Klassik-Test: Opel Ascona 1.6

Opel Ascona 1.6 Opel Ascona 1.6 Opel Ascona 1.6

Klassik-Test: Opel Ascona 1.6

— 17.08.2012

Gutes Aussehen? Guter Preis? Oder Beides?

1970 füllt Opel mit dem Ascona die Lücke zwischen  Kadett und Rekord. Das kommt gut an, zumal der Neue gut ausssieht und Opel-typisch simpel und solide daherkommt. Was taugt er aus heutiger Sicht? AUTO BILD KLASSIK hat den Ascona getestet.

Opel ist ganz oben, als im Herbst 1970 die ersten Ascona in den Schaufenstern stehen. Da kann man schon mal mit knackigen Werbesprüchen kommen, wie den selbsgtbewussten Slogan, den wir für unsere Überschrift entliehen haben. Er sieht also gut aus, bei gutem Preis. Tatsächlich liefert General Motors mit dem neuen Modell ein Paradebeispiel für kostensparende Effizienz. Eigentlich war der Ascona als Kadett-Nachfolger gedacht, doch weil er so stattlich auf der Straße steht, darf er die Lücke füllen, die zwischen dem kleinsten Opel und dem Rekord klafft. Ein Triumph der Designer – nur gegenüber dem Ford Taunus, der in üppigen US-Formen schwelgt, wirkt der Ascona zierlich. Das stört nicht, kompakte Limousinen mit sportlichem Touch stehen hoch im Kurs. In seiner stärksten Version mit 1,9-Liter-Motor und sportivem SR-Outfit gilt der Opel als günstige Alternative zum BMW 02.
Mittelklasse der 70er im Einzeltest
Audi 80 GL Ford Taunus 1600 GXL VW Passat GLS Vergleichstest

Das gekonnte Design lässt den Opel Ascona größer wirken als den Kadett B, obwohl er nur wenige Millimeter länger ist.

©U. Sonntag

Doch gekauft werden vornehmlich die Brot-und-Butter-Ausführungen. Autos wie unser Testwagen: Der präsentiert sich in einer an Armseligkeit grenzenden Schlichtheit mit spärlichem Chromschmuck – und, was in den 70ern ebenso wichtig ist: ohne Holzfolie auf dem Armaturenbrett. Aber eben auch höchst funktionell: gute Sitzposition, klare Rundinstrumente, dazu ein langer Schalthebel, der schräg aus dem Wagenboden ragt wie bei der Sport-Ikone Alfa Romeo Giulia. Dass es auf den Rücksitzen wenig Platz gibt – der Radstand ist nur einen Zentimeter länger als beim Kadett –, müssen Familienväter wie vor 40 Jahren verzeihen: Selbst die Opel-Werbung nannte den Ur-Ascona stolz "Außenseiter" und empfahl ihn als Auto für Leute, die sportlichen Charakter mehr schätzen als äußeren Prunk.

Test: Kleinwagen der 70er

Dazu passt das Fahrwerk. Die Federung ist straff, gar nicht familienfreundlich, aber bestens geeignet, um forsch um die Ecken zu stechen. Die perfekte Übersichtlichkeit der Karosserie, die präzise Zahnstangen-Lenkung und die mit Panhardstab geführte Starrachse tragen ebenfalls zum lebendigen Eindruck bei. Nur der Motor mag nicht passen. Der 1.6er mit seitlich im Zylinderkopf rotierender Nockenwelle und Opel-typischem Nuschelsound wirkt, als seien seine Atemwege verstopft. Opel-Liebhaber trösten sich damit, dass er das ewige Leben hat – wie alle Motoren aus der Zeit, als die Marke mit dem Blitz oben war.
Fahrzeugdaten Opel Ascona 1.6
Motor Reihenvierzylinder
Ventile/Nockenwellen 8/1
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 1584 ccm
Bohrung x Hub 85 x 69,8 mm
kW (PS) bei U/min 59 (80)/5200
Nm bei U/min 118/3800
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h
Getriebe Viergang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 165/80 R 13 T
Verbrauch (Werksangabe) 12,0 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 46 Liter/Super
zulässiges Gesamtgewicht 1365 kg
Kofferraumvolumen 422 l
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 284 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 4,6/10,0 s
Beschleunigung 0-100 km/h 14,9 s
Zwischenspurt 60-100/80-120 km/h 13,0/15,1 s
Bremsweg aus 100 km/h 62,9 m
Leergewicht/Zuladung 902/463 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 54/46 Prozent
Wendekreis (links/rechts) 10,8/10,3 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 67/76 dB (A)
Testverbrauch - CO2 10,2 l - 242 g/km
Reichweite 450 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 109 Euro
Werkstattintervalle 5000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 120/310 Euro
Zeitwert (Zustand 3, Stand Juni 2012) 3500 Euro

Autor: Götz Leyrer

Fotos: U. Sonntag

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