Mercedes 190

Mercedes 190: Gebrauchtwagentest

— 11.04.2011

Schwäbische Qualität

AUTO BILD-Archiv-Artikel 32/1987: Obwohl keineswegs billig gehandelt, waren Mercedes-Modelle schon immer sehr gefragt. Der kleine 190er macht da keine Ausnahme – trotz einiger kleiner Schwächen.

Mit dem Mercedes 190 begann für Daimler-Benz im November 1982 nicht nur eine neue Design-Ära, sondern auch der Einstieg in die Mittelklasse. Der Verkaufserfolg gab den Schwaben recht. Anfangs stützte sich die Baureihe auf magere zwei Typen. Das hat sich im Verlauf der Jahre kräftig geändert. Nicht weniger als sieben verschiedene Modelle, davon fünf Benziner, gehören mittlerweile zur intern W 201 genannten Baureihe. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt spielt der 190er zunehmend eine stärkere Rolle. Was nicht heißt, dass es ihn für kleines Geld gibt. Im Gegenteil: Die Verkäufer verlangen selbst für übermäßig strapazierte Exemplare gnadenlos Höchstpreise.

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Dabei ist nicht jeder 190er sein Geld wert, schon gar nicht Exemplare, denen man Laufleistung und Alter auf den ersten Blick ansieht. Hüten Sie sich also vor Modellen, bei denen im Pflegepass einige Stempel fehlen. Vorsicht auch vor Fahrzeugen, die einen Unfall im Heckbereich hatten. Kein anderer Autohersteller baut derzeit eine technisch aufwendigere Hinterachskonstruktion als Daimler-Benz. Treten an dieser "Raumlenkerachse" Probleme auf, kostet die Reparatur tausend Mark und mehr. Unser Tipp: Achten Sie auf das Reifenprofil der Hinterräder. Schräg abgelaufenes Profil verrät, dass mit der Achseinstellung etwas nicht stimmt.

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In der Anfangszeit traten bei den kleinen Daimler-Modellen einige Kinderkrankheiten auf. Zwar wurden sie vielfach ohne großes Aufsehen auf dem Kulanzweg behoben, was jedoch nicht ausschließt, dass einige der Problemfälle sich unbehandelt über die Jahre gemogelt haben. Als typische Schwächen gelten Laufgeräusche in der Hinterachse. Am deutlichsten lässt sich das Zähneknirschen im Differentialgetriebe bei hohem Tempo auf der Autobahn vernehmen. Klackt es beim Gaswegnehmen in der Hinterachse und summt es beim Gasgeben, dann ist es um das Differentialgetriebe nicht mehr zum besten bestellt.

Wie auch beim nächsten Schwachpunkt: dem frühzeitigen Nockenwellenverschleiß. Im Fahrbetrieb macht sich diese Schwäche durch unrunden Leerlauf und mangelnde Leistung bemerkbar. Betroffen sind davon vor allem 190-E-Modelle aus den Baujahren 1983 und 1984. Im Zweifelsfall ist es ratsam, den Ventildeckel abzumontieren und die Nockenwelle von einem Fachmann inspizieren zu lassen. Gebrauchtwagen-Käufer eines Baby-Benz sollten sich darüber im Klaren sein: Der 190er ist ein Auto wie jedes andere auch. In der Mercedes-Werkstatt erlischt die Garantie keinen Tag später als bei Opel, Ford oder VW.

Hoffen Sie bei betagten Modellen also nicht auf großzügiges Entgegenkommen. Im Gegenteil: Mercedes-Werkstattpreise sind gepfeffert. Allein für eine Inspektion müssen Sie doppelt so tief in die Tasche greifen wie bei vergleichbaren Mittelklassewagen ohne Stern. Das Risiko beim Kauf eines gebrauchten 190 bleibt dennoch gering. Der kleine Benz weist Qualitätsmerkmale auf, die in dieser Klasse einmalig sind. Gesamturteil: empfehlenswert.

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