Lincoln Continental Mark IV

Lincoln Continental Mark IV Lincoln Continental Mark IV Lincoln Continental Mark IV

Lincoln Continental Mark IV Blue Diamond Edition

— 21.10.2013

Ein Lincoln für Kapitäne

Der Lincoln ist ein Auto zur Vermeidung des Fahrgefühls. Wer vom landläufigen Fahren nichts mehr spüren mag, cruist im Continental Mark IV genau richtig.

Kapitän an Steuermann: "Ruder hart backbord!" Steuermann an Maschinenraum: "Halbe Kraft voraus." Dann heißt es abwarten, bis das Schiff auf Linkskurs einschwenkt und es die Maschine mit Beschleunigung versorgt. Einen Lincoln Continental Mark IV fahren ist wie auf der Brücke stehen, den Blick nach vorn an den Horizont des Lebens geheftet, der nicht mehr fern ist, denn Lincoln-Lenker sind in den USA meist nicht mehr die Jüngsten. Statt Continental wäre der Name Oceanliner passender. Sein Bremsweg (knapp 60 Meter aus Tempo 100) hat etwas Maritimes, im Wedelparcours stampft er wie in kabbeliger See, dazu geht die Lenkung so indirekt wie bei der "United States", weshalb sie auch ordentlich früh bewegt werden muss, sonst fliegen die Pylonen. Überhaupt mussten wir vorsichtig antesten, ob der Riese (Länge 5,80 m) überhaupt durchpasst mit seinem vorragenden Bug.

Wedeln kann man das nicht nennen, eher schwimmen. Die Ersatzrad-Kontur am Heck ist übrigens Schwindel.

©S. Krieger

Dafür hat der Continental Mark IV sechs Sitze, nicht schlecht für ein Coupé. Auf guter Straße federt der Lincoln wie ein fliegender Teppich, auf welliger Bahn wie eine Wippe, die sich gar nicht mehr einkriegen will. Unterdessen flüstert und summt der V8 vor sich hin, untermalt von dunklem Brabbeln. Dass er aus 7,5 Litern nur 205 PS holt, sehen wir ihm nach, weil er es zum Glück nie schafft, die Besatzung mit rabiater Beschleunigung zu erschrecken. Andererseits finden wir den Testverbrauch von 22 Litern reichlich unbescheiden. Dafür bewegt er sich so sanft, so weich, so milde und ist dabei so zuckersüß eingerichtet – er überträgt das Prinzip des Marshmallows aufs Auto. Was gab es 1976 alles an Bord? Klimaautomatik, Tempomat mit Tasten im Lenkrad, Abbiegelicht, automatisches Abblenden, elektrische Sitzverstellung. Beeindruckend. Manches davon verkaufen uns Neuwagenhersteller noch heute als den letzten Schrei. Der Lincoln – er wurde nie nach Deutschland exportiert – ist der Vornehmere im Vergleich mit dem Cadillac Eldorado hier, auch weil seine Karosserie befestigt ist wie eine Burg, mit Zinnen, Ecken und Kanten und einem kleinen dorischen Tempel am Bug, nach Rolls-Royce-Muster. Wer sagt denn, nur die Chinesen würden kopieren? Es fehlt bloß noch der Wassergraben drumherum. Kann man beim Lincoln von Stil sprechen? Durchaus, denn Stil muss ja nicht schön sein. Und es gab ja auch mal eine Zeit, als wir nichts dabei fanden, Schlaghosen zu tragen und im Gesicht Koteletten, die wie Schrubberbürsten aussahen.

Tage des Donners: Muscle Cars

Fahrzeugdaten Lincoln Continental Mark IV
Motor V8, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 16/1
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 7536 ccm
Bohrung x Hub 110,74 x 97,79 mm
kW (PS) bei U/min 151 (205)/3800
Nm bei U/min 478/1600
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
Getriebe Dreistufenautomatik
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 235/75 R 15 S
Verbrauch (Werksangabe) 24,0 Liter/100 km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 99 Liter/Normal
zulässiges Gesamtgewicht 2972 kg
Vorbeifahrgeräusch 75 dB (A)
Abgas CO2 (berechnet nach Werksverbrauch) 569 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0-50/-80 km/h 3,6/6,9 s
0–100/-130 km/h 9,8/15,9 s
Zwischenspurt 60–100/80–120 km/h 5,3/6,9 s
Bremsweg aus 100 km/h 58,9 m
Leergewicht/Zuladung 2370/602 kg
Wendekreis 14,9 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 62/64 dB (A)
Testverbrauch - CO2 22,0 Liter – 521 g/km
Reichweite 450 km
Kosten
Steuern pro Jahr 191 Euro
Versicherung (HPF/100 %) 129 Euro
Werkstattintervalle 10.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 250/550 Euro
Zeitwert (Zustand 2, Stand 9/2013) 11.400 Euro
Autor:

Bernhard Schmidt

Fazit

Liebhaber amerikanischer Straßenkreuzer schnalzen mit der Zunge: Einen prächtigeren Barockbau hat nur noch Stutz hingekriegt. Der Lincoln ist ein Auto zur Vermeidung des Fahrgefühls. Erstaunlich: Er wurde im Vergleich Zweiter bei der Beschleunigung. Dennoch reicht es für ihn nur zum vierten Platz in der Sachwertung. Aber wer kann, wer will bei ihm schon sachlich bleiben?

Fotos: S. Krieger

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.