Kitzbüheler Alpenrallye 2007

— 13.06.2007

Hochsaison für Oldtimer

Seit 1988 kämpfen einmal im Jahr Oldtimer-Liebhaber mit ihren Klassikern aus sieben Jahrzehnten Automobilgeschichte um den Sieg bei der Alpenrallye. In diesem Jahr fuhr erstmals ein AUTO BILD-Team mit – und zeigte, dass es kein Jaguar oder Bentley sein muss, um das Publikum zu begeistern.
ANZEIGE
Von Roland Niederlich Mit dezentem Säuseln gleitet der Jaguar E-Type von 1963 über die schmale Straße am Ortsausgang von Ellmau. Ein paar Meter weiter biegt die Startnummer 99 der diesjährigen Kitzbüheler Alpenrallye mit Schrittgeschwindigkeit auf einen steinigen Feldweg ab. Gaaanz vorsichtig, denn die Unversehrtheit des wertvollen Sammlerstücks steht über allem. Vor ihren Einfamilienhäusern des Tiroler Alpenorts verfolgen die Bewohner die Paradefahrt andächtig. Für den Jaguar hat soeben die letzte Wertungsprüfung der 20. Kitzbüheler Alpenrallye begonnen. Plötzlich geht ein Ruck durchs Publikum. Zuschauer klatschen, Kinder springen auf, jubeln und winken. Eine knallrote BMW Isetta versucht, dem Jaguar zu folgen. Sie säuselt nicht, sie knattert angestrengt. Sie gleitet nicht, sie hoppelt über die Schotterpiste am Ortsausgang. Die Mundwinkel der Zaungäste biegen sich reflexartig zu einem Lächeln nach oben. Die Königin der Herzen hat zwölf PS. Ähnlicher Jubel wenige Minuten später beim weißen Opel Ascona B 400 im original Rallye-Outfit. Ein Profisportler, vor über 20 Jahren mittelschwer prollig zurechtgestylt, inzwischen genau deshalb obercool. Und hier wie heute prominent besetzt: Am Steuer General Motors’ Europa-Chef Carl-Peter Forster, sein Beifahrer Christian Geistdörfer ist bestens mit dem Auto vertraut. Schließlich wurde er darin zusammen mit Walter Röhrl 1982 Weltmeister.
Frischer Wind im Team mit jüngeren Typen aus den 70er-Jahren
Der Wolf hetzt die Meute: AUTO BILD-Verlagsgeschäftsführer Dr. Hans Hamer im 76er Opel Kadett C.
Der Wolf hetzt die Meute: AUTO BILD-Verlagsgeschäftsführer Dr. Hans Hamer im 76er Opel Kadett C.
Ihnen dicht auf den Fersen sind AUTO BILD-Verlagsgeschäftsführer Dr. Hans Hamer in einem 76er Opel Kadett C GT/E Coupé und Chefredakteur Bernd Wieland im Ford Capri RS 2600 von 1972. Sie und neun weitere Klassiker, hauptsächlich jüngere Typen aus den 70er-Jahren, bildeten das AUTO BILD-Team der aktuellen Alpenrallye. Und brachten frischen Wind in das 185 Teilnehmer starke Feld der traditionsreichen Ausfahrt. Denn es sind Autos, die Emotionen wecken. Und Erinnerungen an eine Zeit, in der es nur zwei Fernsehprogramme und den Liter Sprit für 70 Pfennig gab. Es war die Zeit, in der Papa, als er noch kein Papa war, bei den Eltern von Mama, als sie noch nicht Mama war, vor dem ersten Tanzabend vorsprechen musste. Persönliche Erinnerungen eben. Und das kommt an beim Publikum. Opel Commodore GS/E in Knallrot mit schwarzem Vinyldach und NSU Ro 80, der glücklose Radikalreformer, hinter Rolls-Royce und vor Mercedes 300 SLS – die Mischung macht’s. Und irgendwie adeln sich hier die Großen und die Kleinen gegenseitig.
Freude am Fahren braucht keine Drehzahlen
Springer-Zeitschriften-Vorstand Dr. Andreas Wiele pilotiert den BMW 507, legendärer Entwurf von Albrecht Graf Goertz.
Springer-Zeitschriften-Vorstand Dr. Andreas Wiele pilotiert den BMW 507, legendärer Entwurf von Albrecht Graf Goertz.
Konsequent klassenlos präsentiert sich die Tour der Traumwagen und Alltagsträume beim Concours d’ Élégance in der Kitzbüheler Innenstadt. Hier scharen sich ebenso viele Zuschauer um die 02er-BMW und Rallye-Kadett wie um Bentley Blower von 1931 und Jaguar XK 120 von 1950. Mit einem Unterschied: Die einen sind unbezahlbare Exponate eines Freilichtmuseums, das drei Tage im Jahr geöffnet hat. Die anderen lassen den Super-Acht-Film der eigenen Vergangenheit ablaufen. "Solch einen BMW hatte ich auch mal", sagt ein grauhaariger Mann und streichelt die Rundung der Fronthaube. "Mannomann, was sind wir damit geballert." Genau das macht hier und heute keiner mehr. Die Freude am Fahren braucht keine Drehzahlen. Eine Frage des Preises ist sie ohnehin nicht.
ANZEIGE
Wichtige Fragen zu Rallyes
Brauche ich eine Lizenz? In 90 Prozent der Fälle nicht. Der Fahrer muss natürlich einen Führerschein haben. Welche Autos sind zugelassen? In der Regel gilt: mindestalter 30 Jahre. Ist mein Auto versichert? Nur im Rahmen der jeweiligen Fahrzeugversicherung. Es besteht kein zusätzlicher Schutz durch den Veranstalter. Was kostet die Teilnahme? Je nach Veranstaltung von 100 bis über 1500 Euro inklusive Hotel und Karten. Gibt es was zu gewinnen? Etwa ein Viertel der Teilnehmer bekommt Pokale. Preisgelder sind die Ausnahme. Welches Zubehör ist wichtig? Auf jeden Fall zwei Stoppuhren, Wegstreckenzähler und Schnitttabelle. Wird immer schnell gefahren? Nein, nie. Es geht um eine gleichmäßige Durchschnittsgeschwindigkeit. Ist so eine Rallye gefährlich? Nicht gefährlicher als der normale Verkehr, da immer die Straßenverkehrsordnung gilt. Wie sehr leidet mein Auto? Auf bergigen Strecken sind die Belastungen für Bremsen, Reifen und Kupplung höher als im Alltag.
Klassische Piccolos Marke AUTO BILD
Schuco-Piccolo-Set zur 20. Kitzbüheler Alpenrallye: Auflage 1000 Exemplare, 600 Sets gelangen in den Fachhandel.
Schuco-Piccolo-Set zur 20. Kitzbüheler Alpenrallye: Auflage 1000 Exemplare, 600 Sets gelangen in den Fachhandel.
Klein, fein, begehrt: das rote Schuco-Piccolo-Set zur 20. Kitzbüheler Alpenrallye. Klassisch geprägt mit AUTO BILD auf Mercedes 300 SL und Jaguar E-Type. Auflage nur 1000 Exemplare, 600 Sets gelangen in den Fachhandel. Zu kaufen ab Juli 2007 für 29,95 Euro.
Mehr zum Thema

Cabrios der 80er im Klassik-Test - 05.09.2011

Die Bügel-Falter
Der Golf I setzte den Trend: 1979 erschien als Nachfolger für das Käfer Cabriolet der erste offene Golf. Der Überrollbügel rief Spötter und Nachahmer auf den Plan. Wie fühlen sich die Henkelmänner der 80er heute an? Cabrios der 80er im Test

Opel Kadett GSi Cabrio im Klassik-Test - 22.06.2011

Der mit dem Golf tanzt
Der offene Kadett war ein später Nachzügler. Erst 1987 kam er auf den Markt – erdacht, entwickelt und gebaut bei Bertone in Turin, wo sie gleichzeitig auch das Fiat Ritmo Cabrio bauten. Opel Kadett GSi Cabrio

Opel Ascona A Voyage - 24.05.2011

Der längste Manta
Vor 40 Jahren spielte Opel virtuos auf der Marketing-Klaviatur – in Deutschland, aber vor allem in den USA: Dort gab es den Manta als Sport Wagon. Hier hieß der Kombi Ascona Voyage. Opel Ascona A Voyage
Bildergalerie

Versicherungsvergleich

Vergleichen Sie kostenlos über 180 Kfz-Tarife und sparen Sie bis zu 500 Euro!

Eingabe Ortskennzeichen: (z.B. HH für Hamburg)

Social Media

Diesen Artikel

Diesen Artikel

Artikel bewerten