Mille Miglia 2017: Rückblick

Mille Miglia 2017: Rückblick

— 28.04.2017

So schön war die 90. Mille Miglia

Die Mille Miglia feierte in diesem Jahr 90. Geburtstag. Auf den Straßen zwischen Rom und Brescia herrschte für vier Tage Ausnahmezustand.

Die Mille Miglia ist seit ihrer Neuauflage im Jahre 1977 eine Gleichmäßigkeitsfahrt mit rund 120 Prüfungen.

Irgendwie gehört die Mille Miglia schon seit ein paar Jahren nicht mehr in die heutige Zeit. Elektromobilität, Effizienz, Hybridisierung und Diesel-Fahrverbote – das interessiert bei der Rundfahrt durch Italien vier Tage lang niemanden. Und wenn sich eine Meute von rund 450 Oldtimern Mitte Mai in Gang setzt, um vom norditalienischen Brescia über die schönsten Routen halb Italiens nach Rom und wieder zurück zu fahren, hat das etwas Mystisches. Selbst wenn die Rallye seit ihrem Ende Mitte der 50er-Jahre keinerlei sportliche Bedeutung mehr hat. Und auch wenn mittlerweile immer mehr Kommunen zucken und bei der Anfrage nach einer Durchfahrt den Kopf schütteln, ist die Mille Miglia Legende, internationales Großereignis und nationales Volksfest zugleich – denkbar so nur in Italien.

Vor 90 Jahren fand die erste Mille Miglia statt

Jubel am Straßenrand: Überall wo die Mille Miglia durchfährt, ist sie ein Ereignis.

"Die Mille Miglia ist natürlich ein Mythos", so der Schweizer Autosammler Adrian Gattiker, der 2017 mit einem Mercedes 300 SL Flügeltürer mit seltener Aluminiumkarosse unterwegs war. Er war zum dritten Mal bei der Rundfahrt durch halb Italien dabei: "Doch dieser Mythos wird Realität, wenn man die Mille Miglia fährt. Es ist einfach einzigartig." Das dachten sich die meisten der Teilnehmer der Rallye, die in diesem Jahr den 90. Geburtstag ihrer Erstveranstaltung und den 40. Jahrestag der Neuauflage feierte. Die Mille Miglia ist ein Spektakel, denn Hunderttausende von begeisterten Zuschauern bekommen auf der Straße Fahrzeuge zu sehen, die sonst in Privatsammlungen gut gehütet werden. Zugelassen sind bei der Mille Miglia Fahrzeuge, die in den Veranstaltungsjahren der ursprünglichen Mille Miglia von 1927 bis 1957 gebaut wurden.

Die öffentliche Kritik wächst

Die Kulisse auf dem Land muss sich gegenüber den Ortsdurchfahrten nicht verstecken.

Jahrelang hatte das berühmteste Oldtimerrennen der Welt in Italien einen Freibrief. Doch irgendwann kippte die Stimmung. Erste Lokalpolitiker wollten ihre Ortschaften nicht für ein Teilnehmerfeld von einst 375 Fahrzeugen freiräumen, Schulen oder Kindergärten schließen und auf eigene Kosten ein Volksfest veranstalten. Zudem wurden die zahllosen Verkehrsübertretungen im Laufe der Jahre zum ernsthaften Problem. Mit Vollgas durch den Gegenverkehr brettern, rote Ampeln ignorieren und Tempolimits allenfalls als Belustigung wahrnehmen – all dass stieß landauf landab immer mehr auf und es wurden pro Verstoß heftige Bußgelder von 500, 1000 oder mehr Euro verhängt. Seither steht der Mythos Mille Miglia, mittlerweile sinnfrei auf fast 450 Fahrzeuge und vier Tage Dauer ausgeweitet, schräger als der schiefe Turm von Pisa.

BKL 2017: Magische Momente und Sieger

Einzigartige Atmosphäre

Adrian Gattiker in seinem einzigartigen Mercedes 300 SL mit Alukarosse.

Wer die Mille Miglia einmal hinter dem Steuer eines Klassikers erlebt hat, ihr ein paar Kilometer im Tross folgen konnte oder am Wegesrand Fähnchen geschwenkt hat, kann die nach wie vor vorhandene Begeisterung der Beteiligten aber verstehen. Die Teilnehmer, die am Sonntag nach knapp 1700 Kilometern in Brescia die Zielrampe erklimmen, fühlen sich wie einst Stirling Moss als er 1955 in seinem Mercedes 300 SLR die Strecke in einer spektakulären Rekordzeit von weniger als elf Stunden bezwang – wohl gemerkt im fließenden Straßenverkehr. Sein Durchschnittstempo: über 157 km/h. Ganz so tollkühn und schnell geht es heute nicht mehr zu, wenn die Armee der Mercedes 300 SL Flügeltürer, Jaguar XK 120, Porsche 356 auftaucht oder sich spektakuläre Vorkriegsmodelle wie BMW 328, Mercedes SSK, Alfa Romeo 6C 1750 oder Fiat 508 ihren Weg durch kleinste Ortschaften bahnen.

Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport fährt zum Sieg

Auch die Startnummer 1, ein legendärer O.M. 665 Sport Superba, hat es in Ziel geschafft.

Aber die Tour ist anstrengend, wenn sie auch als Gleichmäßigkeitsfahrt mit den originalen Rennen, zwischen 1927 und 1957 ausgefahren, nicht zu vergleichen ist. Gerade in den frühen Vorkriegsmodellen ohne Dach oder größere Windschutzscheiben wie bei einem Bugatti 35/37, dem O.M. 665 oder einem Amilcar GCSS ist das Rennen mehr als eine Herausforderung. Die Gesichter von Fahrer und Beifahrer werden vom Öl verschmiert, ihre Augen sind weit aufgerissen und die Haut von der Sonne gefärbt. Für die meisten im Feld ist die Zielankunft auf der Rampe in Brescia nach vier Tagen und knapp 1700 Kilometern der eigentliche Gewinn. Doch am Ende hatte die Mille Miglia 2017 natürlich auch einen echten Sieger. Dieses Mal gewann die italienische Paarung Andrea Vesco/Andrea Guerini mit der Startnummer 74 auf einem Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport aus dem Jahre 1931. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Luca Patron/Massimo Casale mit ihrem O.M. 665 Sport Superba 2000 von 1925 und Giordano Mozzi/Stefania Biacca auf ihrem Alfa Romeo 6C 1500 GS Zagato.

Die schönsten Bilder der Mille Miglia

www.millemiglia.it

Fotos: Uwe Fischer, Dieter Rebmann, Dino Eisele und Mille Miglia

Autor: Stefan Grundhoff

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