Klassik-Test: Porsche 928 S4

— 15.03.2013

Der Mercedes unter den Porsche

Der Porsche 928 S4 ist eine Wucht. Mit seinem kräftigen Motor, dem exakten Fahrverhalten, den standfesten Bremsen und der sensiblen Lenkung ist er auch im heutigen Verkehr ein schneller, vollwertiger Sportwagen mit überragenden Langzeitqualitäten.



Eigentlich war der Porsche 928 ja ein großer Wurf. Sogar im Wortsinne, denn mit 4,45 Meter Länge und fast 1500 Kilo Leergewicht war er ein für Porsche-Verhältnisse großer und schwerer Brocken. Aber ein gelungener. Publikum und Fachwelt waren begeistert, und so ganz nebenbei holte sich der 928 schnell mal den Titel "Auto des Jahres 1978" ab. Doch er hatte ein Problem: er war kein 911. So musste er sich seit seinem Debüt 1977 mit allerlei Missverständnissen herumschlagen.

An den großen, breiten Rückleuchten erkennt man schon von Weitem den späten 928er vom Typ S4.

©

Doch daran sind andere schuld, diejenigen etwa, die bei Porsche ernsthaft dachten, das frontmotorige Achtzylinder-Geschoss könnte den luftgekühlten 911 mittelfristig ersetzen, in erster Linie also der damalige Vorstandsvorsitzende Ernst Fuhrmann. Das glaubten viele in Zuffenhausen so lange, bis der neue amerikanischer Vorstandsvorsitzender Peter W. Schutz wieder für klaren Blick sorgte. Der 928 blieb dennoch bis 1994 im Programm, vom Hoffnungsträger zum ungeliebten Kind absteigend, doch mit treuer Fangemeinde und stetig weiterentwickelt. Ihr gebührt unser Dank, denn so können wir heute erleben, was für ein großartiges Auto der erste Achtzylinder-Porsche war. Zugegeben, er ist groß und unübersichtlich, der 928. Und wer ihn vom Autoreisezug auf die Rampe in Westerland chauffieren will, tut gut daran, die Scheinwerfer als Peilhilfen auszufahren.
Luxus-Coupés der 80er
Jaguar XJ-S Mercedes 560 SEC Vergleichstest

Fahrwerk, Lenkung, Bremsen und Komfort sind so gut, dass der 928 noch heute so frisch und spannend wirkt wie 1990.

© C. Bittmann

Doch einmal in Fahrt, sind Größe und Gewicht vergessen. Zumal der Achtzylinder-Porsche nach heutigen Normen beinahe ein zartgliedriges Leichtgewicht ist. Dem Alu-Achtzylinder ist es egal, dank den 320 PS der Evolutionsstufe S4 hat er keinerlei Mühe mit dem 1,6 Tonnen schweren 2+2-Sitzer. Beschleunigung und Höchsttempo sind immer noch beeindruckend, ebenso die Leichtigkeit, mit der dieser flache, breite Wagen dahinprescht. Anders als im 911 hockt der 928-Lenker tief unten im Auto, nur ausgesprochene Sitzriesen können mühelos über den verstellbaren Instrumententräger nach vorn lugen. Wenn sie auch Stehzwerge sind, haben sie wiederum Mühe, die weit in einem tiefen, dunklen Tunnel versenkten Pedale zu erreichen. Alles andere geht leicht von der Hand im 928, leicht und vor allem exakt: Lenkung, Gaspedal, Bremse, Schalter. Jeder Handgriff vermittelt hohe Präzision. Wenn Schweizer Uhrmacher damals Autos gebaut hätten, es wäre wohl ein 928 S4 entstanden. Dass er in unserem Vergleichstest seinen beiden Coupé-Konkurrenten Mercedes 560 SEC und Jaguar XJ-S überall und jederzeit um die Ohren und letzlich auch den Sieg einfährt, bedarf kaum einer Erwähnung. Denn auf überragendes sportliches Talent haben sie in Zuffenhausen schon viel Wert gelegt, schließlich war er ja mal der 911-Nachfolger.

Es gab noch mehr ungeliebte Porsche

Fahrzeugdaten Porsche 928 S4
Motor V8
Ventile/Nockenwellen 32/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Hubraum 4957 ccm
Bohrung x Hub 100 x 78,9 mm
kW (PS) bei U/min 235 (320)/6000
Nm bei U/min 430/3000
Höchstgeschwindigkeit 265 km/h
Getriebe Vierstufenautomatik
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/50 - 245/45 ZR 16
Verbrauch (Werksangabe) 12,8 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 86 Liter/Super
zulässiges Gesamtgewicht 1920 kg
Vorbeifahrgeräusch 75 dB (A)
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 303 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 2,5/4,5 s
Beschleunigung 0-100/-200 km/h 6,2/22,2 s
Zwischenspurt 60-100/80-120 km/h 3,1/3,5 s
Bremsweg aus 100 km/h 36,8
Leergewicht/Zuladung 1632/288 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 54/46 Prozent
Wendekreis (links/rechts) 11,8/11,7 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 64/71 dB (A)
Testverbrauch - CO2 13,5 l - 320 g/km
Reichweite 630 km
Kosten
Steuern pro Jahr 368 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 630 Euro
Werkstattintervalle 10.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 250/580 Euro
Zeitwert (Zustand 2, Stand Mai 2012) 22.000 Euro

Autor: Heinrich Lingner

Fotos: C. Bittmann


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