Karosseriebauer Hebmüller

— 30.07.2009

Ende mit vollen Auftragsbüchern

Exklusive deutsche Karosseriebauer: Hebmüller, Rometsch, Deutsch, Autenrieth. Wo sind sie geblieben, die deutschen Nobelkarossiers? Eine Geschichte über vergangene Karosserie-Kunst aus Deutschland. Teil 1: Hebmüller.

"Großfeuer vernichtet Karosseriewerk", lautete eine der vielen Schlagzeilen. Und noch heute, 60 Jahre später, sind bei Klaus Hebmüller die Bilder dieses 23. Juli 1949 lebendig: "Es war Samstag, und wir luden am Bahnhof Fahrgestelle ab. Da sahen wir den Rauch und rannten los", erinnert sich der damals 15-jährige Enkel des Firmengründers. Als sich Qualm und Rauch verzogen hatten, zog die Familie eine bittere Bilanz: Das Werk II lag in Schutt und Asche – und damit das Herzstück von Karosserie Hebmüller mit Konstruktionsbüro, Pressen, Lackiererei, Roh­bau und Endmontage. Trotzdem gab es Hoffnung. Dank voller Auftragsbü­cher und Deckung des Schadens durch die Versicherung schien die Zukunft des Betriebs und seiner 700 Mitarbei­ter gesichert. Logisch, dass in kür­zester Zeit neue, hochmoderne Werk­hallen hochgezogen wurden. Es ging ja überall bergauf.

Hier geht es zu den Karossiers Autenrieth, Deutsch und Rometsch

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Die "Stretch-Limo" gab es 1934 noch nicht, doch Hebmüller kannte das Konzept schon: Der Ford Rheinland ist um 30 cm verlängert.

Rückblende. Am 15. Oktober 1889 hat­te der gelernte Stellmacher Joseph Hebmüller eine Werkstatt samt einer Handvoll Arbeiter in Barmen bei Wup­pertal übernommen und mit seinem Erbe von 600 Silbertalern finan­ziert. Sein Mut wurde belohnt: Das Karosseriewerk Joseph Hebmüller Söhne baute so erfolgreich Pferdekut­schen, dass der Betrieb zügig wuchs. Die Zukunft aber gehörte dem Auto­mobil: Wurden 1901 nur 845 Pkw im Deutschen Reich gebaut, so waren es zehn Jahre später 10.319. Also karos­sierte Hebmüller neben Nutzfahrzeu­gen hauptsächlich Personenwagen, darunter erlesene Stücke wie Austro-Daimler ADR Sport, Mercedes SS oder Bugatti Typ 40. Gemeinsam war die­sen edlen Einzelanfertigungen ihr Aufbau in Gemischtbauweise: Ein geschreinertes Holzgerippe wurde mit Blechpartien beplankt – die übliche Bauweise für Handwerker mit einfachen Maschinen.

Der Weg zum Erfolg: Cabrio-Umbauten für Hanomag, Ford und Opel

Im Karosserie-Werk Hebmül­ler aber, jetzt unter Leitung der vier Heb­müller-Söhne Joseph, Paul, Emil und Erich, schaute man weiter voraus. Den Bau von Kleinserien fest im Blick, wur­de offensiv in moderne Lackieranlagen und hydraulische Streck-Zieh-Pressen in­vestiert. Mit Erfolg: Seit 1936 entstanden in drei Werken gefällige Cabrios und noble Pullman-Limousinen für Hanomag, Ford und Opel – gefragte Maßkonfektion von der Stange. Den Zweiten Weltkrieg überstand Hebmül­ler mit Militäraufträgen, baute Gelände-und Werkstattwagen sowie Flugzeugat­trappen, die alliierte Bomberpiloten auf die falsche Fährte locken sollten. Nach Kriegsende kam man schnell aus den Start­löchern und fertigte ab 1946 Stabswagen für die britische Militärbehörde sowie Paketautos für die Post. Für die junge deut­sche Sportwagen-Firma Veritas entstand eine Reihe von Alukarosserien.

Edles Käfer Cabriolet

Dann der Durchbruch: Im Sommer 1948 buchte VW-Chef Heinrich Nordhoff 2000 Exem­plare jenes Edel-Käfers, der im Verkauf sat­te 7500 Mark kostete und als "Hebmüller-Cabrio" längst unsterblich geworden ist. Tragisch: Wegen des Feuers blieb es bei 696 Fahrzeugen, weitere zwölf bis 14 fer­tigte Karmann aus Restbeständen. Das Ende kam überraschend. Der Neubau hatte einen gigantischen Schuldenberg aufgehäuft – so hoch, dass Hebmüller im Mai 1952 Konkurs anmelden musste. Ein Managementfehler? "Hinterher ist man immer klüger", sagt Klaus Hebmüller heu­te, schließt die Tür seines privaten Ford Rheinland mit Hebmüller-Pullman-Karos­serie und fährt davon.

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