Lotus Seven

Lotus Seven Lotus Seven

Lotus Seven

— 30.04.2009

Der glorreiche Sieben

"Alles oder nichts!", lautete Colin Chapmans Devise. AUTO BILD KLASSIK erzählt die Entstehungsgeschichte des Lotus Seven.

Colin Bruce Chapman war alles andere als ein bürgerlicher Mensch. Er hatte zwar eine Anstellung bei British Aluminium, einen geregelten Tagesablauf mit Akten, Telefonaten und Konferenzen. Aber zum Glück auch einen wohlmeinenden Chef, denn zu besagten Konferenzen erschien Chapman meistens deutlich zu spät – und mit vom Fahrtwind zerzauster Sturmfrisur. Galt es doch, den während der Nachtstunden erreichten Fortschritt seiner neuesten Sportwagenkreation auf dem Weg zur Arbeit einem Praxistest zu unterziehen. Chapman wurde zur Legende – nicht nur bei British Aluminium wegen seiner tropfnassen Anzüge. Keiner, der nicht das Bild des schnauzbärtigen Briten vor Augen hat, wenn er den Namen Lotus hört.

Der erste Lotus entstand im Hinterhofschuppen

Ist er zu hart, bist du zu weich. Der Seven geht ums Eck wie ein Go-Kart.

Nach zunächst einsamen Konstruktions- und Aufbaustunden im Hinterhofschuppen des elterlichen "Railway Hotel" in London und ersten Erfolgen seiner leichten Renner füllte sich Chapmans Kontor alsbald mit weiteren Autobesessenen. Der Schuppen, der als Geschäftsraum der am 1. Januar 1952 gegründeten Lotus Engineering Co. fungierte, war nach Feierabend Schauplatz gehobener Fachsimpeleien. Konstrukteure des in der Nachbarschaft angesiedelten Flugzeugherstellers De Havilland halfen bei den statischen Berechnungen des von Chapman konstruierten leichten und dennoch steifen Gitterrohrrahmens. Chapman war Fuchs genug, unentgeltliche Hilfe wie diese nicht abzulehnen.
Technische Daten Lotus Seven Serie 1
Motor Vierzylinder-Reihenmotor vorn längs
Hubraum 1172 ccm
Leistung 29 KW/40 PS
Getriebe Dreigang-Schaltgetriebe
Antrieb Heckantrieb
Länge/Breite/Höhe 3276 mm/1346 mm/1170 mm
Vorderachse Dreieck-Querlenker unten, Hebelquerlenker mit Stabi oben, Schraubenfedern
Hinterachse Starrachse an Schubstreben geführt, Schraubenfedern
Leergewicht 445 kg
Spitze 140 km/h
0-100 km/h 18,0 s
Verbrauch 10 Liter Super/100 km

Der erste Lotus Seven wog nur 445 Kilogramm

Ebenfalls benachbarte Blechnerbetriebe fertigten die Karosserieteile des Lotus Seven an. Oft war Chapman selbst auch gar nicht anwesend, sondern entwarf an seinem heimischen Zeichenbrett die nächsten Streiche. Im Schuppen des "Railway" war hierfür kein Platz, außerdem hatte Chapman aus einem Desaster gelernt: Mäuse hatten die im Schuppen gelagerten und mühevoll angefertigten Konstruktionszeichnungen fast bis zur Unkenntlichkeit zernagt ... Was schließlich aus Chapmans Plänen und der ehrenamtlichen Hilfe der verschworenen Lotus-Geburtshelfer resultierte, war bahn- und manchmal auch knochenbrechend: Zunächst mit dem unzerstörbaren 1,2-Liter-Motor des behäbigen Ford Prefect ausgestattet, rannte der erste Lotus Seven bis zu 140 km/h Spitze und brauchte nur knapp 18 Sekunden für den Sprint von null auf 100. Gefühlt fehlte die 1 jedoch, denn das Wägelchen wog nur 445 Kilo.
Preise Lotus Seven
Zustand Preis*
1 48.500 Euro
2 37.000 Euro
3 26.000 Euro
4 12.900 Euro
5 5500 Euro
Preis 1957 3000 D-Mark
* Quelle AUTO BILD SONDERHEFT PREISE/Olditax, Stand 4/2009

Autofahren pur

Eine pure Fahrmaschine ohne Blinker, Scheibenwischer, Tankanzeige, Drehzahlmesser. Im sportwagenbegeisterten Großbritannien war es gang und gäbe, sich aus Einzelteilen diverser Hersteller einen Wochenend- und Freizeitrenner zu basteln – Chapman huschte mit dem Seven in diese Marktlücke, indem er den Seven für zunächst 536 Pfund (umgerechnet etwa 1500 Euro) als Bausatz anbot. Zwölf Stunden und keinerlei Vorkenntnisse brauche es, um den Seven zu komplettieren, versprach Chapman. Eine etwas optimistische Einschätzung, wie sich herausstellte. Unvergessen die Anekdote, wie ein Musiker den bestellten Seven auf seinem Dachboden zusammenbaute, um ihn anschließend fluchend wieder zu demontieren – das Wägelchen passte nicht durchs Treppenhaus.
Kurzbewertung Lotus Seven
Stärken Schwächen
Genialer Puls- und Herzfrequenzbeschleuniger alle Seven sind keine Sonderangebote
ersetzt jeden Early Morning Tea Hinterachsdifferential oft verschlissen
fantastische Driftmaschine Gummibuche der Hilfsrahmenaufnahme hält nur 10.000 km (leicht zu ersetzen)

Der Seven lebt noch heute in Form zahlloser Repliken

Noch heute fertigt neben Caterham eine ganze Reihe von Herstellern Nachbauten des Lotus Seven.

Aus der Zubehörliste von 1970: Heizung 17 Pfund, Überrollbügel 15 Pfund, Scheibenwaschanlage 3 Pfund 5 Shilling, Kompressorfanfare 4 Pfund 15 Shilling. Der frisurkillende, brüllende, sprotzende und schüttelnde Alu- bzw. GFK-Kanister erfreut noch heute Herz und Wirbelsäulen seiner Fahrer. Bandscheiben sind vor Fahrtantritt in der Boxengasse abzugeben. Der Rest ist Geschichte und Legende, beides währt bis ins Hier und Jetzt. Während Chapman seit dem 16. Dezember 1982 zumindest offiziell als tot gilt (Gerüchte sagen, der verschuldete Firmengründer hätte sich mit 43 Millionen D-Mark Entwicklungshilfe-Honorar von John DeLorean nach Brasilien abgesetzt), fertigt neben Caterham eine ganze Familie von Herstellern nach wie vor den Seven. Bis zu 220 PS leisten die leichten Spaßmaschinen heute. Beste Erklärung dafür, warum Fahrtwind plus Gasfuß mühelos das Eiweiß aus der Netzhaut des Fahrers extrahieren. Apropos Familie: Ein toller Familienwagen ist so ein Seven allemal. Sie können nämlich morgens gelassen frühstücken und sind abends schneller daheim. Und wichtige Sitzungen verpassen Sie mit einem Seven auch nicht. Vorausgesetzt, Ihre Sekretärin hält einen trockenen Ersatzanzug parat ...

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