Luxusgaragen japanischer Oldtimerfreunde

Japan: Luxusgaragen und ihre Besitzer Japan: Luxusgaragen und ihre Besitzer Japan: Luxusgaragen und ihre Besitzer

Japan: Luxusgaragen und ihre Besitzer

— 01.02.2016

Autos, die im Haus wohnen

Wohlhabende Japaner holen ihre Autos gerne ins Haus. Oder sie bauen ihnen spezielle Luxusgaragen. Ein Besuch bei ganz besonderen Autoliebhabern!

Jeden Abend das gleiche Programm. Ferrari Dino von hinten: kreisrunde Rückleuchten, lang gezogenes Heck, knalliges Gelb. Mit den Augen schwenkt Kazuyuk Kurihara auf das Objekt seiner Begierde. Manchmal wechselt er den Kanal, dreht seinen Massagesessel dazu ein klein wenig nach rechts. Dann guckt der Restaurantbesitzer Lancia Fulvia 1600 HF, die Serie von 1971. Live und in Farbe. Nicht im TV, sondern durch die Glasscheibe zwischen Arbeitszimmer und Garage. Langweilig wird Herrn Kurihara aus dem japanischen Kiryu nie – obwohl fast jeden Abend die gleichen Filme laufen. "Ich komme zum Entspannen hierher, und das geht mit den Autos prima", sagt er. Der 53-Jährige will seine Klassiker immer um sich haben, lebt mit ihnen in einer Art Männer-WG.

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Japaner ticken anders als Europäer

Platz ist in Japan ein knappes Gut. Deshalb ziehen Familien wie die Kasaharas mit ihren Autos zusammen.

©C.Bittmann

Und das ist typisch japanisch. Während Europäer ihre Oldtimer nach Spritztouren in dunklen Garagen wegsperren, wollen Japaner ihre vierrädrigen Freunde jederzeit genießen, sie am liebsten 24 Stunden pro Tag um sich haben. "Wir lieben nun mal Maschinen und Technik", sagt der Motorjournalist Akira Kawamura. Zudem ist in dem dicht besiedelten Land Baugrund knapp und teuer. Vielen bleibt also nichts anderes übrig, als mit ihrem Auto zusammenzuziehen. Familie Kasahara bewohnt in Tokio ein 66 Quadratmeter großes Haus mit drei Etagen. Im Untergeschoss parkt – neben Vespa und Motorrad – ein hellblauer Renault Kangoo. Farblich passend zum Innenanstrich. Für Ehemann Shunta ist die Garage ein "Ort der Entspannung". Abends kommen oft Freunde, dann wird gemütlich Pfeife geraucht und ein Schwätzchen gehalten. Nicht im Wohnzimmer, sondern neben dem Auto.

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Japanische Old- und Youngtimer auf der Insel Åland

Bei Toshiyuki Yokozeki wird gewohnt, nicht geparkt

Die Garage in seinem Haus ist auch für Toshiyuki Yokozeki (Bild) viel mehr als nur Abstellraum.

©C.Bittmann

Auch die Wagen von Toshiyuki Yokozeki parken nicht mehr nur, sie wohnen längst. Die Mitbewohner heißen Mini 1275 GT und Austin Cooper S. Mit den 51 und 29 Jahre alten Klassikern sowie 50 Lenkrädern, etlichen Modellautos, Nummernschildern und noch viel mehr Krimskrams verbringt der 65-Jährige einen Großteil seiner Freizeit. Die Garage – für Yokozeki mehr als nur ein Lagerraum. "Hier befinden sich alle meine Lieblingssachen", sagt er. Steht das Garagentor offen, kommt es manchmal zu Missverständnissen. "Einmal wollte jemand sein Auto bei mir reparieren lassen, er hielt mein Haus für eine Werkstatt."

Porsche 911 Carrera 2 Targa

Ein bisschen ist das auch so, das Gebäude ist Wohn- und Arbeitsort zugleich. In einem Raum stehen große Maschinen, mit denen der Japaner als Zulieferer für Taschenhersteller Lederteile ausschneidet. Platz ist also knapp, doch der England- und Deutschland-Fan würde sich nur zu gerne einen weiteren Oldtimer anschaffen. "Ein alter 911 Carrera ist mein Traum", sagt er. Nur wohin damit in einer Stadt, in der es so gut wie keine Gratis-Parkplätze gibt? Yokozeki tritt auf die Straße, deutet auf ein kleines Gewächshaus. "Das muss zur Not weg", sagt er. Autos statt Gemüse.

Autos der 70er-Jahre: Japaner

Ein Architekturbüro hat aus der Not eine Tugend gemacht

Yuko und Sadahiro Shimizu sowie Masatoshi Matsuzaki vom Archtitekturbüro A5 haben sich auf besondere Gebäude für Autofans spezialisiert.

Ein Wagen, aber keinen Parkplatz – das Architekturbüro A5 hat aus dieser typisch japanischen Not eine Tugend gemacht. Um das Auto herum bauen die drei Architekten Yuko und Sadahiro Shimizu sowie Masatoshi Matsuzaki moderne, helle Häuser. Meistens sind es fünf bis sechs pro Jahr. "Ein richtiger Trend ist das", sagt Matsuzaki, "meine Kunden betrachten ihre Autos als Teil ihres Lebens." Aber er hat auch etwas ganz anderes beobachtet: "Jüngere Japaner sind nicht mehr so autoaffin." Der Leser von "Garage Life" ist im Durchschnitt 42 Jahre alt. Das Hochglanz-Magazin beschäftigt sich mit den Wohngemeinschaften von Autos und ihren meist männlichen Eigentümern. Außer langen Hochglanzstrecken über pompöse Luxusgaragen finden sich auch Heimwerker-Tipps. Viermal im Jahr erscheint das Heft mit einer Auflage von bis zu 20.000 Exemplaren, das laut Chefredakteur Jun Ishihara "ein wenig mehr Architektur- als Automagazin ist".

Die skurrilen Micro-Autos der Japaner

Honda N-Camp und Co.: Kei-Camper aus Japan

Typisch japanisch: Die skurrilen Kei Cars

Von "Garage Life" porträtiert zu werden, gilt als Ehre

Seine Leser sind "oft wohlhabende Unternehmer", wie er sagt. Termine für Fotoaufnahmen müssten daher oft "mindestens drei Monate im Voraus" vereinbart werden. Nach 66 Ausgaben muss sich die Zeitschrift in ihrem 20. Erscheinungsjahr dennoch keine Sorgen machen, stets neue, faszinierende Garagen zu finden. Es gilt als Ehre, von "Garage Life" porträtiert worden zu sein. Redakteur Shunsuke Oobuchi hat daher schon so ziemlich alles gesehen: verglaste Wohnzimmerböden mit Blick in die automobile Schatzkammer, Wohnhäuser im Design einer offiziellen Lancia-Niederlassung und Garagen mit vier oder mehr Ferrari-Modellen. Oobuchi: "Viele unserer Leser orientieren sich bei der Gestaltung eigener Garagen an unseren Beispielen." Bei der Bauplanung spart so ein Vorbild Zeit.
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Die japanischen Leucht-Laster

Beste Aussichten vom Arbeitszimmer aus

Und die ist knapp bei Japans emsiger Mittel- und Oberschicht. "Ich bin fast ständig auf Dienstreise, fahre meine Autos viel zu selten", sagt Mac Y. Wang aus Tokio, der wie seine Frau eigentlich aus Shanghai (China) stammt und sein Geld mit dem Import medizinischer Geräte verdient. Vom Arbeitszimmer hat das Ehepaar stets beste Aussichten. Nicht auf die Berge in der Umgebung, sondern auf ein zeitgenössisches BMW 1er Cabrio und einen elf Jahre alten Jaguar XJR in Racing Green.
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Jaguar XJR

Ein eigenes Haus für die Oldtimer

Architekt Toshihiro Yatsu hat seine Autos nicht zu sich geholt – er hat ihnen ein eigenes Haus gebaut.

Toshihiro Yatsu dagegen hat seine Oldtimersammlung nicht zu sich nach Hause geholt – der Architekt hat einfach ein ganzes Haus um seine Autos herum gebaut. Mit einer geübten Handbewegung schiebt der 48-Jährige das schwere Stahltor einer grünweißen Lagerhalle in Fukushima auseinander, verschwindet dann in dem schmalen Spalt. Zwei Stockwerke ist sein Bauwerk hoch, es gibt einen Speiseraum mit Brokattapeten, ein Wohnzimmer mit 60er-Jahre-Möbeln und einen kleinen Balkon. Die Räume sind kalt, Yatsu heizt nicht. Er wohnt hier auch gar nicht, das ganze Haus ist nur Fassade. Eine Inszenierung für den Kern der Sache: seine sechs Autos, darunter begehrte Oldtimer wie ein Porsche 356 von 1957, ein alter Fiat Multipla oder ein 1972er Porsche 911 Carrera RS 2.7. Ganz hinten parkt ein seltener VW New Beetle RSi mit 244 PS. Vom Balkon blickt Yatsu auf sein Raritäten- Kabinett im Innenhof. Jeden Tag kommt er nach der Arbeit für eine Stunde in sein Haus in der Halle. Wenn er darüber spricht, ist er bescheiden. "Ach, das ist nur mein Hobbyraum", sagt er.

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Autor: Claudius Maintz

Fotos: C.Bittmann

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