Mille Miglia 2012: Highlights

— 20.05.2012

Eiserne Romantik

80 Stunden Ausnahmezustand: Wer bei der Mille Miglia die Nase vorn haben will, braucht zuverlässige Altauto-Technik, keine Nerven und Durchhaltevermögen. Der Titel geht 2012 nach Argentinien.



Bis zum Samstagabend waren die Straßen voll, die Menschen jubelten. Dann, fast auf Knopfdruck hatten die Fans der alten Autos die Pisten der Mille Miglia am letzten Abend fast für sich alleine – König Fußball schlug in Gestalt des Champions-League-Finales gnadenlos zu. In Bologna war das Mille Miglia-Volksfest noch im Gange, in Parma oder Cremona oder der Kleinstadt Colorno blieben die Tische der Cafés und Bars jedoch fast leer. Als hätte eine Neutronenbombe alles Leben ausgelöscht. Zwischen einsamen Romantikern und vorbeiballernden Mille-Klassikern stand dann keine Absperrung, keine Dreirreihe von Menschen. So könnte es in den 30ern gewesen sein. Ein maximaler Kontrast zur Altstadt von Verona mit Volksfest vor dem Amphitheater oder in Sirmione, wo im Publikum jeder deutsche Dialekt herauszuhören ist.

Reportage: Die Mille Miglia mit dem Bugatti 35

Video: Mille Miglia 2012

Härtetest für Mensch und Maschine

Überhaupt, Mille Miglia ist gelebte deutsch-italienische Freundschaft. Wohnmobile aus dem Ruhrgebiet, Ferrari mit Kennzeichen aus Sachsen und der Eifel, Motorradclubs aus Bayern und, wie jedes Jahr, ein Gruppe von Zimmermännern aus dem Allgäu, die ihre traditionelle Kluft tragen und mit infernalisch lauten Kuhglocken versuchen, die Motoren der Ferrari und Bugatti zu übertönen. Höhepunkte: Rundfahrt durch das antike Rom bei Nacht, wie jedes Jahr die Fahrt durch die Innenstadt von Siena, Verkehrsinfarkt in Florenz, Fahrt durch die Werksanlagen von Ferrari und Maserati, letzte Wertungsprüfung am Samstag Abend über den Rennkurs von Maranello – und natürlich der Futapass im Regen. Zwei Stunden zuvor sonnte sich die Toskana noch bei 23 Grad, gut 900 Metern drüber pieken sich jedoch eiskalte Regentropfen in die Gesichter der Roadster-Fahrer. Es ist zehn Grad kühl und in der Böschung jubeln Mülltüten, die sich bei näherem Hinsehen als regenresistente Fans in Plastikhüllen und Regencapes entpuppten. Unter den deutschen Mille-Helden: Reinhard Schade von der Lebenshilfe Gießen und Robert Faber aus Ingolstadt, der die Mitfahrt im Preisausschreiben von AUTO BILD KLASSIK gewonnen hat. Sie fahren im kleinsten und schwächsten Auto der Mille, einem Fiat Topolino von 1947 mit 12 PS und Landstraßentempo 60.

Rallye: Die Rallye Bodensee-Klassik 2012

Video: Mille Miglia 2012

Geschichte auf Rädern

Allerdings bezaubern sie das italienische Publikum nur kurz, denn hinter Verona macht die Lichtmaschine schlapp, und bis die repariert ist, kommt der Rest der Rallye schon wieder zurück nach Brescia. Ab Bologna ist er dann wieder dabei, der kleine Volksheld, und rollt in Brescia mit den Großen, Starken und Glamourösen über die Rampe. Nicht immer blieb's bei technischem Ärger. Unfälle auf der Strecke gehören bei der Milla dazu. In diesem Jahr kam ein Cisitalia mit verbogener Front und ein Vorkriegszeit-Alfa mit onduliertem Kotflügel ins Ziel, 50 Kilometer vor Brescia demonstrierte ein Mercedes 180 Ponton zwei neuzeitlichen Verkehrsteilnehmern die Funktion der Ur-Knautschzone.

PDF-Download: Gesamtergebnis Mille Miglia 2012

AUTO BILD-Redakteur Tomas Hirschberger bestritt die Mille Miglia 2012 mit einem VW Käfer von 1956. Ohne Servolenkung und Bremskraftverstärker, aber dafür mit natürlicher Klimatisierung über die dreieckigen Ausstellfenster. Anfangs lief alles Prima für den AUTO BILD-Mann, doch dann platzte an Tag zwei hinter Ferrara der 75 PS starke Porsche-Motor im Käfer-Heck. Den Ersatzmotor baut das Mechaniker-Team von volkswagen Classic innerhalb von zwei Stunden unter freiem Himmel ein. Weiter ging's, bis 150 Kilometer vor Rom kein Gang mehr rein wollte. Die ewige Stadt erreichte der Käfer am Abschleppseil. Aufgeben? Im Leben nicht. Die VW-Mechaniker hielten den Käfer mit unbändigem Ehrgeiz im Rennen. Am nächsten Morgen um 7.30 Uhr stand das Tapferle wieder einsatzbereit am Start und schnurrte problemlos die 800 Kilometer zurück nach Brescia. Claudio Scalise und Daniel Claramunt, die Sieger der 2012er Ausgabe des Oldtimer-Marathons, mussten sich mit derlei Technik-Kummer nicht plagen. Die Argentinier gewannen auf einem Alfa Romeo 6C 1500 von 1933. Mehr Impressionen von der Mille Miglia 2012 zeigen wir Ihnen oben in der Bildergalerie!

Autor: Tomas Hirschberger

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