Mercedes 200 bis 300 TD

Mercedes W 123

— 20.10.2010

Auch aus zweiter Hand erste Wahl?

AUTO BILD-Archiv-Artikel 36/1986: Mercedes-Modellen eilt seit jeher der Ruf voraus, sie seien unverwüstlich. Viele Gebrauchtwagen-Käufer von 200 bis 300 TD nehmen das wörtlich und kaufen nahezu blind.

Gebrauchtwagen-Interessenten haben bei dem Mercedes W123 den Vorteil, dass sie sich ganz nach Geschmack und Bedarf umschauen können. Den sogenannten 123er Mercedes, so heißt der alte "kleine Mercedes" (1976-1986), gibt's nämlich als viertürige Limousine, als Coupé (230 CE/280 CE) und und auch als Kombi (T-Modell). Die Leistungspalette reicht vom versicherungsgünstigen 55 PS starken Dieselmotor bis hin zum leistungsstarken 185-PS-Sechszylinder. Dass es seit 1985 den Nachfolger für den 123er gibt, tat der Nachfrage und der Preisentwicklung auf dem Gebrauchtwagenmarkt bisher keinen Abbruch.

Das Original: Der Artikel von 1986 als kostenloser Download

Am beliebtesten und somit am teuersten werden die Dieselmodelle gehandelt. Selbst 200.000 Kilometer auf dem Tacho halten viele Leute nicht davon ab, viel Geld für solch ein Fahrzeug auszugeben. Vorsicht! So unverwüstlich – wie immer behauptet – sind die Selbstzünder gar nicht. Gut gepflegte Exemplare schaffen zwar 600.000 Kilometer, die meisten gehen aber vorher in die Knie. Zu erkennen sind altersschwache Dieselmotoren am verölten Umfeld. Sind bei Selbstzündern die Kolbenringe verschlissen, dann drücken die Motoren aus allen Öffnungen und Fugen Öldampf. Meist ist dadurch nach kurzer Zeit der ganze Motorraum versaut.

Überblick: Hier geht es zu AUTO BILD KLASSIK

Unlautere Gebrauchtwagenkäufer säubern deshalb als erstes gründlich den Motorraum. Sie können sie überführen, indem Sie nach der Probefahrt den Öleinfülldeckel öffnen: Bei laufender Maschine darf dort kein Öldampf und kein Druck entwei­chen. Andernfalls steht's um die Maschine nicht mehr zum Besten. Bei den Benzinern beginnt die kritische Zeit bereits nach 150.000 bis 180.000 Kilometern. Dann muss man sich vor Nockenwellen- und Pleuellagerschäden in acht nehmen. Hat der Vorbesitzer nur ein einziges Mal vergessen, den Ölstand zu kontrollieren, schon kann die Maschine einen Knacks haben. Wird's bemerkt, werden diese Autos oft auf die Schnelle scheinbar günstig verkauft. Was sich zunächst wie ein falsch eingestelltes Ventil anhört, entpuppt sich beim neuen Besitzer dann tausend Kilometer später als kapitaler Motorschaden.

Und Mercedes-Motoren sind nicht billig. Weder als Gebrauchtmotor vom Schrottplatz noch in der Instandsetzung und schon gar nicht in einer Mercedes-Vertretung. Preisbeispiel: Die 200er-Benziner-Maschine kostet bei Daimler-Benz samt Einbau rund 6400 D-Mark. Und der 280er-Einspritzmotor verschlingt 12.700 D-Mark. Somit rechnet sich für manchen älteren Mercedes der Motoraustausch nicht, es sei denn, seine Karosserie befindet sich in einwandfreiem Zustand. Die ersten sechs bis acht Jahre bleiben die meisten 123er-Modelle vom Rost weitestgehend verschont. Doch dann heißt's aufpassen: Obwohl den Untertürkheimern von außen oft nichts anzusehen ist, sind einige dann unter der Gürtellinie marode wie eine rostige Mülltonne.

Typische Macken: Lenkgelenke und Feststellbremse

Lassen Sie sich also von glänzendem Lack und dem Kilometerstand älterer Exemplare nicht täuschen. Allein das Alter zählt beim Auto – auch bei Mercedes. Und wenn der Wagen dann schon einmal über der Grube steht, dann lassen Sie am besten von einem Fachmann gleich die Lenkkugelköpfe überprüfen. Denn dies ist ein Schwachpunkt, mit dem die 123er-Mercedes-Modelle beim TÜV überdurchschnittlich häufig unangenehm auffallen. Probleme gibt's bei der TÜV-Vorfahrt auch regelmäßig mit der Bremsanlage. Und das sowohl mit der normalen Betriebsbremse als auch mit der fußbetätigten Feststellbremse.

Muss eine umfangreiche Reparatur vorgenommen werden, dann geht das kräftig ins Geld. Je nach Modell und Aufwand kostet sie zwischen 250 und 1500 Mark. So gesehen taugt der billigste Mercedes nicht, es sei denn, er wird vor dem Kauf gründlich untersucht. Sind alle Inspektionen regelmäßig ausgeführt, die Bremsanlage vor nicht allzu langer Zeit überholt und die Spurstangen erneuert, dann können Sie auch aus zweiter Hand einen Wagen erster Wahl bekommen.
Gesamturteil: Empfehlenswert.

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.