Mercedes 400 E

Mercedes 400 E

— 11.10.2013

Temperament mit Tarnung

Der Mercedes 400 E mit seinem kultivierten V8-Motor ist ein Fall für stille Genießer. Sanft und unscheinbar serviert er Leistung und Luxus im Limousinenkleid und empfiehlt sich als dezente 500 E-Alternative.

Früher galt bei Daimler noch das geschriebene Wort. Oder besser: die ehrliche Zahl. Was draufsteht, ist drin: 200, 300, 300-24, 500. Beim W 124 passt die Typbezeichnung immer zur Hubraumgröße, nur den 400 E haben die Mercedes-Strategen kleingerechnet – und zogen dem 4,2 Liter großen V8 auf dem Heckdeckel 200 Kubikzentimeter ab. In der Nomenklatur der W 124-Familie klang 400 E einfach stimmiger, E 420 durfte er sich erst ab Herbst 1993 nennen.

Der 400 E ist klassenlos, solide gebaut, bietet viel Platz, hohen Komfort und dank V8 auch noch richtig schnell.

©R. Rätzke

Als "Understatement-Typ" bezeichnete ihn Mercedes-Benz und meinte maximale Unauffälligkeit. Mit Radkappen, "Ein Herz für Kinder"-Aufkleber und im Rentner-Farbton Rauchsilbermetallic wäre er mühelos als 200 D durchgegangen, trotz Auspuff mit doppeltem Endrohr. Im Gegensatz zum breitschultrigen 500 E setzte der 400 E nur technische Akzente. Das wichtigste Argument des 400 E war und ist seine Nähe zur Basis. Er tritt gediegen auf, weckt keinen Neid. Und wo der 500 E den Sport betont, gibt sich das kleine V8-Modell in erster Linie bequem. Wer ihn nicht tritt, erlebt seine Stärke auf beiläufige Art – ein ganz spezieller Reiz. Der zurückhaltend summende, mühelos losziehende V8, Automatik, Tempomat und Klimaanlage machen ihn zum idealen Begleiter für Vielfahrer. Kurioserweise hätte der 279 PS starke 400 E sogar das Zeug dazu, das 326 PS starke Topmodell 500 E auf der Autobahn zu überholen.

Klassiker mit Achtzylinder: Deutsche V8-Legenden

Der 279 PS starke 4,2-Liter-V8 macht den 400 E nicht zum Sportwagen, aber zum perfekten Autobahn-Brenner.

©R. Rätzke

Weil die Ingenieure jedoch den Verbrauch im Auge hatten, fährt der 4,2-Liter mit langer Übersetzung vor, nur die Elektronik beschränkt die Spitze auf stattliche 250 km/h. Er könnte locker noch schneller. Als Antwort auf Lexus GS und BMW 540i war er konzipiert und als sozialverträgliche Alternative zur S-Klasse beworben worden. Als großer Mercedes im Mittelklassekleid, als Auto für Erfolgreiche, die ihre Verdienste nicht öffentlich zeigen wollten. Es waren Menschen wie jener Schweizer Erstbesitzer, der seinen 400 E vor 20 Jahren in Anthrazitmetallic und allen Ernstes mit MB-Tex-Kunstleder im Farbton "Champignon" bestellte. Dazu orderte er Gummimatten für den Fußraum. So vermittelt selbst das Achtzylinder-Modell mit leisem Kunstleder-Knarzen jenes vertraute Taxi-Gefühl, das jeder W 124-Limousine innewohnt. Das kleine V8-Modell kostete damals 92.340 Mark. Heute reichen rund 10.000 Euro, um dem begehrten, aber fast dreimal so teuren 500 E auf den Fersen zu bleiben.
Fahrzeugdaten Mercedes 400 E
Motor V8, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 32/4
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 4196 ccm
Bohrung x Hub 92,0 x 78,9 mm
kW (PS) bei U/min 205 (279)/5700
Nm bei U/min 400/3900
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Getriebe Vierstufenautomatik
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 215/55 R 16 W
Verbrauch (Werksangabe) 11,8 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 90 l/Super
zulässiges Gesamtgewicht 2140 kg
Vorbeifahrgeräusch 73 dB (A)
Abgas CO2 (nach Werksverbrauch) 280 g/km
Messwerte
Beschleunigung 0–50/0–80 km/h 3,0/5,3 s
0-100 km/h 7,1 s
Zwischenspurt 60–100 3,6 s
Bremsweg aus 100 km/h 39,6 m
Leergewicht/Zuladung 1740/400 kg
Wendekreis 11,3 m
Innengeräusch bei 50/100 km/h 58/65 dB (A)
Testverbrauch - Co2 15,3 l - 363 g/km
Reichweite 590 km
Kosten
Steuern pro Jahr 309 Euro
Versicherung (HPF/100 Prozent) 962 Euro
Werkstattintervalle 15.000 km
Kosten Ölwechsel/Inspektion 300/420 Euro
Zeitwert (Zustand 2, Stand 2013) 9800 Euro
Autor:

Jan-Henrik Muche

Fazit

Der 400 E vereint, über den Vergleich hinaus, die besten Zutaten der Baureihe in sich: Er ist klassenlos, solide gebaut, bietet viel Platz, hohen Komfort und ist dank V8 auch noch richtig schnell. Und er notiert niedriger als die meisten Coupés, Cabrios und der große Bruder 500 E. Wie lange wird er wohl noch so billig sein?

Fotos: R. Rätzke, R. Rätzke

Stichworte:

V8

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.