Lada Niva

Lada Niva: Gebrauchtwagen

— 25.03.2011

Nur gut, wenn er nicht im Gelände war

AUTO BILD Archiv-Artikel 21/1987: Als Neuwagen sind Geländeautos nach wie vor in Mode. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt aber lassen sie sich immer schwerer verkaufen. Besonders der Lada Niva.

Noch nie war der Zeitpunkt so günstig, einen Geländewa­gen aus Zweit- oder Dritthand zu kaufen. Das Angebot ist groß, die Nachfrage klein. Be­sonders hart betroffen sind Verkäufer von älteren Lada‑Niva-Modellen. Selbst gut erhaltene Exemplare lassen sich derzeit nur unter Listenpreis an den Mann bringen. Doch aufgepasst: Wer einen gebrauch­ten Geländewagen kauft, kann nicht vorsichtig genug sein. Denn in der Regel begnügen sich Besitzer dieser Fahrzeu­ge nicht allein damit, dass im Prospekt die Geländetauglichkeit ihres Fahrzeugs be­schrieben steht. Einige von ihnen pro­bieren den Allradantrieb in einer nahe gelegenen Kiesgrube aus.

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Und weil's so viel Spaß macht und man nicht genug davon bekommen kann, wird's so oft wie möglich wiederholt – erst ganz behut­sam und zu guter Letzt mit allen vier Rädern in der Luft. Dem Lada Niva bekommen solche Freiflüge selten gut. Nur ein einziger Gewaltmarsch über Stock und Stein kann dem Russen so nachhaltig zuset­zen, dass hinterher der Defektteufel er­barmungslos zuschlägt. Schauen Sie also auf jeden Fall unter den Wagen, wenn Sie sich für einen gebrauchten Niva interessieren. Zeigen sich dort nur die geringsten Anzeichen von Bodenbe­rührungen an Achsen, Motorölwanne, Differentialgetrieben oder am Boden­blech, dann überlegen Sie sich den Kauf lieber zweimal.

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Im Zweifelsfall ist es ratsam, die Finger von einem gelände­erprobten Exemplar zu lassen. Auch dann, wenn es oberhalb des Bodenblechs tadellos aussieht. Als Gebrauchtwagen-Interessent sollte man sich beim Lada Niva grundsätzlich vor ungepflegten Exemplaren in acht nehmen. Zeigt sich hier und da bereits der erste Rostansatz, dann dauert es in der Regel nicht mehr lange, bis sogar tragende Teile faustgroße Löcher haben. Gemessen am westlichen Standard, sind Korrosionsschutz-Vorsorgemaßnahmen in Russland weitgehend unbekannt. Umso wichtiger ist es für den Niva-Fahrer, sein Fahrzeug frühestmöglich zu konservieren.

Feuchbiotop im Fußraum

Lassen Sie sich also von dem Verkäufer zeigen, was er gegen die rote Blechpest unternommen hat. Anderenfalls dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihnen der Wagen im Alter von vier bis fünf Jahren buchstäblich unter dem Po wegrostet. Lada-Karosserien sind nicht nur stark rostgefährdet, sie klappern auch gerne und neigen zur Undichtigkeit. Klei­nere Pfützen im Fußraum nach Regen­fahrten treten also genauso häufig auf wie rappelnde Türen. Eine weitere Schwäche des Russen zeigt sich bei Dunkelheit. Niva-Fahrer stehen mit der Elektrik ihres Gefährts auf Kriegsfuß, bis sie die anfällige Lada-Technik gegen solche aus den Bosch-Regalen ausge­tauscht haben.

Komfort wie ein russischer Panzer

Eine gravierende Niva-Schwachstelle haben die russischen Techniker selbst beseitigt. Seit Anfang 1982 kommen verstärkte Differentialgetriebe zum Ein­satz, die jetzt wenigstens dem gemäßig­ten Geländebetrieb standhalten. Geblie­ben ist jedoch bei den Vorderachsen der frühzeitige Verschleiß der Antriebsge­lenke und der Spurstangenköpfe. Ach­ten Sie bei der Probefahrt auf unzulässig großes Spiel. Wobei Sie nicht erschrec­ken sollten, wenn sich das Auto nur mit großer Kraft lenken lässt. Auch das knüp­pelharte Fahrwerk ist normal. Mit defek­ten Stoßdämpfern haben die Schläge beim Durchfahren von Straßenuneben­heiten jedenfalls nichts zu tun. Überhaupt: Einen gebrauchten Lada Niva sollten nur jene Käufer in Betracht ziehen, die bereit sind, auf Fahrkomfort zu verzichten und die mit den bauartbe­dingten Schwächen des Russen leben können. Weitere Voraussetzung ist, dass Sie eine Lada-Vertretung in Ihrer Nähe haben, es sei denn, Sie können sich in der Not selbst helfen.
Gesamturteil: bedingt empfehlenswert

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