Der wichtigste Oldtimer-Sammler Italiens

Corrado Lopresto: Sammler der exklusivsten Oldtimer Italiens Corrado Lopresto: Sammler der exklusivsten Oldtimer Italiens Corrado Lopresto: Sammler der exklusivsten Oldtimer Italiens

Italiens Sammler Nummer Eins: Corrado Lopresto

— 08.01.2016

Italiens heißeste Oldie-Sammlung

Ob früher Lancia oder Alfa Romeo: Corrado Lopresto sammelt Prototypen und Einzelstücke italienischer Hersteller. Eine Sammlung wie keine andere.

Lopresto sammelt nicht nur, er fährt auch - hier den Alfa Romeo 2500 SS Bertone von 1942.

Um die Autosammlung des Italieners Corrado Lopresto zu beschreiben, taugen nur Superlative. Zu seinem Besitz zählen nur auserwählte Prototypen, Einzelstücke sowie die allerersten Fahrzeuge einer Baureihe. Sie stammen von Alfa Romeo, Lancia, Autobianchi, Osca und Isotta Fraschini. Ein Blick in die Loprestos Garage dürfte nur abgebrühteste Autofans kalt lassen, denn seine Autos sind bis ins letzte Detail original und aufs Genaueste restauriert.

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Alles kreist um die Ziffer eins

Der Lancia Sibilo war ein auf dem Stratos basierendes Concept Car, das 1978 auf der Turiner Autoshow debütierte.

In seinem Mai­länder Privatmuseum und in einem hal­ben Dutzend weiteren, über ganz Mailand verstreuten Hallen und Garagen hat Cor­rado Lopresto in 16 Jahren eine einzigartige Kollektion versammelt. Die Logik seiner Sammlung kreist um die Ziffer Eins – diese Zahl hat ihn schon als Zwölfjährigen fasziniert. Er hatte einen Spielzeugsafe aus Plastik – und stellte immer den Code 001 ein. Mit 15 wollte er selbst die Nummer eins werden – im Sportschwimmen. Doch die Lunge machte nicht mit, er hatte ent­zündete Bronchien und bekam Asthma. Deshalb lernte er den Karate-Stil Goju und schaffte es schließlich – er wurde die Nummer eins. Und das gleich zweimal. Als Karatemeister Italiens und als Landessieger bei den italienischen Bun­desjugendspielen. Als Oldtimerliebhaber blieb er der ma­gischen Chiffre treu. Ihn faszinieren Autos, die es nur einmal gibt: Designstudien, Pro­totypen und bei Serienautos die allerers­ten Exemplare der Produktion. Dutzende dieser Preziosen reihen sich in seinen Hallen aneinander.

Substanz erhalten, um jeden Preis

Der Alfa Romeo 2600 Ghia – ein im Spezialauftrag gebautes Einzelstück. Natürlich hat der Nummer-1-Sammler Lopresto es erworben.

Er ist ein Autosammler, der bis an die Grenzen der Physik geht, um seine unersetzlichen Einzel­stücke zu erhalten, mit den Spuren, die die Geschichte an ihnen hinterließ. In Mailand hat er einen Kreis von Res­tauratoren um sich geschart, die mit ihm ans Limit gehen. "Signore Lopresto arbei­tet wie ein Kunsthistoriker", sagt Vincenzo Malerba, der Karosserieteile anhand alter Fotos rekonstruiert. Lorenzo Rizzi ver­chromt für Lopresto alle Zier- und An­bauteile. Dafür muss er Rostnester, Fett­spuren und andere Unreinheiten restlos entfernen. "Nur Zyankali dringt wirklich in jede Pore vor", sagt Rizzi. Nach der Rei­nigung durch das ätzende Gift muss jeder einzelne der mörderischen Partikel me­chanisch entfernt werden. Die Frage nach einer behördlichen Sondergenehmigung wischt Rizzi lachend beiseite: "Wenn du nicht sorgfältig mit dem Zeug umgehst, stirbst du."

Kunstleder bleibt Kunstleder

Zwei Sitzplätze, 6 PS aus einem 124-Kubik-Zweizylinder und kein festes Dach: Das ist der ALCA Volpe. Erst 1947 gegründet, ging die Firma schon 1949 pleite.

Lopresto erhält historische Substanz, wo immer möglich. "Er geht genauso vor wie der Direktor, der die Mona Lisa restauriert", erläutert Marco Saturno, der die Sattlerarbeiten betreut. Waren die Sitze ursprünglich mit rutschi­gem Kunstleder bezogen, wird dieses Material gerettet oder erneut aufgezogen – und nicht etwa durch schöneres Leder ersetzt. Wenn Original-Sitzbezüge aus Velours oder Teppiche nicht mehr verfügbar sind, lässt Lopresto die halb verrotteten Originale schon mal mit Kle­ber beschießen und neu auf­flocken – eine sündhaft teure, weil zeitintensive Kunst.

Penible Rekonstruktion

Vom Osca 1600 GT Touring Coupé wurden nur zwei Exemplare gebaut. Welche Fahrgestellnummer hat dieses? Klar, die 1.

Lange bevor beim Concours d'Elegance in Pebble Beach die sogenannte "Preservation Class" erfunden wurde, hatte Lopresto schon auf originalgetreue Rekonstruktion geachtet. Bei historisch bedeutsamen Modellen geht er sogar einen Schritt weiter. So dürfen die Brandlöcher von Zi­garetten in den Sitzbezügen seinen Alfa 6C 2500 S Freccia d'Oro bleiben. Denn sie stam­men von dem Rennfahrer Felice Bonetto, der mit diesem Exemplar bei der legendären Carrera Panamericana in Mexico mitfuhr. In eine Naht oder in eine Holzvertäfelung könne er sich richtig verlieben, schwärmt Lopresto. Oder in ein ausgefal­lenes Detail. So trägt beispiels­weise die ultraseltene Lancia Aprilia mit Sonderkarosserie statt des üblichen Emblems der Karosserieschmiede Tou­ring ein "Turinga"-Zeichen an der Flanke. "Die italienischen Faschisten legten damals Wert darauf, dass der Name einer Firma in der Landes­sprache geschrieben und ausgesprochen wird", erzählt Lopresto.
Das ist Corrado Lopresto
Corrado Lopresto stammt aus Bagnara in Kalabrien, Der Sohn eines gut situierten Straßen- und Brückenbauers. arbeitete nach einem Architekturstudium in Rom einige Jahre als Architekt und leitete eine Immobilienfirma, unter anderem mit Engagements in Dubai. "Im Moment spiele ich mit Autos“, sagt der Kunstliebhaber bescheiden. Seit 16 Jahren baut er eine über mehrere Mailänder Garagen verstreute, hochkarätige Sammlung der seltensten italienischen Automobile auf. Autoliebhaber treffen Lopresto bei Concours-d’Elegance-Wettbewerben in Schwetzingen, Ludwigsburg, Como, Goodwood und Pebble Beach.

Noch nie ein Auto verkauft

Für die Restaurierer kann so viel Lei­denschaft auch zum Problem werden. "Er ist sehr anspruchsvoll, er geht in jeder Be­ziehung übers Limit, er ist ein Vulkan", er­zählt Alfa-Spezialist Umberto Ippolito. "Als ich Lopresto kennenlernte, stellte er sich mit einem einzi­gen Satz vor: 'Ich bin penibel.' Da wusste ich Bescheid. Aber wir haben viel Spaß zusammen."Die Kosten einer Restaurierung inter­essieren Lopresto nur in zweiter Linie. Verkaufen musste er noch nie ein Auto: "Die Frage hat sich einfach nicht gestellt." So investiert er schon mal 20.000 Euro in einen Kleinwagen, der nur 3000 Euro wert ist – weil ihm die Polsterfarben so gefallen.  Das viele Geld für seine teure Leiden­schaft hat Lopresto mit Architektur und Im­mobilien angehäuft. Schon sein Vater war sehr wohlhabend, doch er unterstützte Corrados Oldtimer-Leidenschaft kaum. Die Mutter aber butter­te heimlich noch etwas zum gelieb­ten Hobby dazu. Der Einsatz hat sich aus­gezahlt: Corrado Lopresto ist nicht nur ein besessener Auftraggeber für Restau­rierungen, vor allem ist er Italiens führen­der Klassiker-Sammler. Ein Mann, der wie kein Zweiter den Stolz der italienischen Autoindustrie hochhält.

Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen

Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen. Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen.

Furcht vor einer Fälschung

200 Pokale hat er mittlerweile in seinem Museum gesam­melt. Darunter vier Siege beim prestigeträchtigen Concorso Villa d'Este in Como, bei dem seine Leidenschaft für Schön­heitswettbewerbe 2001 so richtig entfacht wurde. Hat so ein Mensch noch Sorgen? Ja: Lopresto fürchtet, eines Tages einer Fälschung aufzusit­zen. "Mein Ruf in der Klassiker-Szene wäre ruiniert." Entspre­chend penibel checkt er vor jedem Kauf die Papiere, versucht alle Besitzer der Old­timer zu ermitteln, durchforstet seine Bibliothek aus Autobüchern und sorgsam katalogisierten Fachzeitschriften. Denn schließlich kann selbst er nicht zaubern. Aber besessen ist er, ja. Auf ge­schmackvolle, sympathische Art.

Die heißeste Oldtimer-Sammlung Italiens

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Autor: Bernd Wieland

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