Porsche 356 Club Deutschland

Meinung: Klubs

— 06.02.2012

Vereinsmeier oder Karteileiche?

Die Fakten: In Deutschland gibt es etwa 3000 Vereine und Interessengemeinschaften für klassische Fahrzeuge. Ansichtssache: Zwei Redakteure kommentieren aus dem Klubsessel.

Oldtimer- und Youngtimer-Klubs sind sehr beliebt. Allein in den 43 bundesweit aktiven sogenannten Kooperativklubs des ADAC sind mehr als 70 000 Mitglieder organisiert – Tendenz steigend. Wer dieses Phänomen für typisch deutsch hält, liegt falsch. 80 Mercedes-Benz-Klubs in 80 Ländern beweisen, dass Oldtimer-Fans in aller Welt ihr Hobby gern mit Gleichgesinnten teilen. Neben den praktischen Vorteilen kommt es vielen Klubmitgliedern laut Psychologe Professor Benedikt von Hebenstreit besonders "auf die Geselligkeit" an. Im Oldtimer-Klub treffen sich die Mitglieder noch ganz real und regelmäßig bei gemeinsamen Klub-Aktivitäten und nicht oder nicht nur in virtuellen Communities und Online-Foren.

Michael Struve: Ja bitte!

Michael Struve liebt das Klubleben.

Die Vorteile eines Oldtimer-Klubs? Wo soll ich da anfangen? Beim Oldie-Kauf. Bessere Tipps für den Check eines Klassikers wird man nirgendwo bekommen. In jedem Klub gibt es mindestens einen Spezialisten, der den jeweiligen Oldtimer in- und auswendig kennt und die Schwachstellen im Schlaf herunterbeten kann. Manche haben sogar Lust, zur Besichtigung mitzukommen. Besser geht es doch gar nicht. Auch für Reparaturen und Restaurierungen gibt es im Klub jede Menge gute Ratschläge und Adressen von Spezialisten. Klasse sind auch die von manchen Klubs organisierten Schraubertage. Da können Laien dem Profi über die Schulter schauen und allerhand gute Tricks lernen. Besonders vorteilhaft ist ein Klub, wenn es um Ersatzteile geht. Wer ein seltenes Teil hat, wird es eher einem Klub-Kumpel verkaufen als einem Fremden. Und Nachfertigungen sind allein nicht zu bezahlen. Nett finde ich den Verzicht auf übertriebene Vereinsmeierei und das lockere, fast schon familiäre Mit einander in vielen Old timer-Klubs. Bei gemeinsamen Ausfahrten und Stammtischen sind spannende Benzingespräche garantiert – und Freundschaften fürs Leben entstanden.

Heinrich Lingner: Nein danke!

Heinrich Lingner ist lieber Karteileiche.

Mit Klubs halte ich es wie Oscar Wilde: Nur sehr ungern träte ich einem bei, der mich als Mitglied nähme. Das gilt erst recht für Oldtimer-Klubs. Ich will nicht jeden zweiten Dienstag mit Leuten Pizza essen, die zufällig einen Klassiker derselben Marke besitzen wie ich. Dass es Menschen gibt, die sich Schriftzüge wie etwa „Technikreferent Hinterachse Tipo 750“ aufs Polohemd sticken lassen, irritiert mich. Und meine Freunde suche ich nicht danach aus, ob sie mir beim Synchronisieren von Weber-Doppelvergasern helfen können oder einen Spezialabzieher für Hinterachstraggelenke besitzen. Schließlich sind es meine Freunde, nicht die meines Autos. Schön, dass es Zeitgenossen gibt, die sich über die Vorzüge von Mikrofadenscheibe oder Diravi-Lenkung ereifern können. Zuhören möchte ich dabei nicht. Weil ich auch nur ein Mensch bin, gestehe ich, dennoch Klubmitglied zu sein. Ich trat ihm beim ersten Oldtimerkauf bei, also zu der Zeit, als Brasilien zum vierten Mal Fußballweltmeister wurde. Weil man das damals so machte. Seither beziehe ich als passionierte Karteileiche die Klubzeitschrift und freue mich, wenn sie mich ansonsten in Ruhe lassen mit Pizzaessen und Technikreferaten.  

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