Klassiker für Sonne und Strand: Suzuki SJ 410

Suzuki SJ 410 Suzuki SJ 410

Klassiker für Sonne und Strand: Suzuki SJ 410

— 13.06.2011

Suzi Quattro

Nach dem LJ 80 gelingt Suzuki 1981 wieder eine wunderbar luftige und allradgetriebene Wühlmaus: Auftritt SJ 410, der im Kreis windiger Gesellen den Klettermeister gibt.

Da hat wohl einer die Idee des Kalten Krieges missverstanden. In den 1970er-Jahren beauftragt die australische Regierung Suzuki mit dem Bau eines Geländewagens für die Armee. Heraus kommt der LJ 80. Wie einschüchternd wird das wohl auf die Gegenseite wirken, wenn ein 3,20 Meter kurzer, 800 Kilo leichter, 40 PS schwacher Geländehopser einen ganzen Kontinent verteidigen soll? Dazu trägt er fast den Namen von Walt Disneys Schmunzelmonster Elliot. Doch der LJ will keine Kriege gewinnen, lieber Herzen. Und als er 1983 geht, wäre es ein schlimmer Verlust, gäbe es nicht schon einen Nachfolger – den SJ 410. Im Vergleich zum LJ 80 bezirzt er seine Passagiere mit Luxus: Türverkleidungen! Eine Heizung! Und, oh, ein Dach, nicht mehr im Stil dieser spießigen Gartenpavillons. Wobei die Thematik des Wetterschutzes beim SJ 410 nicht überbewertet werden sollte.

Ein zumutbarer Platz vor den Rücksitzen ist nicht vorgesehen.

©H. Neu

Der Vorgang, die flatterhafte Plane abzuzippen, von Bügeln zu kletten und von Druckknöpfen zu rupfen, ähnelt in Dramatik und Ergebnis dem Entfernen alter Tapeten von Wohnzimmerwänden. Nur dass die Wanddeko nicht wieder dranmuss. Die echte Herausforderung kommt nämlich, soll das Verdeck wieder aufgetakelt werden. Weil es ab Tempo 80 laut im Fahrtwind knattert, selten Regen und den Wind nie so ganz abhält, streifen SJ-Besitzer das Dach am besten ein für alle Mal ab. Es gäbe noch mehr umzubauen: Die Türen ließen sich abschrauben, die Frontscheibe flach legen. Jetzt mal reinklettern. Drinnen erinnern Kenner der Marke sich an einen Werbespruch: "Suzuki-Design hat ein Gefühl für die Zukunft." Es muss ein eher vages sein, denn schon in den frühen 80er-Jahren gibt es nettere und ergonomischere Cockpits als das des SJ 410. Weit nach links versetzt, guckt der Fahrer auf einen Kasten von der Machart einer Tupperdose. Sie beherbergt das Instrumentarium und umgibt sich mit japanischen Universalschaltern und -hebeln.

Der Jeep zum Schmunzeln: Suzuki LJ

In den Kofferraum passt nur das Nötigste. Für den Strand reicht es.

©H. Neu

Zündung, starten, und der Einliter-Vierzylinder dröhnt sich warm. Er verbindet mangelnde Laufkultur mit Dreh-Unlust. Mit 45 PS bricht er zu einer Beschleunigung auf, welche die Fahrleistungen eines 2CV glatt als Temperamentsausbrüche erscheinen lässt. Und damit das auch gleich gesagt ist: Auf der Straße fährt sich der Suzuki ziemlich grässlich. Was nun die Frage aufwerfen dürfte, warum wir überhaupt von diesem Auto berichten, wenn es doch so schrecklich ist. Ist es gar nicht. Ganz im Gegenteil, der SJ ist wunderbar. Auf seine Art. Er verweigert sich Ansprüchen an Komfort oder Dynamik – allein bei dem Gedanken daran verhärten die rumpeligen Blattfedern. Schon mit Hinterradantrieb und seiner schwergängigen, etwas ziellosen Lenkung ist er bei allem, was einer Kurve ähnelt, etwas unbeholfen. Bei aktiviertem Allradantrieb steigert sich die Kurvenunwilligkeit in Störrischkeit. Besser der Empfehlung nachkommen und 4WD nur auf rutschigem Untergrund einlegen.

Der SJ liebt das Gelände

Der SJ braucht das Gelände, auf der Straße fährt er sich ziemlich gräßlich.

©H. Neu

Die Suche danach lohnt: Schmierige Waldstrecken, frostige Wiesen, Kieswege oder Strandparkplätze bringen das Beste im SJ hervor. Mit kurzem Radstand und großen Rädern schottert er durchs Gelände, kraxelt auf Hügel, planscht durchs Wasser, dass ihm die Plörre bis auf die Sitze spritzt. Der Reiz an seinem Wesen erschließt sich dabei wahrscheinlich weniger Frappuccino schlürfenden Lifestylern, die Trend-Sneakers tragen. Menschen, die mehrere Paar Gummistiefel besitzen, sie dagegen verstehen den SJ. Er erweist sich nebenbei als günstiges und stürmisches Cabrio. Mit 50 Sachen über Feld, Wald und Wiesen, und der Wind struwwelt böiger durch die kastige Kabine als bei vielen neuen Blechdachcabrios (die wird es wohl bald mit der Option "zugelötet" geben, bei Mercedes unter dem Namen "Variodach mit aktivem Permanent-Airstopp"). Weil er nie mehr sein wollte als ein fröhliches, unvollkommenes und luftiges Klettertalent, hoppelt der Suzuki SJ 410 derweil munter weiter. Ganz mit sich und der Welt in Frieden.

Historie

1965 begründet die Hope Motor Company die Dynastie der kleinen japanischen Geländewagen. Sie entwickelt bis 1967 den HopeStar ON 360. 1968 kauft Suzuki die Rechte an dem Wagen und bringt 1970 den LJ 10 auf den Markt. Der drei Meter kurze Allradler ähnelt dem LJ 80 schon sehr, ihn treibt ein luftgekühlter 360-Kubik-Zweizylinder-Zweitakter an. 1972 folgt mit dem wassergekühlten LJ 20 die nächste Entwicklungsstufe. Ein 550 ccm kleiner Dreizylinder motorisiert den LJ 50 von 1976. 1977: SJ 20 mit Vierzylinder-Viertakter. 1978 startet der LJ 80, ab 1980 gibt es ihn in Deutschland. Auf der IAA 1981 präsentiert Suzuki dann den größeren SJ 410, der stärkere und etwas besser ausgestattete SJ 413 (1,3 Liter Hubraum, 64 PS) startet 1985. Drei Jahre später ersetzt der Samurai beide Modelle, gleichzeitig erweitert Suzuki mit dem Vitara die Palette um ein größeres Modell. Erst 2000 endet der offizielle Import des Samurai nach Deutschland, gebaut wird er aber noch bis 2004. Da ist sein Nachfolger, der Jimny, schon sechs Jahre auf dem Markt; inzwischen gibt es ihn hier nur noch als geschlossene Version.

Technische Daten

Der Einliter-Vierzylinder verbindet mangelnde Laufkultur mit Dreh-Unlust.

©H. Neu

Suzuki SJ 410 Cabrio: Reihenvierzylinder, vorn längs • eine oben liegende Nockenwelle, Zahnriemen, zwei Ventile pro Zylinder, ein Keihin-Vergaser • Hubraum 963 ccm • Leistung 33 kW (45 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 74 Nm bei 3250/min • Viergang-Schaltgetriebe • Hinterradantrieb, zuschaltbarer Allradantrieb • vorn und hinten Starrachsen mit Längs- Blattfedern und Teleskopstoßdämpfern, Trommelbremsen vorn und hinten • Reifen 195/SR 15 • Radstand 2030 mm • L/B/H 3430/1460/1830 • Leergewicht 870 kg • Tankinhalt 40 Liter • Spitze 107 km/h • Neupreis 1985: 14.500 Mark.

Plus/Minus

Rost, Korrosion, braune Pest – suchen Sie sich einen Begriff aus. Schwer vorstellbar, wie viel Rost sich auf fünf Quadratmeter Grundfläche ausbreiten kann, vom Schweller bis zum Kotflügel. Er knabbert sich ins Bodenblech und in den Rahmen, vom Bug bis zum Heckabschluss. Allradantrieb und Untersetzungsgetriebe leiden unter Offroad- Einsätzen, beim 410 schwächeln die vier Trommelbremsen. Bei allen Modellen auf Lenkspiel, Radbremszylinder und Fahrwerkverschleiß achten. Das gilt gerade für Modelle mit Breitreifen aus dem Wühltisch-Zubehör. Dem Ärger, den ein schlechter SJ verursacht, steht enormer Fahrspaß entgegen. Trotz des robusten Dachstuhls umpustet er seine Passagiere wie ein richtiges Cabrio. Dazu zählt der leichte SJ mit seinem einfachen, aber wirksamen Allradantrieb zu den größten Kletterern.

Ersatzteile

Hier bleibt das Drama aus, schon wegen der langen Bauzeit. Natürlich haben es Samurai-Besitzer leichter als SJ-410-Fans. Im Prinzip findet sich aber noch alles. Neben Teilen bieten freie Händler eine kaum überschaubare Auswahl an Zubehör an, Umbauten zum Trial-Wettbewerbsauto sind da fast das Harmloseste. Erst ab 1990 hatte der Suzuki einen G-Kat, ein Umrüstkit auf Euro 2 gibt es nicht. Mitunter finden sich aber grau importierte Modelle der Baujahre 2001 bis 2004: Die treibt der nach Euro 3 reine Motor aus dem Jimny an.

Marktlage

Ob 410, 413 oder Samurai, es macht bei den Preisen kaum einen Unterschied. Allein der Zustand entscheidet. Mittlerweile sind gute Varianten selten geworden, wobei „gut“ nicht ungeschweißt bedeutet. Wer sich keine Restaurierung ans Bein hängen will, sollte Internet-Offerten unter 1500 Euro gleich wegklicken. Mit überschaubarem Aufwand erhaltbare Modelle starten bei 2500 Euro, problemlose selten unter 5000. Noch ein Tipp für Sparer: Die weniger beliebte geschlossene Variante ist günstiger.

Empfehlung

Das größte Problem besteht darin, einen guten SJ aufzutreiben. Selbst junge Exemplare weisen oft erhebliche Mängel auf. Deshalb Tipp eins: Lassen Sie sich Zeit, bis Sie einen Guten finden. Die zweite Empfehlung ist die älteste des Gebrauchtwagenkaufs: Nehmen Sie das beste Auto, das Sie bezahlen können. Einen schlechten SJ schön zu restaurieren kommt viel zu teuer. Tipp drei: Ignorieren Sie den Zustand des Verdecks, wenn der Rest in Ordnung ist. Sie werden es ohnehin wegreißen – und gegen eines dieser zeitgenössischen und auch nicht undichteren Bikini-Tops eintauschen. Kostet um 110 Euro. 

Autor: Sebastian Renz

Fotos: H. Neu

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.