücklichen, die so was bezahlen und unterhalten können: Guten Flug!

Ersatzteil

Keine Dramen, wenn’s um die Mechanik geht. Da weder Porsche noch Mercedes im Ruf stehen, unter Lieferengpässen bei der Teilebeschaffung zu leiden, ist hier Entspannung angesagt. Beschädigte Imperator-Karosserien setzt Isdera-Gründer Eberhard Schulz höchstselbst instand, ebenso verbrauchte Innenausstattungen. Zudem erfüllt Schulz weiterhin jeden individuellen Kundenwunsch im Falle gewünschter Modifikationen. Das ist zwar mit größeren Zahlen auf der Rechnung verbunden, in der Regel aber zweit- bis drittrangig für Eigner des hochexklusiven Imperator.

Marktlage

Isdera-Sportwagen sind selten wie gute Freunde: Weltweit existieren nur 30 Stück. Und weil einem Freunde bekanntlich nicht nur lieb, sondern auch teuer sind, kosten gute Imperatoren um die 200.000 Euro.

Empfehlung

Erste Empfehlung: Werden Sie reich. Wenn das nicht gelingt, es aber trotzdem ein Isdera Imperator 108i sein soll, helfen Verkauf von Seele und Eigenheim. Scherz beiseite: Man kann beim Isdera Imperator im Prinzip nichts verkehrt machen. Die Fahrzeuge sind ab Erbauer ausgereift, ansprechend gestaltet, qualitativ hochwertig. Ein Imperator ist der ultimative Auftritt, der nicht automatisch ins Peinliche abgleitet – wenn der Besitzer mitspielt.  

Autor: Knut Simon

Fotos: R. Raetzke

Stichworte:

V8

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