Jaguar XJ6

Jaguar XJ6

— 01.01.2010

Alles neu im alten Stil

Der neue Jaguar kann nur ein Kind aus Coventry sein - er bleibt seiner Linie treu. Dem Lord sei Dank: Die Raubkatze hat sich nicht im Windkanal glatt streicheln lassen. Ist der neue Jag ein guter Gefährte für alle Tage?

Für Jaguar-Chef John L. Egan ist die Kon­kurrenz auch Vor­bild: "Wenn es Mer­cedes nicht gäbe, müsste man dieses Unternehmen erfinden", erklärt der Mann, der 1980 den maroden Jaguar-Konzern übernahm und nur sechs Jahre später Rekordge­winne einfährt. Qualität wie die Stuttgarter Autobauer zu liefern war das Ziel beim neuen XJ6. Gepaart mit traditionel­lem Understatement-Denken – mehr sein als scheinen. Das ist bei Jaguar der neue way of drive. Nach über 300 Meilen auf engen schottischen Straßen steht fest: Das Auto bietet alle Voraussetzungen, um künftig neben Mercedes S-Klasse und BMW Siebener einen Stamm­platz im fahrbaren Oberhaus einzunehmen. Der 3,6-Liter-Sechszylinder-Motor mit 24 Ventilen (der übri­gens schon im XJS-Coupe ar­beitet) verrichtet seine Dienste im vornehmen Flüsterton.

Das Original: Der Artikel von 1986 als kostenloser Download

170 km/h spult er gerade mal mit 3500 Umdrehungen locker-lässig ab und tut bei Geschwindigkeiten jenseits der 200er-Marke mit 4200 Touren noch so, als sei er unterfordert. Gute Vorausset­zungen für eine harmonische Zusammenarbeit mit dem auto­matischen Viergang-Overdrive­getriebe von ZF (Zahnradfabrik Friedrichshafen). Der Blick unter die Motorhau­be offenbart Veränderungen auch in der Umgebung des Mo­tors: Neue elektronische Lucas‑Zündung und Einspritzanlage, neuer Bremskraftverstärker, dessen Pumpe auch die Kraft für die Niveauregulierung (Serie nur bei Sovereign und Daimler-Modellen) liefert. Standard hin­gegen ist jetzt ABS (von Bosch). Und endlich konnte auf die vibrationshemmenden Verstre­bungen oberhalb des Motors verzichtet werden. Die Mecha­niker wird es freuen.

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Das Fahrverhalten des neuen XJ6 ist weitgehend neutral. Na­türlich kann man das Heck in engen Kurven wegwischen las­sen. Doch wer fährt schon so in einem Jaguar?! Verbessert wurde die Len­kung (nicht mehr so schwam­mig). Das neue Cockpit – einige Instrumente arbeiten jetzt im Stil der Zeit mit Digitalanzeigen – bietet auch XJ6-Neulingen re­elle Chancen, sich zurechtzufin­den. Einzig der in mehreren Tasten doppelt belegte Bord­computer ist eher rätselhaft denn informativ. Für kleinliche Kritiker: Der Scheibenwaschbehälter ist zu klein. Die Hupe sitzt im Blinkhe­bel, der Kofferraum ist nach wie vor zerklüftet (obwohl die bei­den alten Benzintanks raus- und ein neuer, über der Hinterachse, reingenommen wurde), die Kopffreiheit vorn endet bei einer Größe von 1,85 Meter, und die Edelhölzer sind zu stark lasiert. Wirken fast wie Plastik. Das allerdings ist unverzeihlich.

Das Original: Der Artikel von 1986 als kostenloser Download

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