Mercedes S-Klasse W 140

Gebrauchtwagentest Mercedes S-Klasse (W140) Gebrauchtwagentest Mercedes S-Klasse (W140)

Mercedes S-Klasse W 140

— 29.01.2009

Dickschiff auf großer Fahrt

1991 sorgte die neue Mercedes S-Klasse für Aufregung. Viel zu groß, viel zu schwer, viel zu teuer. Heute hat dieser Mercedes Youngtimer-Potential, nervt aber mit Elektronik-Reparaturen.

Eine alter Mercedes der S-Klasse soll vernünftig sein? Buchhalterseelen aus dem SAP-Keller werden diese Feststellung bestenfalls belächeln und stolz in ihren geleasten Kompaktwagen steigen. Und damit wohl kaum billiger unterwegs sein, denn auch in dieser Klasse vernichten drei Jahre je nach Marke, Modell und Ausstattung mindestens 7500 Euro. Für gleiches Geld und gelegentlich sogar für weniger gibt es am Gebrauchtmarkt bereits ein Mercedes S-Klasse vom Typ W140. Mit etwas Pech erfüllt der Wagen nur Euro 1 und verlangt nach einer Steuerabgabe in der Höhe von etwa zwei Astra-Leasingraten. Versicherung? Unfallfreie Fahrer mit entspechendem Leumund müssen hier nicht lange nachdenken, diese Kosten spielen im Vergleich zum Kraftstoffverbrauch keine Rolle. Letzterer kann nämlich bei Stadtfahrten auch mal die 20-Liter-Marke erreichen, der 100-Liter-Tank des Mercedes ist dann erstaunlich schnell leer.

Doch das waren eigentlich schon alle Nachteile betreffend der laufenden Kosten. Wertverlust gibt es praktisch nicht mehr, denn der Mercedes W140 ist bereits im Tal der Verlustkurve angekommen. Alles nicht so schlimm? Ja - wenn alles funktioniert. Leider ist gerade das so gut wie nie der Fall, nicht selten liegt es an der Elektronik.

Der CAN-Bus macht kaum Probleme

Das Cockpit-Layout ist klassisch und übersichtlich. Die zahlreichen elektronischen Funktionen neigen zum Defekt. Hobbyschrauber lassen besser die Hände von der Mercedes S-Klasse.

Diese Mercedes S-Klasse ist bereits mit CAN-Bus ausgestattet, doch gerade der macht die geringsten Probleme. Das Epizentrum der Sorge sind das Motorsteuergerät sowie der Motorkabelbaum des Mercedes. Er verbindet das Steuergerät mit den Einspritzdüsen und unterliegt hoher thermischer Belastung im Mercedes - Motorraum. Irgendwann fällt die Ummantelung ab und die Liezen gucken aus der Isolierung. Bestenfalls stottert der Motor, läuft nicht mehr auf allen Zylindern und schluckt überdurchschnittlich viel Kraftstoff. Schlimmstenfalls ist dann auch das Steuergerät defekt und der Katalysator implodiert. Auch die Lambdasonde kann dabei ihren Dienst quittieren. Bei diesen Anzeichen rechnen Sie mit einem Reparaturaufwand zwischen 1000 und 3000 Euro.

Angenehmer wenn auch nicht billiger in der Behebung sind defekte Fensterheber. Kleiner Ratschlag: Wenn es zu Problemen am Mercedes kommt, fahren Sie in keine freie Werkstatt. Natürlich wird ein guter Schrauber auch hier irgendwann den Fehler finden und eventuell auch nachhaltig beheben. Meist benötigt er aber länger als der routinierte Mercedes-Schrauber, was die verrechnete Arbeitszeit erhöht. Überhaupt: Kaufen Sie keine Mercedes S-Klasse, wenn Ihr Herz dem Bausparen und Groschenzählen gehört. Sie werden dann nämlich niemals den Leerlauf des V8 genießen können sondern immer an Ihre Brieftasche denken.

Keine Sorgen bereiten gewöhnlich Motor und Getriebe. Sofern die Wartung stimmt, denn der Mercedes begehrt alle 10.000 Kilometer einen kleinen Werkstattbesuch. Ölschlammbildung gibt es nur, wenn das Motoröl über längere Zeit nicht gewechselt wurde. Die obligatorische Frage nach dem Scheckheft sollte also von einem Blick nach alten Ölzettel im Motorraum begleitet werden.

Autor: Nikolaus Eickmann

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