Lotus Omega (1989): Fahrbericht

Lotus Omega (1989): Fahrbericht

— 09.05.2017

Opels Wolf im Schafspelz

Der Lotus Omega von 1989 sieht aus wie getunt, ist aber der bislang stärkste Serien-Opel. AUTO BILD ist das 377-PS-Biest gefahren!

Zugegeben, optisch könnte man sich aufregendere Autos vorstellen als einen Opel Omega A. Aber dieses Exemplar in Tiefschwarz ist kein simpler Omega – der Lotus Omega ist mit 377 PS ein Sportmonster! AUTO BILD ist ihn gefahren.

Der bislang stärkste Serien-Opel

Lotus baute den Opel Omega zum Sportwagen mit 377 PS um.

1989 stellten die Rüsselsheimer ein Auto auf die Räder, das in den bisherigen 91 Jahren Automobilbau bei Opel nicht gesehen wurde: ein 377 PS starkes Monster, das es sogar mit hochkarätiger Konkurrenz aufnehmen konnte und nach dem Alpina B10 die zweitschnellste Serienlimousine der Welt war! Sein Name: Lotus Omega. Omega – wie DER Omega? Die brave Limousine, die seinerzeit unauffällig ihren Dienst leistete, aber von Glanz und Glamour weit entfernt war? Genau die. Und daraus wurde der bislang stärkste Serien-Opel. Hilfe holten sich die Rüsselsheimer bei Lotus: Die Briten pumpten den Reihensechszylinder auf 3,6 Liter Hubraum, zwei Garret-Turbolader bringen noch mal Extra-Druck auf die Kessel. Dazu ein überarbeitetes Fahrwerk, fette Bremsen – fertig.

Auch optisch tunte Lotus den Omega

Aus heutiger Sicht wirkt die Optik des Lotus-Opel gewagt: Brave Serien-Optik trifft fette Frontschürze und martialischen Spoiler – sieht schon nach Baumarkt-Tuning aus, fällt aber definitiv auf. Der Innenraum hält alles bereit, was das Luxusherz der frühen 90er begehrte: Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, Ledersessel (sogar beheizt!), Klimaanlage, Kassettenradio samt passendem Aufbewahrungsfach und eine Plakette auf dem Deckel des Handschuhfachs: Dieser Opel war streng auf 907 Exemplare limitiert! Knapp 400 wurden in Deutschland verkauft. Und das zu einem stolzen Preis: 125.000 Mark kostete die Powerlimousine – umgerechnet und inflationsbereinigt sind das fast 100.000 Euro! Wenn der Reihensechszylinder startet, geht ein Brummen durch den Innenraum. Grollend zeigt der Motor, dass es sich hier nicht um einen handelsüblichen Omega handelt. Ein Blick auf den Tacho belegt das: Die Skala reicht bis Tempo 300!

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Wer unvorsichtig mit dem Gaspedal ist, verliert Grip

Den unglaublichen Punch des Motors merkt man besonders, wenn er hoch dreht.

Lässt man die stark gefederte Kupplung kommen, spürt man den weit hinten liegenden Druckpunkt: Bei weit angewinkeltem Knie schieben die 557 Newtonmeter maximales Drehmoment den Opel nach vorn. Und wenn die Straße nass ist, scharren die angetriebenen Hinterräder bei zu viel Gas. Den unglaublichen Punch des Motors merkt man besonders, wenn er hoch dreht: Über 3000 Umdrehungen macht er richtig Spaß, da sprintet die anonsten eher biedere Limousine wie eine Gazelle voran. Das eng geführte Sechsganggetriebe aus der Corvette C4 lässt einen besonders die Übergänge von Gang eins auf zwei und zwei auf drei spüren – man fühlt die Zahnräder rotieren, wenn man den Schaltknauf in der Hand hält. Die Gänge schreien förmlich danach, bis beinahe in den roten Drehzahlbereich ausgefahren zu werden, der lang übersetzte sechste Gang lohnt sich erst ab Geschwindigkeiten jenseits der 150. Kein Wunder, denn das Limit liegt bei 283 km/h. Trotz Servolenkung benötigt der Lotus Omega eine starke Hand – das liegt auch an den 235er Walzen vorn (hinten: 265er), die breit aus der Karosserie herausstehen. Aber ist das Ding auch alltagstauglich? Ist es. Im Gegensatz zu heutigen Autos ist der Omega herrlich übersichtlich, die Federung ist immer noch ausreichend komfortabel. Und wer will, der kann den Omega auch richtig handzahm fahren. Doch das muss man nicht: Kurven nimmt er dynamisch, und wenn es eng wird, springt das ABS ein.

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Lotus Omega kaufen ab 40.000 Euro

Ein echtes Hammer-Auto also, dieser Opel? Leider nicht ganz. Schon während seiner Produktionszeit fiel der Lotus Omega mit einigen Macken auf, Probleme mit dem Getriebe und der Elektronik nervten die Halter. Doch mit entsprechender Pflege lässt sich das in den Griff bekommen. Schwieriger hingegen ist die Ersatzteillage: Etwa 400 Exemplare des Lotus gibt es weltweit noch, einige Teile wie die gerundeten und verbreiterten Radläufe werden nicht mehr hergestellt. Gepflegte Exemplare gibt es teilweise in den Gebrauchtwagenbörsen, Preis: ab rund 40.000 Euro. Wer ein ganz besonderes, brav aussehendes Auto mit viel Wumms will, der fährt mit dem Omega richtig.

Technische Daten:

Lotus Omega (1989) ● Motor: 3,6-Liter-Reihensechszylinder mit Twinturbo ● Hubraum: 3636 ccm ● Leistung: 277 kW (377 PS) ● maximales Drehmoment: 557 Nm ● Getriebe: Sechsgang-Handschalter ● Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 5,4 s ● Höchstgeschwindigkeit: 283 km/h ● Limitiert auf 907 Exemplare ● Neupreis: 125.000 DM.

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