Klassik-Test: Youngtimer mit Porsche-Technik

— 16.11.2012

Wir sind Porsche

Vier unterschiedliche Autos, vier Markenlogos. Viermal Leistung, Luxus und Komfort. Und überall steckt Porsche drin, auch wenn es nicht immer draufsteht. Aber wer bietet am meisten Porsche? Audi, VW, Mercedes? Oder Porsche selbst?



Die Autowelt wäre um einige Attraktionen ärmer, hätten der Herr Professor Ferdinand Porsche und seine vielen Ideen nicht exisitiert. Und damit meinen wir nicht nur die vielen Sportwagen der Marke Porsche, die es dann niemals gegeben hätte. Ferdinand Porsche hat die Mercedes-Benz-Kompressor-Wagen der 20er-Jahre auf den Weg gebracht, in den Dreißigern die Mittelmotor-Silberpfeile für die Auto Union ersonnen und natürlich den KdF-Wagen konstruiert, der ab den 40er-Jahren als Volkswagen bzw. Käfer Karriere machte. So etwas verbindet.

Der Porsche 928 ist heute am ehesten erreichbar. Gute Audi RS 2 und Mercedes 500 E sind rar.

© C. Bittmann

Als Porsche einen schnellen Truppentransporter für Testeinsätze benötigte, hebelten sie 1983, quasi nebenbei als Fingerübung, einen Dreiliter-SC-Motor ins Bulli-Heck. Tempo 190 im VW T3 Bus, kein Problem im Nachfolger B32 mit 3,2-Liter-Maschine und 231 PS. Kurz darauf stand Mercedes vor der Tür und bat um Nachbarschaftshilfe. Die Zuffenhausener waren damals gerade klamm bis pleite und übernahmen gerne den Entwicklungs- und Fertigungsauftrag für das Top-Modell der Mittelklasse W 124 mit Fünfliter-V8. Der 500 E von 1991 war ein Auto wie "Feuer und Seide" – so behauptete die Werbung und hatte recht. Audi ließ auf Basis des Audi 80 Avant den schnellsten Serienwagen der Firmengeschichte konstruieren – einen Kombi, ausgerechnet! Intern heißt der RS 2 von 1994 folgerichtig P1: Porsche, der Erste. Und Porsche selbst? Schickt gegen Limousine und Kombi den eigenen Gran Turismo ins Rennen, den bärenstarken 928 GTS, die ultimative Ausbaustufe des brillanten Transaxle-Entwurfs. Vier Autos, vier Porsche. Unterschiedlicher geht es nun wirklich nicht. Doch das ist das Reizvollle: Wir haben die vier ungleichen Brüder gestet: Die ausführlichen Einzeltests der ungewöhnlichen Porsche finden Sie hier:

Youngtimer mit Porsche-Technik im Vergleichstest
Audi RS2 Mercedes 500 E Porsche 928 Porsche B32

Der Audi in Porsche-Optik beherrscht als Jüngster im Vergleich das Stil-Fahr-Platz-Programm perfekt.

© C. Bittmann

Das überraschende Ergebnis: Sieger ist der Audi RS 2. Er schnitt im Test als Bester ab. Ein getunter Audi 80 Avant also, der die Schönen, Großen und Feinen besiegt. Kann das mit rechten Dingen zugehen? Ja, es kann, wenn so viel Porsche drinsteckt. Beim RS 2 hat das Hersteller-Duo ein glückliches Händchen bewiesen. Die altmodisch brachial gereichte Turbokraft des Fünfzylinders findet viel Traktion im Allradantrieb und hat leichtes Spiel mit dem kompakten Kombi. Ein Lademeister ist der RS 2 nicht, aber vier Leute und ein bisschen Gepäck finden in diesem Sportwagen ausreichend Platz. Außerdem verschleiert der Audi nicht seine konstruktive Herkunft, sondern trägt seine Porsche-Technik offensiv zur Schau. So viel Ehrlichkeit beeindruckt und lässt vermuten, dass Porsche stolz auf sein Ziehkind war. Der 928 GTS verliert nur deshalb knapp nach Punkten, weil bei dieser Konkurrenz eben auch mal Raumangebot und Variabilität in die Wertung einfließen.

Gestern und heute: Audi RS 2 gegen RS 4 Avant

Der Audi RS 2 siegt dank Allradantrieb, Turbo-Dampf und ausreichend Platz.

© C. Bittmann

Dass keiner besser aussieht, schneller fährt und hochwertiger gebaut ist als der Hundertprozent-Porsche, prädestiniert ihn für den Schönheitspreis. Wo sind die Designer, denen heute solch ein zeitloses Meisterwerk gelingt? Schon etwas weiter hinten reiht sich der stille, doch gewaltige 500 E ein. Das Zusammenspiel aus viel Motor, viel Understatement und viel Porsche-Kompetenz in der Gesamtabstimmung macht ihn begehrenswert für Porsche- und Mercedes-Liebhaber mit Familie und dem Sinn fürs leise Auftreten. Der Letzte der vier ist alles andere als ein Verlierer, er rauscht als Sieger der Herzen durchs Ziel. Der unauffällig auftretende, aber extrem sportlich motorisierte B32 ist ein klassischer Elfer, den humorvolle Techniker mit einer kastigen Bus-Karosserie versehen haben. Dass die anderen moderner sind, merkt man auf jedem gefahrenen Meter. Seine Seltenheit macht ihn begehrenswert und teuer, aber keiner ist so praktisch.

Eindrücke von unserem Vergleichstest finden Sie oben in der Bildergalerie!

Autor:

Jan-Henrik Muche

Fazit

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? In diesem außergewöhnlichen Porsche-Vergleich spielt neben Markenbindung auch Raum eine Rolle. Mit Familie? 500 E oder RS2 nehmen. Zu zweit? 928 GTS kaufen. Solvent und geduldig? Auf B32 warten. Sie alle sind Porsche.

Fotos: C. Bittmann

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