Luxus-Coupés der 80er im Fahrvergleich

— 15.03.2013

Oben bleiben

Wer Ende der 80er-Jahre sechsstellige Summen für ein eher unnützes Auto ausgeben konnte, hatte es geschafft. Mehr als zwei Jahrzehnte später gibt es den Luxus der Vorwende-Ära für ersparbare 20.000 Euro. Doch welcher Viersitzer bietet am meisten fürs Geld?



Der Mann mit der Mütze entscheidet darüber, wer nach oben darf oder unten bleiben muss. Mit entschiedenen Handbewegungen dirigiert er den Autostrom am Verladebahnhof des Sylt-Shuttles in Niebüll. Auf dem Oberdeck des Reisezugs genießen die Autoinsassen einen weiten Blick über Land, Salzwiesen und Watt; unten blickt man gegen Hecken, Weidezäune und Milchvieh. Uns im Jaguar XJ-S winkt der Bemützte nach oben, Mercedes 560 SEC und Porsche 928 S4 folgen. Selbst als gut abgehangene Youngtimer haben die Luxuscoupés der 80er genug von ihrer Autorität bewahrt, um in einem abgebrühten Einweiser eine gewisse Ehrfurcht hervorzurufen. Vielleicht liegt es aber nur daran, dass der XJ-S zuerst zur Rampe rollt.
Luxus-Coupés
Jaguar XJ-S Mercedes 560 SEC Porsche 928 S4

Der Dünenparkplatz auf Sylt ist ein sehr passender Ort für Jaguar XJ-S, Mercedes 560 SEC und Porsche 928 S4 – das war schon vor 25 Jahren ihr Revier.

Auch fast 40 Jahre nach seiner Premiere ist der Auftritt des langen, flachen Jaguar beeindruckend. Er fährt beinahe lautlos mit flüsterndem Zwölfzylinder und schmatzenden 60er-Pneus vor; das tiefe metallicfreie Schwarz seines Lacks unterstreicht die zurückhaltende Noblesse der von Malcolm Sayer gezeichneten Linien. Es folgt der Mercedes 560 SEC, schlicht, technokratisch, aerodynamisch effizient und mit vernehmbar bollerndem Achtzylinder. Die Karosserie ist Bruno Saccos Meisterwerk. Jede Linie stimmt, keine heischenden Lichtkanten, kein Designer-Chichi. Seht her, Mercedes-Designer, ist man versucht zu rufen: So macht man das. Dann poltert der Porsche 928 S4 über die Rampe, die athletische, muskulöse Form noch so frisch und fit, dass der Wagen heute als zweitüriger Panamera in einen Porsche-Showroom passte. Anatole Lapine war eben ein Meister. Doch wie gut sind die drei Luxuscoupés heute, welches bietet am meisten fürs Geld? Reichen acht Zylinder oder sollten es schon zwölf sein?

Ganz schön schräg: Sportliche Coupés der 80er im Klassik-Test

Das überlegene Temperament und die souveränen Fahreigenschaften bringen den agilen Porsche 928 im Testvergleich nach vorn.

Wunderlicherweise erwarten fast alle aus der Testcrew auf dem Weg nach Sylt und zum Testgelände bei Schleswig einen haushohen Sieg des Mercedes 560 SEC. Doch es kommt anders. Der Porsche 928 S4 kann in fast allen Disziplinen überzeugen. Wenn ihm etwas vorzuwerfen ist, dann allenfalls das knappe Platzangebot und die schlechte Übersichtlichkeit. Aber Fahrwerk, Lenkung, Bremsen, Komfort, all das ist so gut, dass der 928 noch heute so frisch und spannend wirkt wie 1990. Da kommt der Mercedes 560 SEC nicht ganz mit. Sein Handling ist behäbiger, der Motor nicht so brillant wie der Porsche-V8, kurz: Er wirkt deutlich betagter als der flache Zuffenhausener, oder sollen wir sagen: gediegener? Dem Jaguar XJ-S haben wir vorher bestenfalls Außenseiter-Chancen eingeräumt. Er begeistert mit dem konkurrenzlos seidigen V12, dem feinen Fahrwerk und der eleganten Form. Was diese Luxuscoupés verbindet? Sie sind Charakterautos aus einer Zeit, in der ein Mercedes ein Mercedes war, ein Porsche ein Porsche und ein Jaguar ein Jaguar. Und: Keiner aus diesem Trio will mehr sein, als er ist. Übertriebene Sportlichkeit, undezentes Auftreten, protziges Gehabe ist diesen Coupés fremd. Es macht sie sympathisch und authentisch. Manches war früher eben doch besser.
Die Punktewertung Jaguar XJ-S Mercedes 560 SEC Porsche 928 S4
Spaßfaktor
Temperament 8 9 10
Sound 8 6 8
Handling 7 6 9
Zwischenergebnis 23 21 27
Kuschelfaktor
Sitze 7 9 8
Federung 9 7 7
Platzangebot/Variabilität 7 8 5
Zwischenergebnis 23 24 20
Neidfaktor
Qualität 8 10 10
Design 9 8 9
Image 9 10 10
Zwischenergebnis 26 28 29
Gesamtergebnis 72 73 76
Autor:

Heinrich Lingner

Fazit

Vermutlich werden Sie jetzt von mir wissen wollen, welches dieser drei Coupés Sie kaufen sollten. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Nehmen Sie das, bei dem Ihr Herz schneller schlägt. Denn großes Potenzial haben alle drei. Der Jaguar XJ-S ist selten, der Mercedes 560 SEC wertbeständig und der Porsche 928 S4 schnell. Billiger wird keiner der drei.

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