Genialer Sechszylinder für drei Mercedes

Mercedes mit 2,6-Liter-Sechszylinder: Test

— 17.02.2017

Genialer Sechszylinder für drei Mercedes

Ein aufregender Sechszylinder für drei Mercedes-Baureihen: Der legendäre 2,6-Liter-Motor steckt in völlig unterschiedlichen Limousinen. Ein Vergleich.

Ein toller Motor macht das Auto: Der tolle Sechszylinder treibt drei unterschiedliche Limousinen.

Bei Mercedes sagten Wagen- und Hubraumgröße stets etwas über den Status des Besitzers aus, Damit war es 1986 plötzlich vorbei, denn da war bei Mercedes der kleinste Sechszylinder in drei unterschiedlichen Baureihen verfügbar: für den kompakten 190 E 2.6, als 260 E in der mittleren Baureihe W 124 und in der großen Sonderklasse als 260 SE. 2,6 Liter Hubraum und 160 PS für alle! Für Daimler und seine Kunden war das eine Revolution von oben. Gut drei Jahrzehnte später sind die finanziellen Unterschiede eingeebnet. Die Gebrauchtwagen-, und die Klassikerpreise bewegen sich auf ähnlichem Niveau. Auch daher lassen sich die drei verwandten Benze vergleichen. Welches Modell bietet am meisten Mercedes fürs Geld?

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Mercedes 190 E 2.6: Der Sechszylinder für den Spaß

Mercedes 190 E 2.6: Aus der kompakten Limousine wird in der Sechszylinder-Version ein viertüriger GT.

Einfache Radkappen, gedecktes Silber, Sitze in kariertem Praktischgrau – sahen nicht neun von zehn 190 E so aus? Mit günstigem Materialmix und der bekannten Innenraum-Architektur kaschiert ein 190 E 2.6 seinen Sonderstatus. Den Käufern des Sechszylinders war das wohl ganz recht; wer sich daran störte, nahm zum Schnellfahren eher den verspoilerten Sechzehn-Vau-Vierzylinder. Der große Unterschied zum normalen 190 E steckt beim 2.6 vorn drin: Wer die Haube öffnet, wundert sich erst mal, dass sie nicht bei jedem Bremsvorgang aufplatzt. Vorn stößt der lange Sechszylinder aus der großen S-Klasse fast an die Kühlermaske, hinten reicht er beinahe bis zur Schottwand.

Gebrauchtwagensuche: Mercedes 190

Baby-Benz mit Bums

Bei der Testfahrt erwarteten wir schweres Untersteuern. Doch der 190 E 2.6 lässt sich den halben Zentner mehr Motor beim Slalom nicht anmerken. Leicht und deutlich präziser als die großen Typen schwänzelt er durch den Parcours. Auch beim Spurt von null auf 100 km/h (9,9 Sekunden) in der Elastizitätswertung und beim Bremsen liegt er vorn. So geht die Fahrdynamikwertung ganz klar an den mild sportlichen Baby-Benz. Hinzu kommt, wie lässig und leise der Reihensechser arbeitet. Er summt nur still und zieht den 190er mit 220 Newtonmeter Drehmoment und Gummibandgefühl nach vorn. Dazu passt die sanfte Automatik. So ergibt sich im Zusammenspiel mit Handlichkeit und entspannter Kraftentfaltung ein völlig neues Bild vom 190 E. Das ist großes Kino im kleinen Benz, wenn er auch an allen Ecken etwas kneift.

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Ein kleiner Sechszylinder in der mittleren Baureihe? Das klingt nach Idealbesetzung. Im Vergleich zum Vierzylinder bietet er verhaltenen Luxus, ohne zu übertreiben, und ein Plus an Prestige und Leistung, das noch neidlos akzeptiert wird. Ein 300 E wäre vielleicht zu viel des Guten. Zu dieser Art des Denkens passt der Testwagen der Baureihe W 124 in Rauchsilber mit elektrischem Schiebedach und abnehmbarer Anhängerkupplung. 1986 hat ihn ein Firmenchef aus dem Mittelstand so zusammengestellt und die Fünfgangschaltung dazu geordert. Wie es sich für die mittlere Baureihe gehört, liegen Platzangebot und Fahrleistungen im Mittelfeld.

Gebrauchtwagensuche: Mercedes 260

Dieser W 124 ist ein Athlet

Zwischen kraftvollem 190 E und üppigem 260 SE wirkt der 260 E keinesfalls blass und reizarm. Das knubbelig zu schaltende Getriebe reißt es raus. Es verändert den Charakter des Autos derart nachhaltig, dass der 260 E in der Spaßwertung mächtig aufholt! Während wir im 190 E 2.6 einfach genießen, wie das Drehmoment den Vortrieb bestimmt und der Vierstufenautomat sanft durch die Gangstufen ruckt, lassen wir im 260 E gleich die Hand am Schalthebel und ein Auge auf dem Drehzahlmesser. Zu Recht, denn der Zweiventil-Reihensechser kann herrlich drehen. Bis 6200/min darf er, bei 5800/min liefert er volle Leistung. Dabei kling er entspannt, leicht kernig. So fühlt sich der gesittete Mercedes ganz stark nach BMW an!

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Mercedes 260 SE: sechs Zylinder für den Genuss

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Kann die Kombination aus großer S-Klasse und kleinem M-103-Motor überzeugen? Wenn uns der 190 E 2.6 mit seiner sanften Kraft beeindruckt und der 260 E mit Handschaltung durch Drehfreude begeistert, wie will dann der 260 SE punkten? Er setzt voll auf Komfort. Einsteigen, whoap, Tür schließen, Armlehne runter, es sich bequem machen. Willkommen daheim! Da ist es, das beruhigende S-Klasse-Gefühl lichter Weite und humorloser Fertigungs-Pedanterie. In der Baureihe W 126 ist es am stärksten. Bei Materialanmutung und Raumangebot beträgt der Abstand zum merklich günstigeren 190er mehr als zwei Fahrzeugklassen. Der weder knappe noch sparsam gemachte 260 E bleibt ebenfalls auf Distanz.

Diese Oberklasse beweist Augenmaß

Dazu passt, wie unauffällig und perfekt der Motor in der S-Klasse seine Rolle spielt. Akustische und mechanische Laufruhe kommen im 260 SE mustergültig zum Tragen. Selbst unter Last murmelt er nur leise und weit entfernt, obwohl eine kurze Übersetzung und hohe Drehzahlen nötig sind, um 1,6 Tonnen S-Klasse auf Tempo zu bringen. 11,4 Sekunden, eineinhalb mehr als der 190 E 2.6, benötigt der 260 SE, um auf 100 km/h zu beschleunigen. Dessen Stärken liegen eher auf der Langstrecke. Das große Gleiten bei Tempo 150 beherrscht der 260 SE mühelos. Der Eindruck, mit dem 260 SE das konstruktiv ältere und altmodischere Auto zu bewegen, bleibt aber hängen. Es ist eben alles deutlich gesetzter hier!

Genialer Sechszylinder für drei Mercedes

Autor:

Jan-Henrik Muche

Fazit

Das kleine Multitalent M 103 mit 2,6 Liter Hubraum und 160 PS ist die Entdeckung in diesem Vergleich. Ihm gelingt es, in drei unterschiedlichen Wagenklassen genau das Richtige zu tun. Dank des Sechszylinders wirkt kein Mercedes kraftlos. Und keiner der drei kann etwas, was die anderen nicht beherrschen. Dem etwas spröden W 201 verleihen sie Kraft und Würde, die den 190er über dessen Klasse hinausheben. Dem vernünftigen, präzisen W 124 schenkt er eine neue, sportliche Leichtigkeit. Und im W 126 zeigt der kleine Reihensechser, dass eine S-Klasse mehr gar nicht braucht. Schließlich siegt der 260 E, er bietet genug Platz und Komfort, ist bezahl- und erreichbar und bereitet dank seiner fünf Gänge Spaß.

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