Mercedes-Benz 280 SE W126 — 06.02.2010

Schlank in die Zukunft

Eleganter und sparsamer war der W126 – und vor allem viel teurer als alle S-Klassen vorher. Ein Mercedes 280 SE kostste 1984 stolze 50.274 D-Mark. Ohne Extras. War er sein Geld wert?

Es ist nur ein kleiner Schritt vom W116 zum W126. Denn wie soll man das beste Auto der Welt noch besser machen? Die Mercedes-Antwort: gar nicht. Jedenfalls nicht grundsätzlich. Gezieltes Verfeinern reicht. Großteile der Technik inklusive Motor und Fahrwerk wurden fast unverändert übernommen. Am meisten tüfteln die schwäbischen Techniker an der Karosserie. 50 Kilo leichter, fester, schlanker und windschnittiger – damit der neue große Mercedes nach der Ölkrise 1973 nicht als Schluckspecht in die Annalen eingeht. Mit dem 126er kamen erstmals sogenannte HSLA-Stähle (high strength, low alloy, zu deutsch: hochfeste, leichte Legierungen), die mit Titan, Niob oder Vanadium veredelt sind. Beim Fahren merkt man von den Mischungskünsten der Stahlkocher nichts. Gut so.

Geglättet und erleichtert: Der W126 läutete 1979 eine neue S-Klasse-Ära ein. Für viele die schönste S-Klasse aller Zeiten.

Geglättet und erleichtert: Der W126 läutete 1979 eine neue S-Klasse-Ära ein. Für viele die schönste S-Klasse aller Zeiten.

Wie der 116er verwöhnt der 126er mit ausgezeichnetem Fahrkomfort, er liegt unerschütterlich fest auf der Straße, rollt wie eine stabile Burg durch den Verkehr. Allerdings folgt er der Hand des Fahrers ein klein wenig feinfühliger, direkter, fast schon sportlicher. Und wer genau hinhört, stellt fest, dass er weniger hört. Der M110-Sechszylinder – untenrum immer noch schlapp – ist im 126er besser durch eine zusätzliche Trennwand im Motorraum abgeschottet. Der Doppelnocker schnurrt entfernter, das näselnde Trompeten bei hohen Drehzahlen klingt gestopfter. Außerdem säuseln die Winde weniger gespenstisch um A-Säulen und Außenspiegel. Von einer stillen Revolution berichtet auch die 126er-Wohnwelt: dezenter, sachlicher, weniger pompös. Chrom gibt es kaum noch, dafür Teppiche aus Kuschel-Velours und Sitze mit mehr Seitenführung. Die Zebrano-Holzleisten sind schlanker als bisher und nicht mehr massiv – weshalb sie im Alter brechen. So ist das mit dem Leichtbau.
Technische Daten Mercedes-Benz 280 SE W126
Bauzeit 1979-1985
Motor Sechszylinder in Reihe
Ventile/Nockenwellen 12/2
Nockenwellenantrieb Steuerkette
Hubraum 2746 ccm
kW (PS) bei U/min 136 (185)/5800
Nm bei U/min 240/4500
Beschleunigung 0-100 km/h 10,8 s
Höchstgeschwindigkeit 205 km/h
Getriebe Viergang-Automatik (Sonderausstattung)
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben innenbelüftet/Scheiben
Testwagenbereifung 195/70 R 14 V
Radgröße 6.0 x 14"
Verbrauch ca. 11,8 Liter
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 90 Liter/Super
Reichweite 760 km
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A)
Anhängelast gebremst/ungebremst 1500 kg/750 kg
Leergewicht/Zuladung 1560 kg/520 kg
Kofferraumvolumen 505 Liter
Wendekreis 11,8 m
Steuer/Versicherung 206 Euro bei Euro-2-Nachrüstung/901 Euro
Zeitwert (Zustand 3) 4000 Euro
Andreas Borchmann

Andreas Borchmann

Fazit

Im Vergleich zum W116 ist der W126 ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für den Mercedes-Fahrer. Viele Verbesserungen im Detail ergeben ein insgesamt verfeinertes Fahrgefühl. Handlicher ist er, leiser und dank besserer Sitze auch bequemer.

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