So lernte die Bremse das Stottern

So lernte die Bremse das Stottern

Mercedes S-Klasse (W 116): 40 Jahre ABS

So lernte die Bremse das Stottern

An der sicheren, automatischen Stotterbremse tüftelten Mercedes-Ingenieure ein Jahrzehnt lang. 1978 fuhr dann die S-Klasse mit ABS vor. So kam es dazu.
Heute nicht mehr wegzudenken, war das Antiblockiersystem (ABS) bei seiner Einführung 1978 noch revolutionär. Aber auch überfällig. Denn bis Ende der 1970er Jahre bedeutete eine Vollbremsung bei hohem Tempo ein Blockieren der Räder. Ein gefährliches Manöver, denn stillstehende Räder sind nicht lenkbar. Seit Ende der 60er arbeiteten Mercedes-Ingenieure daran, das zu ändern, sie entwickelten das erste Großserien-Antiblockiersystem und führten es 1978 ein in der S­-Klasse der Baureihe W 116. Der technologische Meilenstein bekam den Ausstattungscode 47/0, geboren war das ABS. Doch es kam bei den Autofahrern zunächst nicht gut an, und das nicht nur wegen des hohen Aufpreises von 2217,60 Mark. Assistenzsysteme lehnten viele noch – fälschlicherweise – als den eigenen Fähigkeiten unterlegen ab. Sie vertrauten lieber auf das damals angesagte "Pumpen" auf dem Bremspedal als auf die neuartige "Stotterbremse". Fatal: 60,6 statt 52 Meter Bremsweg! Den vollständigen Artikel lesen Sie in AUTO BILD KLASSIK 7/2018. Hier geht's zum Blick ins Heft!

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Mercedes setzte auf Technik der Firma Teldix

Basis des ersten ABS war Technik der Firma Teldix. Für den Straßenbetrieb war es nicht verlässlich genug. 

Ein langer Weg war es auch für Mercedes, bis das "Brems-Blockiersystem" serienreif war. Andere Autobauer (Jensen, Ford, ITT, Chrysler) hatten es mit dem Maxaret-System aus dem Flugzeugbau versucht, doch das erwies sich im Straßeneinsatz zunächst als untauglich. Die 1966 von Teldix im Kleinlaster Hanomag Markant vorgestellte Bremsdruckregelung schien den Mercedes-Ingenieuren dagegen immerhin eine gute Basis zu sein. Die Firma setzte schnellschaltende Ventile (auch aus dem Flugzeugbau) ein, eine Voraussetzung für das ABS. 1968 ersetzten die Mer­cedes-Leute den unzuverlässigen Reibradsensor erst durch einen neu entwickelten Zweimassen-, später den Einmassensensor und bauten eine (Rückförder­-)Pumpe ein, um bei mehreren Bremsungen den Druck zu hal­ten. Auch eine zusätzliche Drehzahl­erfassung musste her. 

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Zwischenzeitlich wurde die Entwicklung auf Eis gelegt

1970 stellte Mercedes das erste "Anti-Bloc-System" vor. Aufgrund technischer Mängel ging es nicht in Serie. 

Das Ende 1970 vorgestellte "Anti-Bloc-System" war noch ein Fehlschlag, es ging wegen technischer Mängel nie in Serie, die geplante Markteinführung 1975 im Mercedes /8 fand nie statt. Entwicklungsingenieur Jürgen Paul erlebte 1970 bei einem Beinah-Unfall selbst die lebensgefährlichen Lücken des Sys­tems. Die , die Tests mit analogen Systemen wurden 1973 abgebrochen. Die Rettung brachte dann der rasante Siegeszug einer Technik, die damals viele bei Mercedes als ungeeignet für den Fahrzeugbau betrachteten: Mikroelektronik. Fünf Jahre entwickelten die Leute um Ingenieur Heinz Leiber an einem digi­talen Steuergerät, dann musste Manfred Burckhardt, Leiter des Bereichs Hy­draulik, die Technologie noch per Machtwort durchsetzen. Gute Entscheidung. Seit 2004 sind in Europa alle Neuwagen mit ABS aus­gestattet, seit 2014 auch mit dem Elektronischem Stabilitätsprogramm (ESP). Das debütierte  ebenfalls in der S-Klasse der Baureihe W 116.

So lernte die Bremse das Stottern

Autor: Henning Hinze

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