Luxusklasse der 70er
— 13.04.2012
Charakter-Coupés im Fahrvergleich
Coupés mit Platz für vier waren in den späten 70ern eine seltene und teure Spielart. Aber Charakter hatten sie, das zeigt die heutige Begegnung mit Mercedes 230 CE, Volvo 262 C und Lancia Gamma Coupé. Fahren sie sich so schön wie sie aussehen?
Coupés von
Volvo,
Mercedes,
Lancia? Heute wäre es ein Vergleich zwischen
C70,
E-Klasse Coupé und Lancia, ja genau, Lancia. Jene Edelmarke, aus der gerade die Luft heraus chryslert. Denken wir also lieber an früher, erfreuen wir uns am zweitürigen
Lancia Gamma, damals in den Siebzigern das schönstes Coupé zwischen Turin, Stuttgart und Göteborg. Es trug ein Sonntagskleid über der Technik der etwas krude gestylten Gamma-Limousine. Das ist doch der Knackpunkt aller Coupés: Wenn schon kleiner und teurer, dann doch mindestens schöner als die Basis! Beim
Volvo 262 C und
Mercedes 230 CE sind wir uns da nicht so sicher. Die Endsiebziger waren geschmacklich unentschlossen.
Nicht Brot mit Butter, sondern Kuchen mit Sahne: Jeder ist auf seine Art zum Anbeißen.
Die Stilisten wussten nicht so recht, ob sie modisch eckig modellieren sollten oder doch sinnvoll abgerundet, weil sich ein Auto schließlich ins Hindernis Luft begibt, das geschmeidig durchdrungen werden will. Volvo war das offensichtlich egal, Hauptsache Kante. Sie bauten das eckigste Coupé zwischen Göteborg, Stuttgart und Turin, und das verwachsenste. Kurzer Hals, aber darunter der bekannte ausladende Körper. Auch der Mercedes 230 CE verleugnet nicht seine Basis, zeigt sich allerdings deutlich rundlicher als Volvo und Lancia. Schöner? Wir haben uns dran gewöhnt. Er ist ein typischer Mercedes, humorlos, aber gut. Reinsetzen und zum Beispiel in Stuttgart Turin anpeilen oder Göteborg? Auch nach 30 Jahren, so scheint’s, sind die paar Kilometer im C 123 ein Klacks. Da können der italienische Schönling und das schwedische Eisen nicht gegenhalten, sagt das Gefühl. Aber sprechen die Fakten auch wirklich das Gleiche? Machen wir uns also auf in die Niederungen der Erbsen, die wir jetzt anfangen zu zählen.
Lancia erhält den Schönheitspreis, Volvo den Sound-Award, Mercedes den Gesamtsieg.
Während der Testrunden mit den drei kurzen Klassikern reift die Erkenntnis: Es muss nicht alles im Leben praktisch sein. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, wozu dann vier Türen und dieser ganze Platz? Hinten sitzt der Hund, der wurschtelt sich schon irgendwie rein. Es muss aber auch, mal ehrlich, nicht jedes Auto sportlich sein – in diesen Coupés hat die früher mal junge Wirbelsäule es zum Glück nicht nötig, sich tief hinabzuschrauben wie in echte Sportwagen. Europas 70er-Jahre-Coupés sind ja zum Entspannen da. Dazu trägt auch die Technik bei: Sie kommt aus der Großserie, jedenfalls bei Volvo und Mercedes, da kann nichts anbrennen. Der Lancia mit der edlen Sonderkarosserie fällt ein bisschen aus dem Rahmen, leider auch auf der nach oben offenen Unzuverlässigkeits-Skala. Daher hängen wir nicht dem behäbigen Volvo-Brikett mit seinem schwülen Zarah-Leander-Sound, sondern dem nichtssagend klingenden, aber sonst vorzüglichen Mercedes den Lorbeerkranz um. Die Erbsensumme bestätigt nach der Addition das Gefühl.
| Die Punktewertung |
Lancia Gamma |
Mercedes 230 CE |
Volvo 262 |
| Spaßfaktor |
| Temperament |
8 |
6 |
8 |
| Sound |
5 |
4 |
8 |
| Handling |
8 |
7 |
4 |
| Zwischenergebnis |
21 |
17 |
20 |
| Kuschelfaktor |
| Sitze |
6 |
9 |
4 |
| Federung |
7 |
8 |
9 |
| Platzangebot/Variabilität |
7 |
8 |
7 |
| Zwischenergebnis |
20 |
25 |
20 |
| Neidfaktor |
| Qualität |
4 |
9 |
7 |
| Design |
9 |
7 |
7 |
| Image |
8 |
7 |
7 |
| Zwischenergebnis |
21 |
23 |
21 |
| Gesamtergebnis |
62 |
65 |
61 |
Autor:
Bernhard Schmidt
Fazit
Mein Lieblingsauto in diesem Trio? Klar der Lancia Gamma – aber mit dem Volvo-Motor, der Mercedes-Qualität und der Mercedes-Ausgewogenheit. Eigenartig: An der Position der drei Marken hat sich bis heute kaum etwas verändert, allenfalls die neuen Volvo sind ein bisschen an Mercedes herangerückt, Lancia dafür etwas weiter weg. Damit spiegelt dieser Vergleich auch heute die Seelen der drei Marken wider.
Kommentare zum Artikel (8)
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charakter coupe? sportliche coupes? was hat denn die redaktion geritten, einen volvo und einen mercedes auszuwählen? beides trifft auf die beiden garantiert nicht zu. taxi design. mit extrem unbequemen harten stühlen, sowas ist übrigens alles andere als langstreckentauglich, zumindest nicht für einen durchschnittlichen mitteleuropäer von 1,80 m und 70 kilo. bei einem 230 von sound zu sprechen und ihm einen punkt weniger zu geben, als dem lancia, kann nur bedeuten, das der schreiber dieser zeilen nie einen lancia gehört hat.
was das design in dieser klasse angeht, da hat der lancia nur 3 konkurrenten gehabt: den fiat 130, den alfa alfetta gtv und natürlich den peugeot 504 als coupe. das waren damals die echten alternativen!
Ja. ja die Autobild hat Kleinbürgers schwäbischen Autotraum der 70er für diesen Vergleich herangezogen-ein SLC wäre passender gewesen.Übrigens konnte man den 262C Volvo in jedem Modelljahr in silber mit Vinyldach bestellen,auch Gold mit Vinyl wäre möglich gewesen, dank Kleinserie.Das Springfedergestühl im Daimler ist für Langstrecken nicht geeignet, da muss man sich wieder einrenken lassen bei 1,93m Größe und 400km Fahrt.
P.S:Ein Volvo steht mit 300000km normalerweise erst in der Blüte seines Lebens-und das ist kein Cliché wie vieles andere aus dem Artikel...
liebe volvo-fans, da kann ich nur sagen... jeder hat seinen Geschmack! volvo hat zu jener zeit sicherlich gute autos gebaut. bei musterhaft jedoch wurde man fast arm - etwas bei den Bremsscheiben eines 70ers!. Fazit: am 123 kommt kein anderes Fahrzeug dieser zeit vorbei. die Qualitäten dieses autos sind auch nach über 300.000 km erstaunlich...
regt euch doch nicht über autobild bewertung auf. irgendwo mussten sie ja einen punktvorsprung für das deutsche produkt rein schwindeln und da mussten eben dies mal die ach soooo schlechten sitze von volvo herhalten. typisch für autobild. ich hatte jedenfall nie probleme mit sitzen im 140er, 240er, 850, v40, v70!!! aber was wundern wir uns über den schmarrn den die hier immer rein schreiben. hauptsache ist bei denen doch ein deutsches auto gewinnt.
Ja, das waren noch Zeiten, als man die entsprechende Limousine nahm und daraus einen Zweitürer machte. Richtig - Zweitürer!!! Da hatte man noch mindestens das Raumgefühl der Limousine, und wenn die B-Säule wegfiel sogar noch mehr Innenbreite. Da hat man nicht irgend welche ominösen Fondtüren hinter sich hergezogen und behauptet man fahre ein Coupe! Heute wird ein Coupe als Zweitürer auf die Plattform eins weiter unten geklatscht, oder es ist eine Viertürige Salatgurke, die länger ist als die Limousine. Na Bravo!