DDR Flüchtling sammelt Ost-Autos

Kollektion von DDR-Fahrzeugen

— 18.11.2016

Der Sammler der kuriosen Ost-Autos

Ein einstiger DDR-Flüchtling hat sich auf das Sammeln von Ost-Autos verlegt, die Autos der einstigen Unterdrücker. In seinem Fuhrpark: ein Armee-Lada und ein Honecker-Citroën.

Mit solch einem Wartburg 353 flüchtete Rolf Mahlke über die Grenze. Allerdings in kirschrot.

Während der designierte US-Präsdident Donald Trump die Grenze zum benachbarten Mexiko abschotten will, hat Rolf Mahlke so seine Erfahrungen mit Grenzzäunen. Er hat einen Teil seines Lebens in Sichtweite der DDR-Grenzschutzanlagen im Örtchen Hanum verbracht. Das hat sicher geprägt, denn der Arzt hat sich aufs Sammeln bereifter Ost-Kuriositäten verlegt. Dazu gehört ein Lada 2107. Der heute oliv­grüne Ordon­nanzwagen der Roten Armee mit Sowjetstern auf der Tür wurde 1985 in Russland rustikal zusammengebaut, seine Spaltmaße ähneln denen der Karpaten.

Bis zum Mauerfall am 9. November 1989 war Mahl­kes Heimatdorf Hanum auf drei Seiten von DDR-Grenz­sperranlagen umgeben, weil es wie eine kleine Landzunge nach Niedersachsen hineinragte. "Ich brauchte damals einen Passierschein, wenn ich von meinem Studienort Rostock die Eltern zu Hause in Hanum besuchen wollte“, sagt Mahlke. "Die Hanumer waren nicht nur eingesperrt, sie waren auch ausgesperrt vom Rest der DDR.“ Das war auf Dauer unerträglich, und so flüchteten Rolf Mahlke und seine Frau Marion 1989 über Prag in den Westen. Das Fluchtauto war ihr kirsch­roter Wartburg 353, den sich in der tschechischen Hauptstadt stehen lassen mussten. Seit 1990 leben sie im ehemaligen Goldenen Westen – zehn Minuten von Hanum entfernt.

Die Staatskarosse von Honecker

Erich Honeckers Fuhrpark umfasste u.a. einen Citroën CX. Sein Modell war noch speziell konfiguriert.

Warum er Ost-Autos sammelt? "Das ist keine Ostalgie“, be­harrt Mahlke, "sondern meine bis heute andauernde Rache am System: Ich eigne mir die einstigen motorisierten Insig­nien kommunistischer und sozialistischer Macht an und reise damit, wohin ich will!“ Deshalb parken in Mahlkes Garage unter anderem auch ein Volvo 264 TE aus Politbüro-Beständen sowie ein verlängerter Citroën CX Prestige aus der Flotte des ehemaligen Staats­ratsvorsitzenden Erich Hone­cker. Dem Kauf des Volvo, Mahlkes erstem Ost-Oldie, ging so etwas wie ein Erweckungs­erlebnis voraus. Noch zu DDR-Zeiten: "In Rostock bog mal so ein 264 TE vor mir in Richtung Stasi-Knast ab. Da habe ich mir geschworen: Eines Tages hast du auch so einen Wagen. Und mit dem fährst du nicht ins Gefängnis, sondern in den Urlaub!"

Jahrestag des Mauerfalls: Die Autos der DDR

Ein taufrischer Lada 21073

Lada 2106: Im Nachhinein von zivil auf authentisch Volkspolizei umgebaut. Ein Hingucker.

Schon vor 27 Jahren erkannte Mahlke: "Hier kannst du nichts werden, hier kommst du nicht voran! Keine Eigeninitiative, nur Mitlaufen, Anpassung, Wut und Mangel.“ Am Ende stand die Flucht in den Westen – und der Triumph über das System. Deshalb also dieser Lada– oder besser gesagt: diese Lada, denn Mahlke hat gleich mehrere gebunkert. Einen taufrischen Lada 21073, mit original 4112 Ki­lometern auf dem Tacho. Und einen Streifenwagen der Volks­polizei, inklusive Lichtanlage auf dem Dach. Die Lada-Manie hat aber noch einen weiteren Grund: "Musste ich haben. Weil ich zu DDR-Zeiten nur den Lada nicht geschafft habe", grinst Mahlke.

Gebrauchtwagensuche: Trabant

Russischer Viertürer mit italienischen Fiat-Wurzeln

Der Lada 2107 passte gut zum Arbeiterstaat. Technisch überschaubar, anspruchslos und treu.

Im Lauf der Zeit hat Mahlke dann tatsächlich die Symbole einstiger Staatsmacht gekapert. Darunter ist auch der braun­grüne Nova der Sowjetarmee, den er jetzt vor das Grenzmu­seum Zicherie-Böckwitz stellt. Es besteht aus den origina­len ehemaligen DDR-Grenz­anlagen, die hier auf rund zweihundert Meter Privatgrund komplett erhalten wurden. "Ursprünglich lief der Lada bei der GSSD, Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. An die wurde er in einer Serienfarbe ausgeliefert. Den schlammgrünen Armee-Anstrich erhielt der Wagen dann in Handarbeit bei der Truppe, wo ihn irgendein Gefreiter überpinseln musste. Das war allgemein so üblich“, erinnert Mahlke. Und wirklich ist der russische Vier­türer mit italienischen Fiat-Wurzeln nur von außen dick übergerollt. Im Innenbereich zeigt sich beiger Originallack.

DDR-Ikone Trabi mit Elektroantrieb

E-Trabi E-Trabi E-Trabi

Automobile Zeitzeugen

Grenz-Erfahrung: Der alte Kolonnenweg ist noch da. Die Bilder von damals erscheinen wieder real.

Jetzt rumpelt der Lada auf dem ehemaligen Kolonnenweg der Grenze entlang, parallel zum bis heute penibel gehark­ten, mehrere Meter breiten Sandstreifen. Das sollte Spuren von Grenzverletzern sichtbar machen – wenn es diesen denn gelungen war, Metallzaun, Signaldrähte, Mi­nenfelder und Kfz-Sperrgraben zu überwinden und sich den Blicken aus dem ebenfalls er­haltenen Wachtturm zu ent­ziehen. In dessen Schatten ist Mahlke aufgewachsen, buch­stäblich, denn sein Kindergar­ten lag genau gegenüber der Mauer. Und so hat er mit anderen einen Oldtimer-Verein gegrün­det, den "Fuhrpark Ost-West e.V." Die Erinnerungen an die DDR sind fast drei Jahrzehnte nach Mauerfall verblasst. Nur die automobilen Zeitzeugen sind noch gut in Schuss.

Der Sammler der kuriosen Ost-Autos


Autor: Knut Simon

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