40 Jahre VW Polo: die wahre Geschichte

Jubiläum: 40 Jahre VW Polo

— 17.08.2015

Die ganze Geschichte des Polo

Der VW Polo verabschiedet den Käfer: Vor 40 Jahren startet der kleine VW als Audi und komplettiert die VW-Modellpalette. Ein Rückblick.

Eine neue Ära: Der Polo I sollte den Käfer ersetzen. Bis auf den Bulli hieß es: nie wieder Heckmotor!

Gleich nach der Revolution, die der Golf bei Volkswagen einläutet, erfolgt der zweite Donnerschlag: 1975 erscheint der VW Polo. Das Design: schlicht, schnörkellos, modern, mit einem "Spritzer Bertone", wie Designer Hartmut Warkuß über seinen Entwurf zum Polo 1 sagt. Vorgestellt wird der neue, kleine VW im März 1975 auf dem Genfer Salon. Der Entwurf heißt eigentlich Audi 50 und wird auch für die Ingolstädter verkauft. Er entstammt einer Reihe von Neuentwicklungen, zu der auch der Audi 80 gehört, die die alten Modelle Käfer und Karmann Ghia ablösen sollen. Der urprünglich als NSU K 50 entwickelte Spross wird zum Audi 50 umgetauft – und eben auch zum Polo gemacht.

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Mercedes 450 SEL 6.9 BMW M1 VW Golf I

Er ist die sportlich angehauchte blaue Mauritius des Polo-I-Modellprogramms: der Polo I GT.

Seinen Namen erhält der Polo erst sechs Monate vor seiner Präsentation. Zur Wahl ste­hen laut Protokoll "Euros", "Mini-Golf", "Bonito", "Pony" und "Polo". Er bekommt einen Bruder mit Stufenheck, der aber immer Randgruppe bleibt, den Derby, der 1977 in Serie geht. Ende der 70er beginnen die Arbeiten am Polo-Nachfolger, genannt Typ 86C. Der sieht ziemlich anders aus als sein Vorgänger. "Shooting Brake" sagt man heute wieder, bekommt aber zur Sicherheit ein Coupé an die Seite gestellt, und auch wieder einen Derby. Mit mit eckigen Scheinwerfern und breiten Heckleuchten bleibt ihm der große Erfolg versagt, also wird er 1985 in Polo umbenannt und 1988 aus dem Programm geworfen.

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Cockpit des Weltrekord-G40 von 1985: 129 PS, Spitze 218 km/h, Verbrauch 18,8 Liter pro 100 km.

1981 ist Pressevorstellung des Polo 86C auf Sardinien. Auf einem Ponton veran­kert, "schwimmt" in der azurblauen Bucht ein weißes Polo Steilheck scheinbar auf der Wasseroberfläche. Doch eines der Fässer, die die Basis des Pontons bilden, leckt, beinahe säuft der Polo ab. Vom 86C strickt das Marketing jede Menge Varianten: vom billigen Polo Fox mit Spanntuch statt Hutablage, bis zum Polo Coupé GT mit Streifendekor, Sportlenkrad und schwarzem Dachhim­mel. Dazwischen der edle, heute seltene Polo SP, danach die schier endlos erschei­nende Abfolge von Sondermodellen: Twist, Beach, Jeton, Fancy, Azur ... 

Ende der 1980er bringen sie dem Polo Sport bei. In ein völlig unsportliches Modell bauen sie 1989 einen G-Lader ein: es entsteht der sogenann­te Öko-Polo. Dessen Antrieb mit Start-Stopp-Anlage und Rußpartikelfilter ist schlicht ein Meilenstein. Der nur 858 cm3 kleine Zweizylindermotor mit Ausgleichs­welle spritzt den Diesel direkt in den Brennraum ein. Verbrauch: 1,7 Liter Die­sel pro 100 Kilometer! Der G-Lader tritt erst in Aktion, wenn man das Gaspedal stärker durchtritt. Über eine Elektrokupp­lung zugeschaltet, erhöht er die Motor­leistung von 27 auf 40 PS. Das halbauto­matische Fünfganggetriebe ermöglicht Schalten, ohne zu kuppeln. Als Spitze er­reicht der nur knapp 50-mal gebaute Öko-Polo 138 km/h. 

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VW Polo von BB Buchmann schräg vorne VW Polo von BB Buchmann schräg vorne

Der Polo 6N bringt den großen Einschnitt

Gerade mal 858 ccm klein ist der Zweizylinder-Direkteinspritzer, der im Öko-Polo verbaut wurde.

Mit dem Wechsel von VW-Chef Carl H. Hahn zu Ferdinand Piëch kündigt sich 1993 eine neue Gangart an, der Polo wird neu erfunden. 1994 erscheint der Polo III, interner Code: 6N. Während vom Polo I bis zum späten Polo II, Baujahr 1994, Fahrwerk, Bodengruppe, Motor-und Getriebetechnik in vielen Punkten gleich bleiben, kommt jetzt die große Zäsur. Der Polo 6N ist ein Vollsortimenter erster Güte, der in vielen Karosserie-Derivaten daherkommt. Es gibt ihn als Drei-und erstmals als Fünftürer, mit Automatik, mit Faltdach als "Open Air", als maßlos überteuerten, wenig Nutzwert bietenden Kombi, als stilistisch verunglücktes, aber viertüriges Stufenheck "Classic", als familien-und handwerkerfreundliches Hochdach-Wägelchen namens Caddy und sogar als Pick-up. 

Erst als Werbegag gedacht, dann folgte eine Serie. 3806 Harlekine schraubte VW bis 1997 von Hand bunt um.

Auch die anderen Konzernmarken bekommen ihren Polo, mal als Version von Seat Cordoba oder Inca, mal ein Skoda Forman mit VW-Logo. Servolenkung und elektrische Fenster­heber werden mehr und mehr selbstver­ständlich, Klimaanlage gibt’s auf Wunsch, und aus einem Messegag entsteht das farbenfrohe Sondermodell "Harlekin". Apropos Farben – eine unfreiwillig ko­mische Aktennotiz vom 17. Januar 1975 führt aus: "Die von der Farbkommission ausgewählte Innenausstattungsfarbe 'Rost' wurde von Herrn Leiding nicht ak­zeptiert und ersatzlos gestrichen, da eine zu geringe Verwendbarkeit von 'Rost' zu den ausgewählten Außenfarben besteht." Das widerlegen Polo I und Golf I im streusalzhaltigen Alltag bestens. In den Herzen der Fans leben aber auch die Kurzlebigen weiter.

40 Jahre VW Polo: die wahre Geschichte

Autor: Knut Simon

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