Jeep Cherokee XJ

Jeep Cherokee XJ

— 01.03.2011

Sparen für Verschwender

Nur die besten Jeep Cherokee XJ kosten mehr als 7000 Euro. Dennoch sind Geizkragen beim SUV aus Ohio an der falschen Adresse: Folgekosten relativieren den Kaufpreis.

Manche Geschichten sind so gut, dass man sie einfach erzäh­len muss. Fakt eins: AMC-Designer Richard A. Teague, der un­ter anderem die Linienführung der American-Motors-Produkte Gremlin, Pacer und Jeep Chero­kee XJ verantwortete, gehörte als Kind zur Darsteller-Crew der le­gendären Kurzfilmreihe "Die kleinen Strolche". Fakt zwei: Ein Autounfall beendete seine Karriere als Kinderstar, er war fortan auf einem Auge blind. Der Jeep Cherokee mit dem internen Kürzel XJ war jeden­falls seine letzte große Arbeit für American Mo­tors. 1983 zog sich der erfahrene Gestalter aus dem aktiven Geschäft zurück. Die Marke Jeep gehörte damals zu AMC, dem kleinsten US-Auto­hersteller der Big Four. Und bei AMC hatte gerade Renault als Hauptaktionär das Ruder über­nommen. Die französischen Manager mach­ten vieles falsch in Southfield, Michigan, dem AMC-Hauptquartier. Aber auch einiges richtig. Sie erkannten das Potenzial des Downsize-Jeep XJ, der sich zu jener Zeit im Proto­typ-Stadium befand, und ließen das Auto 1984 auf die Straße.
Weitere Klassiker für 7000 Euro
Fiat 124 Spider Mercedes 220 /8
Saab 96 V4 VW 1600 L Typ 3

Für US-Verhältnisse ist der Cherokee XJ ein sehr kompakter Allradler.

Auch wenn lästerliche Zungen behaupten, der Renault-Einfluss sei dem Design des Cherokee deutlich anzusehen, ist der klei­ne Jeep ein schlichtes, sauber ge­zeichnetes Automobil. Und ja, klein. Mit einem Radstand von reichlich zweieinhalb Metern und einer Gesamtlänge von 4,2 Metern befindet sich der Chero­kee in einer Größenklasse mit aktuellen Kompaktautos. Auch technisch unterschied sich der Neue von den ausge­wachsenen Geländegängern vom Schlage eines Jeep Cherokee Chief oder Wagoneer. Der XJ ver­fügte, ein Novum bei Jeep, über eine selbsttragende Karosserie – und unter der schmalen Motor­haube saßen keine fetten V8, sondern ein vergleichsweise asthmatischer 2,5-Liter-Vierzylinder und ein kaum kräftigerer 2,8-Liter-V6 von GM. Der im darauf­folgenden Jahr vorgestellte Che­rokee Diesel mit einem 85 PS starken Renault-Triebwerk war auch nicht gerade ein Verkaufs­schlager.  

Der Cherokee erfand das Marktsegment des urbanen SUV

Das Platzangebot für Fahrer und Befahrer ist allenfalls durchschnittlich.

Zum Trendsetter wurde der Cherokee erst ab 1987. Da hielt der legendäre Vierliter-Reihensechser Einzug im Maschinen­raum. So verkaufte sich der Che­rokee deutlich besser. Wovon Renault dann allerdings nichts mehr hatte. Das lag unter ande­rem daran, dass 1986 die französische Terror-Organisation Ac­tion Directe einen Mordanschlag auf Renault-Chef Georges Besse verübte. Besse erlag auf einem Pariser Trottoir seinen Verletzungen. Renault verlor den Mut und veräußerte seine AMC-Aktien­mehrheit an Chrysler. Der kompakte Jeep erfand das Marktsegment des urbanen SUV und wurde gleichzeitig zum ersten Bestseller in dieser Nische. Über zwei Millionen Exemplare liefen bis 2001 in Toledo, Ohio, vom Band, nicht eingerechnet jene Cherokee, die in China, Argentinien und Venezuela ge­baut wurden. Der ab Modelljahr 2002 gebaute Nachfolger heißt nur in Europa Cherokee. Er hat ein anderes Fahrwerk, andere Motoren und nichts mehr von Teagues puristischem Design.  

Für die Ewigkeit: Mercedes-G-Klasse

Dabei hätte es viele Gründe ge­geben, am Rezept des XJ festzuhalten. Alles Wichtige an dem kantigen Jeep ist durchdacht, so­lide, zweckmäßig und langlebig. Das Fahrwerk ist nur sehr ober­flächlich betrachtet eine simple Starrachsen-Konstruktion. Hin­ten hält ein Panhardstab die blatt­gefederte Achse in der Spur, vorn kümmert sich ein Quadra-Link genannter Quer­lenkerverbund um Führungs­aufgaben. Der Allradan­trieb ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Mit einem massiven Handgriff neben dem Wählhebel können die Vorderräder zugeschaltet wer­den, je nach Ausstattung und be­stelltem Verteilergetriebe permanent oder nur auf losem Ge­läuf einsetzbar. Die in Europa verkauften Vier­liter mit Auto­matik und Limi­ted-Ausstattung haben den Selec Trac genannten Allradantrieb für alle Lebenslagen an Bord, der simplere Com­mand-Trac-Antrieb wurde bei einfacheren Ausstattungsversionen eingesetzt.  

Designklassiker

Das Umsteigen aus einem mo­dernen, weichgespülten SUV in einen Cherokee XJ ist eine Zeit­reise. Eng erscheint er heute, der Fahrersitz zu nah am Lenkrad, der Knieraum hinten spärlich. Das Reserverad beansprucht ge­fühlt den halben Stauraum im Heck. Der Reihensechser läuft recht rau und laut, und von den versprochenen 178 PS scheinen nicht alle zum Appell anzutreten. Auch Lenkung, Bremsen und Fe­derungskomfort entsprechen nicht mehr so ganz den aktuellen Vorstellungen von einem SUV. Ebenso das Trinkverhalten. Mit Verbrauchswerten zwischen 15 und 20 Litern pro 100 km muss man jederzeit rechnen. Und die Fixkosten sind ebenso wenig da­zu angetan, Sparfüchse zu ver­söhnen: Haftpflicht-Typklasse 19 und Steuern für vier Liter Hub­raum in der Klasse Euro 2. Was für den Jeep Cherokee XJ spricht? Er ist ein Original, ein Naturbursche von ehrlicher, sym­pathischer Raubeinigkeit. Und ein Designklassiker obendrein. Man könnte ihn jetzt noch so bauen, er wirkt kaum älter als bei seinem Debüt 1984. Was Richard A. Teague, wenn er noch lebte, bestimmt sehr gefiele.

Historie

Der Jeep Cherokee mit der internen Modellbezeich­nung XJ kam1984 als völlig neues, eigenständiges Mo­dell der damals zu AMC gehörenden Marke Jeep auf den Markt. Doch die Geschichte des Cherokee reicht viel weiter zurück: Schon direkt nach dem Zweiten Weltkrieg pro­duzierte Willys-Overland Jeeps für die zivile Nutzung. Der 1948 präsentierte Jeepster ist als Freizeitmobil auf Geländewagenbasis eigentlich die Urmutter aller modernen SUV. Doch der schwachbrüstige Motor des Militär-Jeep und der fehlende Allradan­trieb verhinderten den Markterfolg, 1950 lief die Produktion aus. 1966 erinnerte man sich des Jeepster und legte den Freizeit-Geländegänger als Jeepster Commando neu auf. 1970 wurde Jeep Teil des AMC-Konzerns. Ab 1973 ersetzte der Cherokee SJ den Commando. 1984 erschien der Cherokee XJ, in einer Zeit, in der AMC eng mit Renault kooperierte. So gab es den Cherokee für Europa anfangs mit einem Renault-Diesel­motor. Zum Erfolg wurde der XJ mit dem 1987 eingeführten Vierliter-Reihensechszy­lindern bereits unter Chrysler-Regie. 2001 lief die US-Produktion aus.

Technische Daten

Erst mit dem Vierliter-Sechszylinder erhielt der XJ einen angemessenen, aber auch durstigen Antrieb.

Jeep Cherokee 4.0 Limited: Reihensechszylinder, vorn längs • eine oben liegende Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, elektrische Einspritzung • Hubraum 3960 ccm • Leistung 131 kW (178 PS) bei 4400/ min • max. Drehmoment 301 Nm bei 3000/min • Vierstufenautomatik • zuschaltbarer Allrad­antrieb mit Untersetzung und Differenzialsperren • Starrachsen, vorn an Querlenkern, Federn, Dämpfern und Stabi; hinten Blattfedern u. Dämpfer • Reifen 225/70 R 15 • Radstand 2576 mm • L/B/H 4200/1790/1629 mm • Leergewicht 1660 kg, Anhängelast 3250 kg (gebr.) • 0–100 km/h 10,3 s • Spitze 180 km/h • Verbr. 15,1 l N/100 km • Neupreis 1996: 63.560 Mark.

Plus/Minus

Der Allradantrieb des Limited hilft auch auf trockenem Asphalt.

Der Cherokee XJ ist trotz seines zivilen Äußeren und der selbsttragenden Ka­rosserie ein Geländegänger von altem Schrot und Korn. Die beiden starren Achsen holpern störrisch über Uneben­heiten, und eine Vielzahl mechanischer Geräusche aus dem verzweigten An­triebsstrang verstört den Neuling. Die Mechanik ist, sofern es sich um den Vierliter-Sechszylinder mit Vierstufenautomatik handelt, so gut wie unzer­störbar. Laufleistungen weit jenseits der 300 000 km sind keine Seltenheit. Bei der Probefahrt ist unbedingt die korrekte Funktion der verschiedenen Antriebsarten zu prüfen. Das Verteiler­getriebe gibt, wenn zu selten im Allrad­modus betrieben, wegen mangelnder Schmierung mitunter den Geist auf. Die letzten Baujahre nach dem Facelift von 1996 sind gut gegen Rost geschützt. Korrosion tritt vor allem hinter durch­lässigen Scheibengummis auf. Weniger zu empfehlen sind Cherokee mit Diesel­motor, Vierzylinder-Benziner oder dem alten V6 aus GM-Beständen. Sie sind al­lesamt schlapp, durstig und anfällig.

Ersatzteile

Teile gibt es in Hülle und Fülle beim Jeep-Vertragshändler. Engpässe treten höchstens bei Ersatzteilen für die Che­rokee-Motoren der 80er auf, doch die sollte man meiden. Zudem kümmern sich viele Spezialisten um die große Jeep-Gemeinde, sie bieten Zube­hör wie Anhängekupplungen, Seilwin­den etc. für den besonderen Einsatz.

Marktlage

Gepflegte Cherokee aus den letzten Baujahren stehen selten lange auf dem Hof, wissen erfahrene Händler wie Rü­diger Blanke vom Lippstädter Autoland, der sich auf XJ und Wrangler speziali­siert hat. Gut ausgestattete Limited-Ausführungen sind besonders gefragt. Etwas weniger begehrt ist die Ausstat­tungslinie Sport, da diese meist nur mit dem nicht permanenten Command-Trac-Verteilergetriebe ausgerüstet sind. Sehr häufig werden mehr oder weniger modifizierte Cherokee ange­boten. Große Räder, wuchtige Bullen­fänger, Scheinwerferbatterien und der­lei Anbauten mehr mögen zwar man­chem gefallen, ein originaler Cherokee ist dennoch höher und auf Dauer wert­stabiler einzuschätzen.

Empfehlung

Bei der Cherokee-Suche hilft womög­lich ein Blick auf den Schweizer Markt. Der XJ war dort als Allradfahrzeug sehr beliebt, entsprechend groß ist das Angebot an guten, gepflegten Exem­plaren. Doch Vorsicht: Für Zoll, Ein­fuhrumsatzsteuer und weitere Kosten sind zusätzlich etwa ein Drittel des Kaufpreises fällig.

Autor: Heinrich Lingner

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.