James Deans letzte Fahrt

James Dean: 60. Todestag

— 05.10.2015

James Deans letzte Fahrt

Vor 60 Jahren starb James Dean beim wohl berühmtesten Autounfall aller Zeiten. Wir vollziehen die letzte Fahrt des legendären US-Schauspielers nach.

Aufnahme von der Unfallstelle: An der heute "James Dean Memorial Junction" genannten Kreuzung crashte der Schauspieler mit seinem Porsche.

Zum 60. Mal jährt sich der vielleicht am meisten Aufsehen erregende Autounfall aller Zeiten: Am 30. September 1955 starb James Dean in einem silbernen Porsche. Die zerfetzte Aluminiumkarosserie seines Porsche 550 Spyder ist völlig zerstört. Dean war nicht zu retten: Sein Oberkörper war zerschmettert und sein Genick gebrochen, wohl vom Aufprall auf das Lenkrad. So endete das kurze Leben von James Byron Dean, dem gerade eben berühmt gewordene 24-jährigen Schauspieler. Der Wuschelkopf, Zigarettenraucher, Rennfahrer; der genial gespielt oder vielleicht wirklich Verzweifelte, starb an einer Kreuzung im kalifornischen Nirgendwo. Weder die Aufnahmen von den Todesfahrten von Grace Kelly noch von Prinzessin Diana behielten über die Jahrzehnte eine solche Durchschlagskraft wie das Bild des zerstörten Porsche, das heute zu den bekanntesten Aufnahmen der Automobilgeschichte zählt, vergleichbar mit dem offenen Lincoln im Moment des Kennedy-Attentats und den Trabi-Schlangen beim Mauerfall.

Buchvorstellung: Porsches Rennsportlegenden

James Dean bei Competition Motors in Los Angeles in seinem frisch erworbenen 550 Spyder.

Der Unfall machte den Schauspieler und den Porsche-Straßensportwagen zu Ikonen und gehört heute zum Welterbe der Populärkultur. Die Erinnerung an den Tag, an dem Dean starb, ist bis heute lebendig. Am 30. September 1955 um 14 Uhr hatten sich Dean und der 28-jährige Rolf Wütherich beim Autohändler Competition Motors in der North Vine Street in Hollywood getroffen. Dean hatte dort neun Tage zuvor seinen 550 Spyder übernommen und dafür einen Scheck über 3000 Dollar sowie seinen sechs Monate alten 356 Super Speedster mit der Fahrgestellnumer 82621 übergeben. Wütherich hatte den Spyder nun noch einmal für ein Flugplatz-Rennen in Salinas vorbereitet, an dem Dean am folgenden Tag teilnehmen wollte. Nach dem Ende der spannungsgeladenen Dreharbeiten für seinen dritten Film "Giganten" war ein von der Filmfirma Warner Brothers auferlegtes Rennverbot hinfällig und Dean in Stimmung für seinen ersten Einsatz im schnellen Wagen. Dessen 1,5-Liter-Mittelmotor war zwar 110 PS schwach, der Alu-Spyder aber auch 3,70 Meter kurz, 98 Zentimeter flach und 550 Kilo leicht. Diesseits des Mercedes 300 SL war er ein Supersportwagen seiner Zeit, und rar dazu: 90 Autos wurden 1955 gebaut, ungefähr 75 gelangten in den Verkauf, und Deans war Nummer 550.0055. Das Modell erzielte sogar ein paar Erfolge in der deutschen Meisterschaft und bei der sizilianischen Targa Florio, die aber unbedeutend blieben im Vergleich zu dem, was Deans Unfall für die Bekanntheit des Autos bedeutete.

Folgenschwere Entscheidung an der Tankstelle

Dean (rechts) und sein deutscher Mechaniker Rolf Wütherich direkt vor dem Start zur letzten Fahrt.

Der Motor des Wagens war von Wütherich schon angewärmt, als Dean am Unfalltag bei Competition Motors eintraf und zusammen mit Wütherich einen Arm in die Luft reckte, bevor beide aufbrachen. Die Fahrt führte zunächst nur einige Kilometer auf die Nordseite der Hollywood Hills zu einer Tankstelle am Ventura Boulevard. Dort wurde der ursprüngliche Plan verworfen, den Porsche mit Deans weißem Ford Country Squire Station Wagon und einem Anhänger nach Salinas zu bringen. Wütherich empfahl, den Porsche vor dem Rennen lieber einzufahren und sich an ihn zu gewöhnen. Das Gespann, das auf einigen Fotos im Hintergrund zu sehen ist, sollte nur noch als Begleitfahrzeug folgen, mit dem befreundeten Stunt-Koordinator Bill Hickman am Steuer und dem Fotografen Sanford Roth auf dem Beifahrersitz, der Dean für das Magazin "Collier’s" fotografieren sollte. Diese Konstellation (und der für die Blicke aller Verkehrsteilnehmer offene Porsche) sind der Grund dafür, dass Deans letzte Fahrt gut dokumentiert ist für eine Zeit, in der Kameras selten waren. Es gibt sogar ein offizielles Dokument, ausgestellt von Highway Patrol Officer Otie V. Hunter. Der stoppte Dean und Hickman gegen 15.30 Uhr südlich von Bakersfield. Beide fuhren 65 Meilen pro Stunde, wo 55 erlaubt waren, für das Gespann sogar nur 45. Dean leistete auf dem Strafzettel über 25 Dollar die letzte Unterschrift seines Lebens.

Letzter Halt: Blackwells Corner

Das Wrack des Porsche 550 Spyder wurde zur Rekonstruktion des Unfalls aufgehoben.

Dann trennten sich die Wege des Porsche und des Ford. Auf der folgenden, einsamen Kurvenstrecke trieb Dean den Spyder offenbar zügig nach Norden. Erst bei Blackwells Corner an der Kreuzung der Highways 33 und 466 wurde der Porsche wieder gesehen. Es wurde getankt. Ob Dean Äpfel oder Kuchen aß, ist umstritten. 27 Meilen von hier, in Paso Robles, waren er und Wütherich jedenfalls mit Hickman und Sanford zu einem richtigen Abendessen verabredet. Auf dem Weg dorthin ereignete sich der Unfall. Kurz vor der Abzweigung des Highway 41 von der 466 überholte Dean in einem waghalsigen Manöver ein Auto aus Los Angeles. Dank dem Ausweichmanöver eines entgegenkommenden Fahrers kamen drei Wagen auf der schmalen Fernstraße aneinander vorbei. Dean, der Analysen aus den 90er-Jahren zufolge weniger schnell fuhr als jahrzehntelang behauptet, näherte sich dann gegen 17.45 Uhr der Abzweigung, an der der 23-jährige Student Donald Turnupseed in seinem schwarz-weißen Ford Tudor zu einem Linksabbiegemanöver ansetzte.

Die Vorahnung von Alec Guinness

Nur wenige Tage nach dem Ende der Dreharbeiten für "Giganten" starb James Dean. Der Film wurde 1956 posthum veröffentlicht.

©picture-alliance / akg-images

Dean selbst und der Schauspieler Alec Guinness hatten eine Vorahnung gehabt. "Wenn du diesen Wagen fährst, wirst du nächste Woche um diese Zeit nicht mehr leben", hatte Guinness sieben Tage vorher gegen 22 Uhr zu Dean gesagt. Der wiederum hatte kurz zuvor bei Aufnahmen für den National Safety Council behauptet, er fahre extravorsichtig, "... denn die anderen wissen nicht, was sie tun. Die Hälfte der Zeit weißt du nicht, was dieser Typ gleich machen wird oder jener." Donald Turnupseed, der den flachen, silbernen Porsche im Abendlicht womöglich schlicht übersehen hatte, bog jedenfalls links ab und nahm Dean die Vorfahrt. Paul Moreno und Buster Davidson, die beiden Sanitäter, die Dean in ihren Krankenwagen legten, wussten zunächst nicht, wer dieser 27. Verkehrstote in ihrem County in jenem Jahr war. Erst nachdem sie Deans Füße mühsam aus der Pedalerie befreit und ihn unter einer grauen Decke zu ihrem Buick-Krankenwagen getragen hatten, kam der Ford mit dem Anhänger auf die Unfallstelle zu, und dessen Insassen klärten die Sanitäter über ihr prominentes Unfallopfer auf. Bei den in den 90er-Jahren durchgeführten Analysen (siehe Video unten) wurde das Tempo des Porsche als zwischen 55 (88,5 km/h) und 60 (96,5 km/h) Meilen pro Stunde liegend ermittelt. Das Video zeigt den Crash in der Computersimulation unter anderem aus beiden Fahrerperspektiven.

Zum 60. Todestag: James Deans letzte Fahrt

Autor: Henning Hinze

Fotos: picture-alliance / akg-images

Stichworte:

Oldtimer Sportwagen Unfall

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