Vergleichstest: Limousinen mit Schrägheck

Citroen CX 2400 Injection Citroen CX 2400 Injection Citroen CX 2400 Injection

Klassik-Test: Citroën CX 2400 Injection

— 26.10.2012

Französischer Quergeist

Als der Citroën CX 1975 auf den Markt kam, musste er viel Kritik einstecken. Der Motor sei zu rau, die Qualität stimme nicht. Wie fährt sich der Individualist heute?

Frankreich also, und in diesem Land der Auto-Merkwürdigkeiten gibt es sogar noch eine Extra-Insel für Skurrilitäten namens Citroën. Autos wie Halluzinogene. Jedenfalls bekommt der mit deutschen Seh- und Fahrgewohnheiten ausgestattete Automensch sofort diesen Eindruck, wenn er den CX entert und der Blick über diese bizarre Armaturenbrett-Topografie wandert. Hiermit ein Auto dirigieren? Da sind verschwommene Anzeigen hinter Flaschenböden versteckt, Erker mit zahlreichen Knöpfen ragen bis in die Nähe des einarmigen Lenkrads vor, eine epische Leiste mit 13 Kontroll-Lampen zieht sich waagerecht entlang, deren Clou eine Warnleuchte für die Warnleuchten ist.
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Der große Pluspunkt des Citroën CX 2400 ist seine fantastische weiche Federung. Damit nimmt der exzentrische Franzose Kurven wie ein Kajak.

©S. Krieger

Dafür fehlt ein Wasserthermometer, obwohl der Motor im Sommer gern mal überhitzt. Damit sind wir beim Thema Qualität, bei dem der extravagante Wagen am liebsten abtaucht. Ja, es ist wirklich ein düsteres Kapitel, das in diesem Vergleich zum Glück nur eine untergeordnete Rolle spielt, denn es geht uns hauptsächlich ums Fahren.Und da schneidet der Citroën, nachdem wir den ersten Kulturschock überwunden haben, ziemlich gut ab. Schaltung? Exzellent. Motor? Brummig zwar, aber lebendig, durchzugsstark und dabei relativ sparsam. Fahreigenschaften? Sicher untersteuernd, dazu eine fast rennwagenmäßige Hydraulik-Lenkung, so direkt, dass der CX-Novize Kurven zunächst als Vieleck umrundet, weil er auf Anhieb keinen passenden Winkel am Lenkrad findet. Und das Lenkrad locker und elegant am Ende der Kurve per eigener Rückstellkräfte durch die Finger gleiten lassen? Bitte vergessen!

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Der CX-Kofferraum bietet genug Platz, aber den Witz des Schräghecks hatte Citroën nicht begriffen: Heckklappe und Erweiterung des Abteils nach innen.

©S. Krieger

Das Fahrwerk haut das Rad gnadenlos in Geradeausstellung. Bremse? Sehr wirkungsvoll, aber auch hier dank Hochdruckhydraulik schwer dosierbar. Das Bremspedal hat keine lineare Weg-Druck-Kennung, sondern nur eine Druckempfindlichkeit. Es bewegt sich kaum. Federung? Volle Punktzahl, der Citroën besitzt schlicht die beste Federung der Welt. Seine Hydropneumatik lässt den Wagen wie ein Hovercraft über den Boden schweben, wunderbar. Nach dem Höhepunkt kommen wir aber gleich zum Schwachpunkt, dem vernunftunbegabten Heck: Zwar besitzt auch der CX ein Fließheck, doch was machen die Franzosen? Sie spendieren der großen Fläche einen kleinen Kofferraumdeckel! Und die Rücksitzbank lässt sich auch nicht umklappen. Also, Citroën: Thema verfehlt, Note Sechs, setzen!

Fazit: Der CX hat eine prima Straßenlage, die denkbar beste Federung, einen starken Motor. Allerdings ist der rau. Die Bedienung ist höchst gewöhnungsbedürftig. Ein herrlich wahnwitziges Auto – exzentrisch, bis es weh tut!
Fahrzeugdaten Citroën CX 2400 Injection
Motor Reihenvierzylinder
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Hubraum 2347 cm3
Bohrung x Hub 93,5 x 85,5 mm
kW (PS) bei U/min 94 (128)/4800
Nm bei U/min 197/3600
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h
Getriebe Fünfgang manuell
Antrieb Vorderrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 195/70 R 14 H
Verbrauch (Werksangabe) 11,2 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 68 Liter/Super
zulässiges Gesamtgewicht 1885 kg
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A)
Abgas CO2 (nach Werksverbrauch) 265 g/km
Messwerte
Leergewicht/Zuladung 1358/527 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 68/32 Prozent
Wendekreis (links/rechts) 12,2/12,6 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 61/66 dB (A)
Testverbrauch – CO2 11,1 l – 263 g/km
Reichweite 613 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 Prozent) 191 Euro
Werkstattintervalle 7500 km
Zeitwert (Zustand 2) 8600 Euro

Autor: Bernhard Schmidt

Fotos: S. Krieger

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