Lüttich-Brescia-Lüttich 2008

Rallye Lüttich-Brescia-Lüttich 2008 Rallye Lüttich-Brescia-Lüttich 2008

Lüttich-Brescia-Lüttich 2008

— 15.07.2008

Rallye mit Hindernissen

1958 startete erstmals die Rallye von Lüttich nach Brescia, 50 Jahre später geht es zum zweiten Mal an die Ziellinie. Zeitweilig mit am Start: autobild.de-Redakteur Nikolaus Eickmann im Fiat 500 Abarth.

Maximal 700 Kubikzentimeter Hubraum dürfen die Autos der Rallye-Teilnehmer von Lüttich nach Brescia und zurück haben, maximale Geduld und allerhöchste Toleranz wird deshalb den Fahrern abverlangt. Old- und Youngtimer mit allerkleinster Kubatur neigen nicht zum Kandidaten für den Titel Alpenkönig, mit Pannen ist daher zu rechnen. So weit die Theorie am Schreibtisch, in der Praxis sieht das wesentlich dramatischer aus. Ich habe es selbst erlebt. Im Fiat 500 Abarth, Baujahr 1970, absoluter Topzustand. Am Steuer: Alessandro Fabiani, ein wahrer Cinquecento-Enthusiast. Und mit einer echten Liebe für den launenhaften Zweizylinder gesegnet. Ein überzeugter Italiener mit Schweizer Wohnsitz, 25 Autos in der Garage und als Alltagsbewältiger einen Bentley Continental vor der Tür. Viel wichtiger noch: Alessandro hat ein großes Herz für kleine Autos. Das trifft auch auf Rocco zu, unseren Mechaniker. Gott sei es gedankt.


Lauf, Fiat lauf! Die Dolomiten saugen aus dem Zweizylinder des 500 die allerletzte Kraft.

Man möge sich die Situation vorstellen: Alessandro kurvt im Abarth in Richtung Starnberger See, plötzlich wackelt der Seitenspiegel bedrohlich, kündigt seinen Absprung an. Alessandro fährt an den Straßenrand, öffnet das filigrane Seitenfenster und hält den Spiegel mit der linken Hand kommentarlos in die Luft. Rocco, im neuem Fiat 500 stets dahinter, erkennt unschwer das Problem und macht sich wortlos mit passender Mutter, Sprengring und Gabelschlüssel am Spiegel zu schaffen. 45 Sekunden später geht es weiter. Leider war die Reparatur nicht sehr nachhaltig, Rocco muss nochmal seine Hände beweisen. Und zwar nicht nur am Spiegel, auch der Auspuff verlangt nach Aufmerksamkeit. Zwar ist der Motor komplett neu, doch die starken Vibrationen führen zum Bruch einer Auspuffhalterung.

Bis Cortina d'Ampezzo hält der Fiat 500 Abarth fünfmal ungeplant am Straßenrand. Die Wetterlage an diesem Tag kann unpassender nicht sein, der Regen in den Dolomiten ist selbst für Alpine Verhältnisse durchaus bemerkenswert. Immerhin: Im Vergleich zu den anderen Rallye-Teilnehmern haben wir den Segen eines Service-Rocco. Unsere Konkurrenten müssen entweder selber schrauben oder einen Automobilclub um Abschleppdienste ersuchen. Allen gemeinsam ist eine unglaubliche Gelassenheit ob des Fehlens von Zuverlässigkeit und Perfektion, irgendwie beneidenswert.

Trotz wunderbarer Navigation und der raschen Pannenhilfe spielt Alessandro nicht mehr um den Sieg mit. Wir sammelen nämlich üppigst Strafpunkte, versehentlich, versteht sich. Um das Abfahren der vorgegebenen Strecke nachzuweisen, müssen alle Teilnehmer Fotos ihres Wagens vor bestimmten Punkten und Gebäuden machen. Machen wir, keine Frage. Bloß: Die letzten drei Bilder zeichnet die Speicherkarte der teuren Nikon nicht auf. Man möge es sich vorstellen: Wir glühen mit zahlreichen Pannen durch die Dolomiten, liegen dennoch im Zeitplan und ausgerechnet eine neuwertige Digitalkamera aus Japan wirft den 38 Jahre alten Fiat aus der Wertung der Hoffnungsvollen!

Alessandro nimmt es gelassen. Er sieht eben alles locker. Als regelmäßiger Rallye-Teilnehmer kennt er den Grenzverlauf zwischen Glück und Unglück. Vielleicht nächstes Mal, in seinem Kalender stehen noch einige Events.

Mehr über die Neuauflage der Zwergen-Rallye gibt es in der Bildergalerie. Die Fotos stammen vom immer noch durchnässten Nikolaus Eickmann und Gudrun Muschalla. Wer mag: Am 20. Juli 2008 schlägt der Tross planmäßig wieder in Lüttich auf. Zuschauer sind jederzeit und überall willkommen!

Autor: Nikolaus Eickmann

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