Luxus-Coupés der 80er

Klassik-Test: Jaguar XJ-S

Stilleben

Mit seinem genialen Zwölfzylinder, dem ausgewogenen Fahrwerk und dem eleganten Design ist der Jaguar XJ-S ein großartiges, feines Auto für Leute, die das Besondere lieben. Trotz der günstigen Preise ist XJ-S-Fahren zwar kein billiges, jedoch ein einzigartiges Vergnügen.
Womöglich hat bereits vor fast 30 Jahren ein erfahrener Autotester schon alles Wissenswerte über den Jaguar XJ-S in einem Satz zusammengefasst. cW-Wert und Benzinverbrauch seien vorhanden, schrieb er, und zwar in einer Höhe, die jede Diskussion erübrige. Doch damit täte man dem eleganten Zwölfzylinder-Coupé sehr unrecht. Wie sehr, offenbart sich bereits auf unserer Autobahnetappe zum Sylt-Shuttle. Der Jaguar gleitet mit einer Geschmeidigkeit über die A7, die heute in der Luxusklasse eher selten anzutreffen ist. Seine dicken Pirellis und die fein abgestimmten Federn bügeln Betonfugen und Frostaufbrüche weg. Die Dreistufen-Hydramatic von GM, einst wegen träger Schaltvorgänge und hohem Wandlerschlupf in Verruf, wechselt die Planetenradsätze mit großer Gelassenheit und kaum merklichem Schaltrucken.

Luxus-Coupés der 80er
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Der Jaguar XJ-S begeistert mit dem konkurrenzlos seidigen V12, dem feinen Fahrwerk und der eleganten Form.

©C. Bittmann

Wobei es dem 5,3-Liter-Zwölfzylinder ziemlich egal ist, welche Übersetzung die Hydramatic gerade für passend hält. Er summt gleichmäßig wie ein Elektromotor und lässt sich kaum dazu herab, bei hohen Drehzahlen in Aufgeregtheit zu verfallen. Ja, Fahrleistungen hat er ebenfalls, der Jaguar. Keine überragenden zwar, doch ausreichende, um die Horden dieselbefeuerter Kompaktlimousinen angemessen auf Distanz zu halten. Selbst bei Tempo 180, zu Bauzeiten des XJ-S noch Autobahntempo der Schnelleren, stört nur das Pfeifen des Windes die Ruhe im Jaguar. Der Drehzahlmesser pendelt dann um die 4000er-Marke, zu hören ist der Motor nicht. Fürwahr ein Reisewagen, ein Gran Turismo. Zumal sich bei den Test- und Fotofahrten noch nicht einmal der befürchtet hohe Benzinverbrauch einstellt. 15,5 Liter Super verkostet der Zwölfender, trotz eiliger Autobahnfahrt und Stop-and-go auf Sylt. Es sei ihm gegönnt. Die überraschendste Seite des XJ-S aber offenbart sich auf dem Testgelände. So entspannt wie die Anreise absolviert er die Pylonenkurverei im Standardslalom und in der VDA-Wedelgasse. Zielsicher, mit leichtgängiger Lenkung und mit nur geringer Seitenneigung zeigt er sportliches Talent. Sogar das kann er, der große Jaguar. Das haben uns die Tester von damals verschwiegen.

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Fahrzeugdaten Jaguar XJ-S
Motor V12
Ventile/Nockenwellen 48/2
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 5344 ccm
Bohrung x Hub 90 x 70 mm
kW (PS) bei U/min 202 (275)/5200
Nm bei U/min 395/2800
Höchstgeschwindigkeit 238 km/h
Getriebe Dreistufenautomatik
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 235/60 R 15 W
Verbrauch (Werksangabe) 14,7 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 91 Liter/Super
zulässiges Gesamtgewicht 2150 kg
Vorbeifahrgeräusch 77 dB (A)
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 348 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 3,4/6,1 s
Beschleunigung 0-100/-200 km/h 8,4/33,8 s
Zwischenspurt 60-100/80-120 km/h 4,0/5,3 s
Bremsweg aus 100 km/h 41,1
Leergewicht/Zuladung 1758/392 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 56/44 Prozent
Wendekreis (links/rechts) 13,5/13,7 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 60/67 dB (A)
Testverbrauch - CO2 15,5 l - 367 g/km
Reichweite 590 km
Kosten
Steuern pro Jahr 397 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 396 Euro
Werkstattintervalle 10.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 280/510 Euro
Zeitwert (Zustand 2, Stand Mai 2012) 21.700 Euro

Autor: Heinrich Lingner

Fotos: C. Bittmann

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