Mercedes 500 K von 1935: Prozess

— 06.06.2012

Altes Auto – neues Urteil

Am 25. April 1935 kauft Hans Friedrich Prym einen funkelnagelneuen Mercedes 500 K Roadster. Zehn Jahre später verschwindet das Auto. 67 Jahre danach klagten seine Enkel gegen den aktuellen Besitzer.

Die Geschichte ist mysteriös. Wann und wie sie beginnt, ist noch genaustens dokumentiert. Am 6. Februar 1935 hatte Mercedes-Benz in Sindelfingen den Wagen mit der Chassisnummer 105380 fertiggestellt: einen 500 K Roadster in Metallicgrün, der vom 14. bis 24. März auf der Berliner Automobilausstellung stand und anschließend, am 25. April 1935, in Aachen an seinen ersten Besitzer verkauft wurde, den Druckknopf-Tycoon Hans Friedrich Prym. Nun, im März 2012, kam der Wagen auf die Techno-Classica. Oldtimerhändler Thiesen bot ihn für üppige 4,9 Millionen Euro an, in Kommission. Eigentümer ist der Niederländer Frans van Haren – oder auch nicht.

Hamburger Gericht entschied: Der Mercedes gehört den Enkeln

Wem gehört dieser Mercedes 500 K? – ein Hamburger Gericht sagt: den Enkeln des Erstbesitzers.

In Essen wurde die Justiz tätig. Sie beschlagnahmte den Wagen und ließ ihn in der Classic Remise Düsseldorf einlagern. Hinter dieser Maßnahme steckten die Erben von Hans Friedrich Prym, dem Erstbesitzer. Angeblich habe der seinen 500 K Roadster im Jahr 1945 nicht freiwillig an einen amerikanischen Soldaten verkauft. Es geht um Wegnahme, Diebstahl, Unterschlagung. Fragen, mit denen sich ein Hamburger Gericht beschäftigte und  in erster Instanz entschied, dass die Enkel Pryms die rechtmäßigen Besitzer des ultraseltenen Vorkriegs-Mercedes sind. Sie wollen nun eine Entschädigung einklagen.

Ein komplexer Fall: Veliert der Sammler 2,6 Millionen Euro?

Der Fall lag nicht einfach: van Haaren hat den 500 K im August 2011 im kalifornischen Monterey auf einer Auktion gekauft, umgerechnet 2,6 Millionen Euro hat er dafür bezahlt. "Das war eine offene Versteigerung", sagt van Haren, "und kein dunkles Geschäft in irgendeiner Hinterkammer." Die Beschreibung, mit der RM Auctions den Wagen anbot, weist allerdings auf die große Lücke hin, die in der Geschichte des Wagens klafft: Es fehlen alle Informationen über die lange Zeit zwischen 1935 und den 1970er-Jahren. Damals war der 500 K in einer amerikanischen Sammlung aufgetaucht.

Fotos: Ferrari 250 GTO und weitere Klassiker für Millionen

Ferrari 250 GTO Ferrari 250 GTO

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare zum Artikel (2)

Erstellt

Inhalt

Melden

Helmut K.
07.06.2012, 01:27Uhr

Erfreulicherweise entschied hier einmal ein Gericht in der Weise, wie es generell im Falle von Diebstahlsdelikten von Kulturgütern der Fall sein sollte. Letztendlich besteht doch kein Unterschied zwischen dem Verhalten deutscher Besatzungstruppen und dem Angehöriger der Alliierten während und nach dem zweiten Weltkrieg, Auch wenn es in der Medienwelt lange Zeit anders bewertet wurde.

LEX GERMANIA
07.06.2012, 00:13Uhr

Meinen Glückwunsch an die Familie Prym! Endlich werden die gesammten Raubritter,Hehler sowie die Heuschrecken in diesem Geschäft eindeutig in die Schranken gewiesen.Fast zu 100% haben alle Automobil Auktionen und deren Organisatoren perfekt strukturierte kriminelle Energien, um schnell and das Geld der Unwissenden zu kommen.Es sollte eine Art Herkunfts TÜV gearbeitet werden, um weiteres Schindlunder in der Szene zu erschweren!

Seite 1

Kommentar verfassen

  • Anmelden
  • Registrieren
Sie haben noch 800 Zeichen übrig
Anzeige

Versicherungsvergleich

Neuwagen

Porsche 911

Neuwagen deutlich
unter Listenpreis

Porsche 911 Neuwagen-Angebote

Gebrauchtwagen

Porsche 911

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Günstige Klassiker-Angebote
Anzeige