Mercedes E 200 Cabriolet (A 124)

Mercedes-Benz E 200 A 124 Mercedes-Benz E 200 A 124

Mercedes E 200 Cabriolet (A 124)

— 01.01.2011

Wärmstens zu empfehlen

Das Cabrio der Mercedes-Baureihe 124: Nur 33.952 Exemplare verließen zwischen 1992 und 1997 das Werk. Eine Kleinserie, offen für große Ingenieurleistung mit Stern.

Im September 1991 steht das 124er-Cabrio auf der Frankfurter IAA, ein Mercedes 300 CE-24 – und alle Welt schluckt beim Preis: fast 100.000 Mark. Und staunt über die Sonderausstattung 748. Hinter diesem Bestellcode entblättert sich das "Verdeck hydraulisch", ein technisches Meisterwerk aus der Frühzeit des Klappdachs. Es kostet 3990 Mark extra und zieht ab Frühjahr 1992 in den Königsstraßen der wiedervereinigten Republik mehr Blicke auf sich als die geöffnete Bluse von Pretty Woman Julia Roberts. Etwa 20 Sekunden dauert der Dachstriptease, für den nur zweimal per Entriegelungsbügel kurz Hand angelegt werden muss.

Modellpflege unter einem guten Stern: Ab Juni 1993 nannten sich die 124er E-Klasse und trugen einen integrierten Plakettengrill.

Zur Modellpflege im Juni 1993 ist 748 serienmäßig an Bord der offenen "E-Klasse", wie der W 124 jetzt heißt, und fast 20 Jahre später staunen wir immer noch, weil die weitgehend wartungsfreie Elektrohydraulik selbst beim Vierthandbesitzer funktioniert. Auch unter dem nur zwei Meter hohen Obi-Carport und zuverlässiger als aktuelle Klappdach-Konstruktionen französischer Machart, wasserdichter sowieso. Egal, wer wo hinfasst, das Mercedes-Cabrio der opulenten 90er zeigt konstruktive Elite: Die Heckscheibe etwa, die komplett aus Sicherheitsglas besteht, natürlich beheizbar ist und dank Doppelrahmen auch nach 15.000 Raufundrunter nicht unter die dicke Nähnaht rutscht. Das mit drei Lagen uneingeschränkt wintertaugliche Verdeck, die raffinierten Schwingungstilger im Motorraum, Kofferraum und Frontscheibenrahmen – jene  Gewichte, die über Federelemente mit der Karosserie verbunden sind, um Fahrzeugschwingungen entgegenzuwirken. 

Kopfstützen als Überschlagschutz

Lebensretter: Die pyrotechnischen Kopfstützen hinten schießen bei einem drohenden Überschlag in 0,3 Sekunden nach oben.

Und natürlich dieser ausgeklügelte Überschlagschutz mit integrierten Kopfstützen hinten. Eine ingeniöse Alternative zum Integralbügel im zweisitzigen SL, der sich bereits seit 1989 bei Bedarf hinter den Passagieren automatisch aufstellt. Für einen offenen Viersitzer jedoch ist diese Konstruktion des Roadsters 129 nachvollziehbar untauglich. Sie hätte den Fondpassagieren mit Sicherheit arge Kopfschmerzen bereitet. Sie, die Kopfstützen im Viersitzer-Fond, stellen eine pyrotechnische Glanzleistung dar, denn sie schießen bei einem drohenden Überschlag in 0,3 Sekunden nahezu senkrecht nach oben. 0,3 Sekunden: Schneller ist nicht mal der Tod. Falls der an anderen Stellen dieses offenen Lebensfreude-Mercedes ernsthaft Schwachpunkte vermuten sollte, kann er sich gleich wieder verziehen: Die A-Säulen enthalten im knickgefährdeten Bereich zusätzliche Profile, innenliegend und – natürlich – aus hochfestem Stahl.

Beim 124er-Cabrio gilt: das Beste oder nichts

Ein Druck auf das rote Zauber-Knöpfchen und zwei Griffe am Dachrahmen genügen, und das Verdeck öffnet sich automatisch.

Es ist vermutlich genau dieser Aufwand und diese technische Intelligenz in ihrer nicht kostengegeißelten Art, die Autos wie das 124er-Cabrio erschaffen haben. "Eine klassische Linienführung, die modern ist, ohne modisch zu sein", beschreibt es ein zeitgenössischer Hochglanzprospekt – und es stimmt tatsächlich mal. Ein statischer Überrollbügel wäre billiger, aber garantiert nicht besser gewesen. Technik einfach gut zu machen, ist der eigentliche Auftrag des heute wiederbemühten Daimler-Slogans "Das Beste oder nichts". Am Ende kommt 1991 das fast perfekte Cabrio dabei raus. Die 124er-Limousine als "Mutter aller Mittelklassen" steuerte beste Voraussetzungen bei. Vom sicheren Fahrwerk mit sogenannter Raumlenkerachse bis hin zu den "übersichtlichen Armaturen", die laut Werbung 1993 "den Fahrer entlasten, um ihn frei zu machen für das Wesentliche: die Straße".

Historie

Premiere auf der Frankfurter IAA im September 1991 als 300 CE-24. Anlauf der Serienproduktion sechs Monate später im Werk Sindelfingen. September 1992 verbesserte Serienausstattung mit Fahrerairbag. Juni 1993 Umstellung auf "E-Klasse", erkennbar unter anderem am neuen Plakettengrill und Blinkleuchten mit farblosen Deckgläsern. Modelle jetzt E 200 (zunächst nur Export, ab Dezember 1994 auch für Deutschland), E 220, E 320 und E 36 AMG. Verdeck elektrohydraulisch für alle Modelle Serie (vorher Aufpreis). Ende der Produktion im Juli 1997 nach 33.952 Einheiten, davon 18.572 E 320 mit 220-PS-Reihensechser.

Technische Daten

Mercedes-Benz E 200 Cabriolet (A 124): Reihenvierzylinder, vorn längs • zwei oben liegende Nockenwellen • Steuerkette • vier Ventile pro Zylinder • elektronische Einspritzung HFM-Motronic • Hubraum 1998 ccm • Leistung 100 kW (136 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 190 Nm bei 4000/min • Fünfgangschaltgetriebe (Vierstufenautomatik optional) • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung, vorn Dreiecksquerlenker, hinten Raumlenkerachse • Reifen 195/65 R 15 H • Länge/Breite/Höhe 4655/1740/1391 mm • Radstand 2715 mm • Leergewicht 1690 kg • 0–100 km/h in 11,9 s • Spitze 200 km/h • Verbrauch (Drittelmix) 8,8 l S pro 100 km • Preis 1995: 79.925 D-Mark.

Plus/Minus 

Fürs Öffnen des Stoffverdecks sind lediglich zwei Bügel am Frontscheibenrahmen zu lösen.

Absolut zeitloses Cabrio von solider Machart mit vier vollwertigen Sitzen. Sehr hohes Wertsteigerungspotenzial. Schadstoffminderung auf Euro 2 bequem und günstig dank nachrüstbarem Kaltlaufregler möglich. Höchstes Sicherheitsniveau, guter Korrosionsschutz, bis auf die typischen Problemzonen der Modellreihe 124 (Wagenheberaufnahmen, Kotflügel vorn, Hinterachsträger). Nach der Umstellung auf Wasserbasislacke im Herbst 1993 kamen als rostgefährdete Bereiche hinzu: Türoberkanten, Heckdeckelunterkante, Endspitzen, Radläufe, Antennenfuß.

Ersatzteile 

Traggelenke, Spurstangen, Lenkgetriebe: Alles geht mal hinüber, doch die Situation ist – Daimler-typisch – entspannt. Gleichteile vom Volumenmodell W 124 liefert der hoffentlich freundliche MB-Kundendienst innerhalb von 24 Stunden. Anders sieht es bei cabriospezifischem Ersatzbedarf aus: Das offizielle MB-Ersatzteillager hält zum Beispiel nur noch elf linke Cabriotüren bereit, aber keine einzige rechte mehr. Zum Glück passen auch die Türen vom Coupé, und die finden sich häufiger in rettbarem Zustand beim Verwerter. Knapp werden die Rahmendichtungen der Seitenscheiben. Richtig teuer ist ein komplett neues Verdeck: Sind Teile der Elektrohydraulik und des Gestänges defekt, bedeuten 5000 Euro noch den günstigsten Reparaturfall. Eine neue Stoffbespannung liegt um 1500 Euro.

Marktlage

Sechszylinder-Modelle mit niedriger Laufleistung hat der Gebrauchtwagenmarkt verschluckt. Falls sie doch noch irgendwo auftauchen, sind die Preise astronomisch. Oder Tachometer gedreht. Oder beides. 300 CE-24 und E 320 waren in aller Regel Erstwagen für den Alltag, schon in Zweithand gerieten sie tiefer, breiter, aber nie besser. Der typische A-124-Vierzylinder hingegen profitiert vom Zweitwagen-Status, ihn hat die Arztgattin nur im Sommer bewegt. Einige gute 200er sind Italien-Rückläufer und deshalb häufig nicht unbedingt gepflegt, aber weitgehend rostfrei.

Empfehlung

Unbedingt zugreifen, wenn eine "Final Edition"-Abschiedsvariante des E-Klasse Cabriolets auftaucht: beste Ausstattung, höchste Wertsteigerungsrate der finalen Typen E 200, E 220 und E 320. Ansonsten passt der E 220 ideal ins Vernunftraster aus Spaß und Sparsamkeit. Sein M-111-Vierventiler ist, abgesehen vom Thema Kopfdichtung, quicklebendig und kommt mit 9,5 Litern aus. Ebenfalls Vierventiler, robust und ausreichend stark ist der E 200, 136 PS.

Autor: Karl-August Almstadt

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