Mini, R4, Käfer und Ente im Vergleich

— 06.09.2010

Oldies von heute

Oldies von heute
AUTO BILD-Archiv-Artikel 37/1986: Käfer, Mini, Ente, R4 - mehr als nur Autos. Jedes ein Glaubensbekenntnis. Entstanden vor Jahrzehnten als genialer Konstrukteursstreich, haben sie alle Auto-Geschichte geschrie­ben.
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Von Karl-August Almstadt Er hat den Kleinwagenbau revolutioniert. Er wurde Eng­lands größter Exporthit nach den Beatles – der Mini. Die Fachwelt staunte, als BMC­-Chefingenieur Alec Issigonis am 26. August 1959 jenen kleinen roten Knaller präsen­tierte, der bei knappsten Außenabmessungen tatsäch­lich ein echter Viersitzer war. Der geniale Kunstgriff hatte darin bestanden, den Motor quer zur Fahrtrichtung zu stellen und die vier Räder an die äußersten Ecken der drei Meter kurzen Karosserie zu bauen. Auch heute noch, nach über sechs Millionen Mini-Einheiten, hat sich daran nichts geändert. Innen ist der Mini maxi, seine Wendigkeit ist kaum zu überbieten. Park­plätze finden sich notfalls in Querstellung, und in Kurven fährt er sich problemlos – fast wie ein Go-Kart. Der Rest ist bescheiden: 42 PS, 986 ccm, 132 km/h, 145er Reifen, 5,9 Liter, 11.800 D-Mark.
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Die einen lieben ihn abgöttisch, die anderen haben nur ein müdes Lä­cheln für ihn übrig. "Lahm, rostig und unzuverlässig", kritisieren den Re­nault 4 solche Besitzer, die ihm stundenlanges Vollgas zugemutet haben, die er mit Startschwierigkei­ten im Winter, blühendem Rost im Frühjahr und defekter Radaufhängung während der Urlaubsreise geär­gert hat. Doch Schwamm drüber. Richtige R4-Fahrer wissen, wie man mit einem Starthilfekabel umgeht, lassen Rost un­ter phantasiereichen Abziehbildern verschwinden und spa­ren beim Zusammen­bruch des Autos im Urlaub die Hotelko­sten: Ein Griff an der Rückbank, und es wird eine gar nicht mal so unbequeme Schlafstätte für zwei Erwachsene draus. Fast achtmillionen­mal wurde der kantige Franzose seit seiner Geburt im Jahr 1961 bis heute gebaut – prinzipiell unverändert.
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Am Anfang hatte es für ihn gar nicht gut aus­gesehen. Solch ein Schuhkarton ne­ben den chromüberladenen Heckflossenschlitten! Einzig Autotester Glodschey prophezeite dem R4 eine große Karriere – und behielt recht. Viel ist an dem R4 bis heute nicht verändert worden. Er hat im Laufe der Jahre ein paar andere Motoren bekommen, irgendwo mehr Plastikverkleidungen und fast normale Sitze. Geblieben ist die Krückstockschaltung. Die Tatsache, dass er in Kurven dank der langen Federwe­ge schaukelt wie ein Krabben-Kutter. Und erhalten geblieben ist ihm auch seine Spar­samkeit: 6,8 Liter Su­perbenzin. Welches Arbeitstier macht's billiger? Als R4 GTL steht der französische Kumpel heute mit 12.100 Mark in der Li­ste, inklusive Schad­stoffarmut und 42-monatiger Steuer­befreiung. Keine schlechten Voraus­setzungen für den Oldie, auch das Jahr 2000 noch zu erleben.
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