Mazda RX-7

Mazda RX-7 (FD3S) Mazda RX-7 (FD3S) Mazda RX-7 (FD3S)

Mazda RX-7 (FD3S)

— 17.03.2014

Der Turbo-Wankel

Der letzte und stärkste Mazda RX-7 war teuer und blieb selten. Wer heute einen dieser Über-Wankel findet, bekommt einen Supersportler zum Hyundai-i30-Preis.

Die Gedanken des Konstrukteurs Felix Wankel (1902–1988) kreisen um einen Motor, in dem Kolben nicht auf und ab rumpeln, sondern sich flüsterleise um sich selbst drehen. Laufruhe und Vibrationsarmut sollen die Vorteile der Maschine sein. Viele Hersteller, darunter NSU, Mercedes, Citroën und Rolls-Royce, greifen die Idee mit dem Rotationskolben auf, forschen sie für Millionenbeträge aus — und verwerfen sie wieder. Alle, nur Mazda nicht. Stattdessen haben sich die ehrgeizigen Männer aus Hiroshima dem eigenartigen Antriebskonzept verpflichtet und geschafft, wozu ihre Konkurrenten bei NSU in Neckarsulm keine Zeit mehr hatten: den Wankel erst haltbar und dann immer stärker zu machen. Nur eins hat nicht so ganz geklappt – ihm das Saufen abzugewöhnen. Unser Mazda RX-7 der Baureihe FD von 1992 nimmt auch mal 20, mindestens aber 16 Liter pro 100 Kilometer. Na dann, Kanpai und Prost!

Als Mazda 1992 den dritten RX-7 mit Doppelturbo und 239 PS zeigt, baut sonst kein anderer Hersteller mehr Wankelmotoren.

©H. Neu

AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat nennt den stärksten RX-7 zum Deutschland-Abschied im Jahr 1996 einen "Vampir auf Rädern, dem bald der Pflock ins Herz getrieben wird", und spielt damit auf Biss und Durst des Doppelturbo-Wankel an. 17 Jahre ist das her, und wir fragen uns, ob die Zeit den letzten RX-7 seiner Kraft beraubt hat. Und ob uns der etwas andere Traumwagen der 90er immer noch schockt — also hinein in die Plastikgruft. Das Sportcoupé sitzt knapp. Anfangs zwicken die Wangen der Schalensitze etwas, doch das gibt sich. Die Serienausstattung ist mit Klima, elektrischen Fensterhebern, Leder und dem elektrischen Schiebedach verdammt umfangreich. Okay, das plumpe Airbag-Lenkrad passt nicht in einen 80.000-Mark-Sportwagen, die chromumringten Rundinstrumente mit dem zentralen Drehzahlmesser desto besser. Dessen roter Bereich beginnt erst bei der Sieben. Eine Ladedruckanzeige gibt es nicht. Die richtige Sitzraste gesucht, was noch manuell geschieht, die Scheinwerfer aufgeklappt, weil’s von innen so cool aussieht – und ab. Anfahren geht so leicht wie mit einem Mazda 323, es braucht nicht die Härte eines Samurai-Kämpfers, um die Kupplung niederzuringen.
Modellseite: Mazda

Dem Zweischeiben-Motor blasen zwei Turbolader Luft ein

Der letzte Mazda RX-7 geht in 5,3 Sekunden auf 100 — schneller als ein Ferrari 348 tb.

©H. Neu

Manche unterschätzen den RX-7 auch, weil er von vorn auf den ersten Blick aussieht wie ein Mazda MX-5. Und dem eilt nicht der Ruf voraus, erschreckend stark zu sein. Doch sehen wir mal etwas genauer hin: Ist der RX-7 nicht viel eher Japans Chrysler Viper? Fakt ist: Ein Ferrari 348 tb gleichen Baujahrs stürmt nicht vehementer vom Fleck. Dem Zweischeiben-Motor blasen zwei Turbolader Luft ein – anders als beim Maserati Biturbo nicht gleichzeitig gleich viel, sondern ein kleiner Lader pustet bei niedrigen Drehzahlen los, ab etwa 3500 Umdrehungen setzt der große ein. Und kaum sind 5,3 Sekunden um, hat der 1320 Kilo leichte Zweisitzer schon 100 Sachen drauf. Die letzten Ausbaustufen sind noch schneller, kratzen an der 300-PS-Marke. Street Racer in Japan und den USA lieben sie mehr als die Kunden in Deutschland. "Deshalb sind auch rund 80 Prozent der überlebenden Fahrzeuge aus der dritten Generation Tuning-Opfer", sagt Willi Schneider vom RX-7 Rotary Drive Club. Ein Original kostet im Moment nicht mehr als ein neuer, nackter Hyundai i30, rund 16.000 Euro. Die Lenkung fühlt sich immer noch so scharf an wie Draculas Fangzähne, die Bremsen beißen ebenso zu. So ist es eine wahre Freude, im RX-7 ein bisschen Herbstlaub hochzuwirbeln und dabei zu spüren, ob man gerade über Buchen- oder Eichenlaub rollt – so straff ist das Fahrwerk.
Klassiker für Mutige: NSU Ro 80

Das meistverkaufte Wankelauto der Geschichte

Der Mazda RX-7 passt wie ein Maßanzug: Dass Japaner körperlich nicht die Größten sind, merkt jeder, der über 1,90 Meter misst.

©H. Neu

Zugegeben, RX-7 Nummer drei mag ein bisschen nach 90er-Jahre-Softeis-Sportler aussehen. Aber wer die sanfte Gewalt des Antriebs unterschätzt, den überrascht der Typ auch mal ziemlich böse. Nicht durchs offene Schlafzimmerfenster wie der blutsaugende Graf, sondern mit dem Ausbrechen seines Hecks, wenn die Turbo-Power an den Hinterrädern reißt. Irgendwie irre, dass das meistverkaufte Wankelauto der Geschichte ausgerechnet ein Sportwagen ist. Weil Mazdas Versuche, in den 70ern den Rotationskolbenmotor in Massenautos zu etablieren, scheiterten, bleibt von der Revolution des "Renesis" (RE für Rotary Engine und Genesis) nur der Insider-Traumwagen RX-7. Als wir ihn fotografieren, kommt ein Pärchen mit Golden Retriever vorbei. Der Gatte stutzt, schaut, sieht das Schildchen am Knackpo des rundlichen Zweisitzers und sagt zu seiner Frau: "Das ist ein Wankel, der ist was Besonderes." Typisch RX-7: Autointeressierte Passanten mittleren Alters bleiben stehen, wenn sie ihn erkennen, lassen die Gedanken rotieren und erinnern sich an Zeiten, als es noch deutsche Kreiskolbenwagen wie das Zukunftsauto NSU Ro 80 gab. Jüngere Benzinblüter finden den Mazda RX-7 dagegen stark, weil sie ihn von der Zeitenjagd auf der Playstation kennen und obwohl sie noch nie einen im wahren Leben gesehen haben. Dass sein Wankel an diesem Punkt Generationen von Autofans eint, das hätte wohl selbst der große Felix Wankel nicht geglaubt.

Technische Daten

Dem Zweischeiben-Motor blasen zwei Turbolader Luft nicht gleichzeitig gleich viel, sondern ein kleiner Lader pustet bei niedrigen Drehzahlen los, ab etwa 3500 Umdrehungen setzt der große ein.

©H. Neu

Mazda RX-7 (FD3S) Motor: Zweischeiben-Kreiskolbenmotor, vorn längs • elektronische Einspritzung EGI-HS (Bosch-Lizenz) • Kammervolumen 2 x 654 ccm • zwei Hitachi-Turbolader in Registeranordnung • 176 kW (239 PS) bei 6500/ min • Drehmoment 294 Nm bei 5000/min Antrieb/Fahrwerk: Fünfgangschaltgetriebe (auf Wunsch Vierstufenautomatik) • Hinterradantrieb • Scheibenbremsen (innenbelüftet) rundum • Schraubenfedern, koaxiale Dämpfer, vorn doppelte Dreiecksquerlenker, Stabi, hinten untere Längsstrebe, Querlenker, Spurstangen, obere Dreiecksquerlenker • Reifen 225/50 ZR 16 • Maße: Radstand 2425 mm • L/B/H 4295/1750/1230 mm • Leergewicht 1320 kg • Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h in 5,3 s • Spitze 250 km/h • Normverbrauch 11,1 l S/ 100 km • Tankinhalt 76 l Neupreis: 85.500 Mark (1992).

Historie

Anfang der 60er nehmen sich die Mazda-Techniker unter Kenichi Yamamoto einer Idee des deutschen Erfinders Felix Wankel an, des Rotationskolbenmotors. Die Japaner entwickeln den ungewöhnlichen Antrieb fast allein bis ins neue Jahrtausend akribisch weiter und beweisen damit enormen technischen Ehrgeiz, vor allem mit ihrem Kult-Sportwagen RX-7. Entworfen unter dem Tarnnamen X605, steht das Sportcoupé 1978 erstmals bei den Händlern, seine Form erinnert da noch sehr an Porsches 924. Als Massenmotor hat Mazda den Wankel da schon aufgegeben. Der Ur-RX-7 trägt seinen haltbaren Zweischeiben-Wankel mit 105 PS als Front-Mittelmotor im Bug. 1985 folgt Generation zwei mit viel mehr Leistung, modernerem Fahrwerk und zeitgeistigem Styling. Erstmals gibt es auch ein Cabrio und eine druckvolle Turbo-Version, die in der Europa-Version 180 PS leistet und am Lufteinlass für den Ladeluftkühler ("Intercooler") zu erkennen ist. Der dritte RX-7 kommt im Jahr 1992 schließlich serienmäßig mit Registerturbo, drallen Rundungen und Porsche-911-Fahrleistungen. Im Jahr 2012 endet Mazdas Wankel-Story vorerst mit dem RX-8.

Plus/Minus

Der letzte RX-7 ist ein Süchtigmacher mit Fahrleistungen auf Porsche-911-Niveau, aber mit irischen Trinkgewohnheiten.

©H. Neu

Wie von einem etwas über 20 Jahre alten Auto zu erwarten, hat der Mazda RX-7 FD das Zeug zum sportlichen Single-Exoten für jeden Tag, weil er zuverlässig ist. Wer ihn deshalb gleich zum Möchtegern abstempelt, irrt. Der letzte RX-7 ist ein Süchtigmacher mit Fahrleistungen auf Porsche- 911-Niveau, der Unvorbereitete jedoch mit seinen irischen Trinkgewohnheiten schockiert – AUTO BILD ermittelt 1992 einen Testverbrauch von 19 Litern, woraus sich eine Reichweite von nur 400 Kilometern ergibt. Technisch erlaubt sich das Schlafaugen-Coupé kaum Patzer, hier ein paar Schwachstellen: Motordichtungen zwischen den Rotorgehäusen (vergleichbar mit der Kopfdichtung beim Hubkolbenmotor), Rostbefall an Auspuff-Flanschen, undichte Öldruckschalter, Schrauben an Karosserieverbindungen mit Spiel, sportwagentypisch hoher Verschleiß von Reifen, Bremsbelägen und -scheiben. Auf gleichmäßige Leistungsentfaltung der Registerturbos achten!

Ersatzteile

Achtung, jetzt kommt’s dicke! Die Ersatzteilpreise für den schneidigen Japan-Sportler sind gesalzen; immerhin liefern spezialisierte Anbieter wie www.mazdatrix.com beinahe alles, um den Mazda RX-7 technisch gesunden zu lassen. Ein Austauschmotor schlägt mit 9000 Euro zu Buche. Ein Motordichtsatz oder eine neue Kupplung gehen mit 600 bzw. 500 Euro auch schon ziemlich ins Geld. Kaum zu bekommen sind hingegen Karosserieteile für den schönen Technologieträger.

Marktlage

Über 700 RX-7 der dritten Serie laufen in Deutschland, doch nur selten tauchen gute Autos mit deutscher Erstzulassung in den bekannten Online-Autobörsen auf – wer einen guten FD hat, der gibt ihn ungern wieder her. Bastelbuden und Japan-Importe mit Driftrennhistorie suchen dagegen öfter neue Besitzer – Finger weg!

Empfehlung

Gerade weil gute Mazda RX-7 FD im Originalzustand nicht ständig angeboten werden, ist jedes Auto mit nachvollziehbarer Historie und gestempeltem Scheckheft eine Überlegung wert. Wer ernsthaft an so einem Wankel-Coupé der 90er-Jahre interessiert ist, sollte damit rechnen, auch weit über 12.000 Euro für ein feines Stück ausgeben zu müssen – ein Youngtimer-Schnäppchen ist der letzte RX-7 nicht.

Autor: Lukas Hambrecht

Fotos: H. Neu

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