Kleinwagen der 70er-Jahre im Klassik-Test

Audi 50, Ford Fiesta und Fiat 127 Audi 50, Ford Fiesta und Fiat 127

Kleinwagen der 70er-Jahre im Klassik-Test

— 07.06.2011

Die Klasse von 1976

Revolution auf dem Schulhof: In den 70ern werden Käfer, Ente und Fiat 500 verdrängt von smarten Vollwertautos wie Audi 50, Ford Fiesta und Fiat 127. Wie modern fahren die sich heute noch?

Mitte der 70er-Jahre war auf einmal alles anders. Die 68er waren auf ihrem Marsch durch die Institutionen bis in die Lehrerzimmer der Gymnasien und Gesamtschulen gekommen. Als Referendare lehrten sie uns, dass Diskutieren, Hinterfragen und Dekonstruieren wichtiger ist als Faktenpauken und Stillsitzen. Bevor wir die blonde Junglehrerin anhimmelten und zu ahnen begannen, dass der Begriff Lehrkörper auch eine ganz andere Bedeutung haben konnte, war für uns der Lehrerparkplatz das Interessanteste an der ganzen Schule. Neben den staatstragenden Mercedes Strichachtern und Audi 100 jener Alt-Pädagogen, die sich gern mit Doktortitel und Nachnamen ansprechen ließen, parkten immer mehr bunte, kantige Kleinwagen: Fiat 127, Autobianchi 112, Renault 5, Audi 50, ein wenig später VW Polo und Ford Fiesta.
Kleinwagen der 70er
Audi 50 Fiat 127 Ford Fiesta

Auf der Autobahn hat der Ford Fiesta die Nase vorn, Audi 50 und Fiat 127 folgen dicht auf.

Sie waren klein (3,50 Meter), leicht (unter 800 Kilo) und nicht zu üppig motorisiert (um die 50 PS), doch mit ihnen begann eine neue Ära: die der Superminis. So heißen bis heute im englischen Sprachgebrauch moderne, vollwertige Kleinwagen. Das war nämlich das neue an der Klasse von 1976: Sie waren nicht niedlich wie ein Austin Mini, nicht existenzialistisch wie eine Ente oder spielzeughaft wie ein Fiat 500. Nur die bunten Farben retteten sie vor allzu viel Ernsthaftigkeit, denn sie wollten nichts weiter sein als gute, intelligente Autos. Nur kleiner. Audi 50, Fiat 127 und Ford Fiesta zeigen heute, wie groß die Kleinen vor 35 Jahren waren. Klar, werden Sie sagen, der Audi gewinnt. Weil er ein Audi ist. Nein, er liegt am Ende nach Punkten vorn, weil er das insgesamt ausgewogenste Auto des Trios ist. Kaum Schwächen, doch auch kaum herausragende Stärken. Der Ford landet nur deshalb knapp dahinter, weil seine Federung nicht so gut und der Motor nicht ganz so laufruhig ist. Der Fiat 127 schließlich hat als ältestes, kleinstes und schwächstes Auto keine Chance gegen die beiden Deutschen.

Autos der 70er: die Deutschen

Drei zum liebhaben: der harmonische Audi, der ernsthafte Ford und der lustige Fiat.

Aber der kleine Italiener ist am Schluss Sieger der Herzen. Hinterm Fiat-Lenkrad ist immer Urlaub am Gardasee, und wenn du die Augen schließt, riechst du ein wenig Gelato und Caffè. Er dröhnt beim Beschleunigen wie ein Hubschrauber und fühlt sich doppelt so schnell an, wie er ist. Dem Ford Fiesta ist so viel Drama und Spektakel fremd. Trotz des Italo-Designs merkt man ihm an, dass seine Entwickler in Köln-Niehl und Lommel saßen. Wahrscheinlich hätten sie gern einen moderneren Motor eingebaut und das Fahrwerk feiner abgestimmt. Der 50 schließlich erinnert an die Zeit, als Audi noch nicht so richtig premium war. Vor allem innen scheint vieles aus Pappdeckeln geschnitten und gefalzt. Die Technik ist dagegen top: niedrigster Verbrauch, beste Bremsen, leisester Motor. Jeder der drei könnte problemlos als stilvoller Alltagsklassiker für die Stadt dienen. Allein, sie sind kaum zu finden. Es ist einfacher, einen Porsche 911 T von 1973 oder eine Pagode von 1968 aufzutreiben als einen Audi 50, Fiesta I oder Fiat 127. Welchen davon ich am liebsten nähme? Den Fiat fürs Herz, den Audi für die Creme 21 und den Ford für den Alltag.
Die Punktewertung Audi 50 Fiat 127 Ford Fiesta
Spaßfaktor
Temperament 5 4 6
Sound 4 6 3
Handling 8 7 6
Zwischenergebnis 17 17 15
Kuschelfaktor
Sitze 5 3 6
Federung 8 6 6
Platzangebot/Variabilität 7 6 8
Zwischenergebnis 20 15 20
Neidfaktor
Qualität 7 7 8
Design 6 7 7
Image 6 4 5
Zwischenergebnis 19 18 20
Gesamtergebnis 56 50 55
Autor:

Heinrich Lingner

Fazit

Nicht überraschend, dass der Audi 50 nach Punkten am besten abschneidet. Dabei hat er in keiner Disziplin wirk­lich herausragende Stärken, enttäuscht aber auch in kaum einem Punkt. Der Ford Fiesta ist das beste Alltagsauto des Trios, der Fiat 127 das liebenswerteste. Wenn da nur nicht die grottigen Bremsen wären.

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