Mercedes-Ausstellung

Mercedes zeigt Meilensteine des Autodesigns in der Münchener Pinakothek C111 Autobahnkurier Mercedes zeigt Meilensteine des Autodesigns in der Münchener Pinakothek Autobahnkurier Flügeltürer 300 SL

Mercedes-Ausstellung

— 21.07.2008

Moderne Kunst

Die Münchener Pinakothek ist für Gemälde berühmt - bis 14. September 2009 stehen dort buchstäblich noch viel größere Kunstwerke: die Meilensteine des Automobildesigns aus dem Hause Mercedes-Benz.

Schöne Autos gehören nicht ins Museum: Wo Staub flockt und allenfalls gelangweilte Schulklassen gähnend ihren frustrierten Lehrern hinterherschlurfen, haben Ikonen des Designs nichts verloren. Mercedes hat jetzt – zumindest temporär – einen würdigeren Ausstellungsort für seine edelsten Kreationen gefunden: eine Galerie. Aber nicht irgendeine, sondern die Münchener Pinakothek der Moderne. Dieser Olymp für ausgesuchte Skulpturen und Gemälde der jüngeren Vergangenheit ist für einmalige automobile Meisterwerke gerade richtig. Es ist ein löblicher Vorstoß, dem Auto den Platz einzuräumen, der ihm längst gebührt: als Transportmittel für Kultur, Stil, Zeitgeist.

Gipfeltreffen: Im blitzenden Lack des Autobahnkuriers spiegelt sich der Flügeltürer.

Und ganz nebenbei kann Mercedes dabei seinem Konkurrenten BMW eins auswischen – so muss wohl die kleine, aber piekfeine Ausstellung vor der Nase der Konzernzentrale des Bayerischen Autobauers verstanden werden, denn einen offiziellen Anlass für die schöne Schau gibt es eigentlich nicht. Außer eben eine Antwort auf die gerade erst erfolgte Eröffnung des BMW-Museums. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Namen der Ausstellung: "Meilensteine des Automobildesigns. Am Beispiel Mercedes-Benz." heißt es fast ironisch, denn natürlich geht es hier um Schöpfungen, die in der Welt beispiellos sind. Um absolute Traumautos, Ikonen der Technik. Während Schätze wie der 507, der Barockengel und andere weiß-blaue Wunder in München unbegrenzt anzusehen sind, werden die Skulpturen mit dem Stern nur drei Monate ausgestellt: Bis 14. September 2008 ist die Sonderschau als begehbare (aber bitte nicht berührbare) Installation in einer separaten Ausstellungshalle der Pinakothek der Moderne geöffnet.

Artgerechte Haltung für automobile Vollblüter

Indirekt beleuchtet und scheinbar zufällig abgestellt können die Meisterstücke ihren Zauber entfalten.

Es ist die Crème de la crème, die absolute Spitzenklasse. Sieben weltberühmte Mercedes-Legenden stehen da vor nüchtern weißen Wänden, kein bisschen herausgemacht, ohne Podest oder Spotlights, l'art pour l'art. Wer schon einmal in einem typischen Automuseum durch die Reihen wanderte und Mitleid verspürte für die Enge, in der sich dort illustre Fahrmaschinen oft Nase an Nase drängeln müssen wie Rennpferde in einem Schweinestall, wird beim Betreten der Pinakothek erleichtert aufatmen: Was für eine noble Garage, wie viel Platz und Licht! Das, nur das ist artgerechte Haltung für automobile Vollblüter. Neben all der Schönheit, die sie ausstrahlen, huldigen die Fahrzeuge zugleich den genialen Konstrukeuren und Designern, die ihre Väter waren.

So bewundert man die unvergessliche Handschrift eines Hermann Ahrens, der den legendären "Autobahnkurier" entwarf, eines Rudolf Uhlenhaut, der dem Flügeltürer sein einzigartiges Gesicht gab, oder Bruno Saccos, der an der Gestaltung der flachen Flunder C111 in den späten 60ern teilhatte. "Die Marke Mercedes-Benz ist die älteste und zugleich berühmteste Automobilmarke der Welt", verbreitet der Veranstalter souverän. Alle diese Autos sind mindestens ebenso berühmt. Jeder erkennt ihre Silhouette schon von weitem, auch wenn er sie noch nie von Nahem sah geschweige denn drin saß.

Diese Halbgötter in Blech alle einmal versammelt in Rufweite zu erleben, ein Gipfeltreffen unter dem Stern, ist ein einmaliger Moment, den sich kein Autofreund entgehen lassen sollte. Vom 1938 konstruierten Autobahnkurier etwa sind offiziell nur noch zwei Exemplare erhalten, das Münchener Exponat wurde extra aus Mexiko eingeschifft. Den Blitzen-Benz von 1911 gibt es ebenfalls nur in einer Handvoll Exponate. Ganz einmalig ist das Bionic Car, ein Ideenträger von 2005, der Anleihen beim extrem strömungsgünstigen tropischen Kofferfisch macht.

Jedes der Fahrzeuge ist ein sinnliches Erlebnis

Die sieben Exponate spiegeln den Stand der Entwicklung und des Zeitgeschmacks der Epochen wieder, in denen sie entstanden.

Eine klare Linie in dieser chronologischen Ahnenreihe zu suchen, einen übergeordneten Design-Gedanken, der sie alle eint und gewissermaßen die Gleichung für "Das schöne Auto" formuliert, ist nicht einfach: Bei allen Kreationen geht es um die Faszination beherrschbarer Geschwindigkeit kurz vor dem Limit, aber das ist ja der Grundgedanke des Autos schlechthin. Alle folgen den jeweiligen Vorstellungen und begrenzten Erkenntnissen von Aerodynamik ihrer Entstehungszeit. Alle sind Traumwagen. Doch sie sind so verschieden wie unsere Träume vom Fahren. "Die Arbeit eines Designers ist erfolgreich, wenn ein Automobil nicht nur aus rationalen Gründen gefahren wird, sondern gleichermaßen mit Herz und mit Verstand, wenn gutes Automobildesign Sinn mit Sinnlichkeit paart", sagte der Designchef von Mercedes, Prof. h.c. Peter Pfeiffer. Jedes der gezeigten Fahrzeuge, so viel steht fest, ist ein sinnliches Erlebnis.

Die glorreichen Sieben in der Pinakothek der Moderne: Rekordrennwagen "Blitzen-Benz" von 1911 • Mercedes 540 K "Autobahnkurier" von 1938 • Mercedes Rennwagen W 196 R "Stromlinie" • Mercedes 300 SL "Flügeltürer" von 1955 • Designstudie C111 von 1977 • Mercedes CLS Coupé als Fräsmodell von 2004 • Forschungsfahrzeug "Bionic Car" von 2005

Autor: Roland Wildberg

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.