Lamborghini Countach: Der Urahn
Ein Tag im Grünen

Er ist die 001, der Urahn aller Countach: Mit ihm begann die Serienfertigung. Lange galt er als verschollen, dann stand er im Museum. Jetzt ist er zurück auf der Straße.
Bild: PH Wolfango
Der Blick ist nur so zu verstehen: Der Mann ist glücklich. Valentino Balboni steht in der Hitze dieses Julitages in Sant'Agata Bolognese und streichelt den Grünen mit seinen Augen. Vielleicht würde er ihn sogar küssen, wenn sie allein wären. Es ist eine lange, erfüllte Beziehung. Dieser grüne Keil ist seine Liebe. Wild, ungestüm und doch ein wenig unbeholfen steht der Countach vor ihm, kantige 107 Zentimeter flach. Sein Dach endet auf Gürtelhöhe. Balboni fädelt sich hinters Steuer, er weiß, wie das schnell klappt, ohne anzuecken. Und ohne peinlich dabei auszusehen. Viele Jüngere schaffen das nicht. Balboni schon, obwohl er 62 ist. Er ist das Testfahrer-Gesicht von Lamborghini. Vor zwei Jahren haben sie ihm sogar eine eigene Sonderedition des aktuellen Gallardo gewidmet, mit Hinterradantrieb. Aufrichtige alte Schule also und ein Kontrast zum heutigen Audi-Allrad-Ambiente.
Neun schräge Fakten zu Lamborghini
Autos der Sünde: Lustkraftwagen

Wild, extrem und ein bisschen böse tritt der Countach an.
Bild: PH Wolfango
Spritvernichter: Die durstigsten Autos aller Zeiten

Der Countach ist keine klassische Schönheit, er ist anders.
Bild: PH Wolfango
Doch seine Mannschaft hielt er zusammen. Manchmal war Mitternacht vorbei, bevor Kunden ihr repariertes Auto in Empfang nehmen konnten. Ferruccio Lamborghini lauschte mit den Mechanikern am Werkstor, wie sein Sportwagen in die offene Weite der Po-Ebene davonstob. Dann zählte der Chef gern laut mit: "Erster Gang. Zweiter. Dritter", nun mit etwas Pause, "Vierter. Fünfter – so, der hält. Jetzt können wir nach Hause gehen." Typisch Lamborghini war das, sagt Balboni: "Nachts am Straßenrand stehen und zuhören, wie seine Kunden die Gänge hochschalten." Und er liebte das Extreme. Schon beim Miura war das so. Beim Countach steigerte er das Risiko nochmals. Allein die Türen, die nicht einfach nach außen öffneten, sondern spektakulär nach oben schwenkten. Schon in den frühen 70ern war die Zulassung derart exotischer Lösungen eine Hürde. Für Lamborghini wurden sie zum Markenzeichen. Großen Anteil an Lamborghinis Erfolg hatte Nuccio Bertone, der Karossier aus Turin. Ferruccio Lamborghini stand gut mit ihm. "Das waren zwei Genies, die sich verstanden", sagt Valentino Balboni, "und zugleich zwei einfache Menschen." Lamborghini hatte gute Ideen, Bertone viel Gespür für deren Umsetzung: "Sie arbeiteten fantastisch gut zusammen."
Zu viele Ecken, zu radikal

Die Sicht nach hinten ist miserabel. Da hilft nur ein Blick aus der Tür.
Bild: PH Wolfango
Der heiße Riese: Lamborghini LM 002

Sexy, doch nicht neu war der V12-Leichtmetall-Motor, den Lamborghini für den Countach LP400 vorsah.
Bild: PH Wolfango
Service-Links