Knuffige Kleintransporter der Fünfziger

— 07.05.2013

Kisten, Kästen, Kulleraugen

Die Kleintransporter der Wirtschaftswunderjahre waren eigentlich ganz nüchtern und pragmatisch konzipierte Nutzfahrzeuge. Sie sollten Besatzung und Ladung von A nach B bringen. "Niedlich" stand damals nicht im Lastenheft. Trotzdem finden wir sie heute süß. Warum bloß?



Noch eine Kiste aus einer anderen Welt: Lloyd Transporter LT 600.

Wenn Kleinwagen von heute drollig aussehen, rundlich-knuddelig wie ein wohlgenährtes Baby wirken und aus großen Augen wie ein Hündchen treuherzig dreinblicken, ist das eiskalte Berechnung. Die Designer spielen mit einem psychologischen Effekt namens Kindchenschema. Der Kleinkind-Appeal löst Freude, Sympathie und Beschützerinstinkt aus, worauf insbesondere junge Leute das süße Autochen ins Herz schließen – und kaufen. Auch die meisten kleinen Nutzfahrzeuge der Nachkriegsjahre finden wir heute putzig. Klar, auch sie haben lustige Formen und glotzen aus überdimensionalen Scheinwerfer-Augen. Nur war das damals nicht so gemeint. Die Transporter von damals waren nicht die Kuschel- sondern die Nutztiere ihrer stolzen Besitzer. Handwerker oder Einzelhändler, die sich schon zu Beginn der Wiederaufbaujahre um 1950 einen DKW Schnellaster (ja, damals noch mit zwei L) oder Lloyd LT leisten konnten, waren angesehen und fein raus. Ihr rollender Kasten diente unter der Woche treu als Arbeitstier und brachte Sonntags die Familie ins Grüne – wer hatte sonst schon zu dieser Zeit ein Auto!?

Fünf Kleinlaster der Fünfziger im Vergleichstest

Transportiert mit treuem Hundeblick: der DKW Schnellaster

Ein weiterer Charme-Faktor vieler Lasterchen von einst ist ihr oft völlig absurdes Gesamtkonzept. Zum Beispiel Dreirad-Fahrzeuge wie der Tempo Hanseat – kippt der nicht um? Nein. Wie fährt sich denn so ein Ding? Furchtbar, aber doch besser als zu Fuß gegangen. Oder aber die Form stimmt, der Wagen ist aber unglaublich klein: Der Goggomobil Transporter gehört dazu. Er sieht aus wie ein ernsthafter Lieferwagen, der in der Kochwäsche auf ein Drittel seiner normalen Maße geschrumpft ist. Heute bietet solch ein Winzling den Charme des Unbekannten, ja Absurden. Vor sechzig Jahren dachten sich Passanten bei seinem Anblick entweder gar nichts, oder es durchzuckte sie der Gedanke: "Uii, jetzt kann sich die Metzgerei Milz auch schon einen Lastwagen leisten. Nobel, nobel. Es geht voran in der Republik. Wann mag es wohl bei uns zum Lloyd 300 reichen?" Absurd erscheint heute auch die Motorisierung. Der DKW Schnellaster (Bild rechts) hatte anfangs 20, später bis zu 32 PS, die sich mit immerhin 800 Kilo Nutzlast abquälten. Damit lag er damals leistungsmäßig im Mittelfeld und schrammte im beladenen Zustand schon in der Stadt ständig an der Höchstgeschwindigkeit von knapp 60 km/h. Schnell ist eben relativ. Die schönsten und knuffigsten Transporter der fünfziger Jahre finden Sie oben in der Bildergalerie!

Autor: Stefan Roßbach

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